Direkte Beobachtung Schwarzes Loch frisst Stern - und spuckt ins All

Zum ersten Mal haben Forscher direkt beobachtet, wie ein großes Schwarzes Loch einen Stern verschlingt und dann einen Materie-Strahl ins All schickt. Dazu nutzten sie Beobachtungen aus zehn Jahren - und aus der ganzen Welt.

Schwarzes Loch mit Materie-Jets (künstlerische Darstellung)
Sophia Dagnello/NRAO/AUI/NSF/DPA

Schwarzes Loch mit Materie-Jets (künstlerische Darstellung)


Ein internationales Wissenschaftlerteam hat verfolgt, wie ein gigantisches Schwarzes Loch einen Stern zerreißt und einen Teil davon in einem scharfen Strahl in den Weltraum schleudert. Zum ersten Mal habe man die Entstehung und Ausbreitung eines solchen Materie-Jets eines supermassiven Schwarzen Lochs direkt beobachtet, erläutern die Wissenschaftler um Seppo Mattila von der Universität Turku in Finnland und Miguel Pérez-Torres vom Astrophysikalischen Institut von Andalusien in Spanien.

Der Materie-Jet schießt mit rund einem Viertel der Lichtgeschwindigkeit ins All hinaus, wie die Astronomen im Fachblatt "Science" berichten.

Die Forscher hatten für ihre Untersuchung Beobachtungsdaten von zahlreichen Observatorien aus mehr als zehn Jahren ausgewertet. Ursprünglich hatten sie nach Supernova-Sternexplosionen in einem Paar kollidierender Galaxien gefahndet und dort 2005 einen hellen Strahlungsausbruch registriert. Erst sechs Jahre später zeigte sich, dass es sich bei dem Ausbruch nicht um eine Supernova handelte - sondern dass offensichtlich ein Schwarzes Loch mit der Masse von 20 Millionen Sonnen einen Stern zerrissen hatte, der ihm zu nahe gekommen war.

Die Materie des Sterns sammelt sich bei so einem Ereignis auf einer Scheibe um das Schwarze Loch, bevor sie hineinfällt. Ein Teil der Materie wird jedoch in zwei eng gebündelten Jets senkrecht zur Scheibe ins All geschleudert. "Niemals zuvor konnten wir die Entstehung und Entwicklung eines Jets von einem solchen Ereignis direkt beobachten", so Pérez-Torres.

Um das Ereignis in der rund 150 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie mit der Katalognummer Arp 299 mit ausreichender Detailschärfe beobachten zu können, hatten die Forscher unter anderem Tausende Kilometer voneinander entfernte Radioteleskope zu einem virtuellen Riesenteleskop zusammengeschaltet.

Jet und Scheibe leuchten hell auch im Bereich der Radiowellen, die von der umliegenden Materie in der Galaxie kaum geschluckt werden. Erst 2011 war der Jet jedoch so weit gewachsen, dass er in den irdischen Teleskopen bemerkbar wurde. Die weitere Beobachtung in den folgenden Jahren zeigte dann, wie sich der Jet ausdehnte und bestätigte damit, dass es sich bei dem Ereignis nicht um eine Supernova-Explosion handelte.

Video: Schwarze Löcher - Eine Zeitreise ins Universum

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Die Astronomen hoffen, aus der Beobachtung dieses und möglicher weiterer derartiger Ereignisse mehr über die bislang nicht im Detail verstandene Entstehung von Jets bei solchen supermassiven Schwarzen Löchern zu lernen.

Till Mundzeck, dpa/chs



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