Schweifstern 2002 P3: Deutscher Hobbyforscher entdeckt Jubiläums-Komet

Von Martin Paetsch

Der 500. Komet ist mit dem europäisch-amerikanischen Sonnensatelliten Soho aufgespürt worden. Entdecker des Himmelskörpers ist ein deutscher Amateurastronom aus Elmshorn.



Eigentlich ist das Sonnenobservatorium Soho dafür gedacht, spektakuläre Ausbrüche auf dem Zentralgestirn aufzuzeichnen. Doch der europäisch-amerikanische Satellit eröffnet nebenbei auch Kometenforschern ganz neue Möglichkeiten. Sie können die rasenden Eisbrocken dort aufspüren, wo viele der Objekte zwangsläufig vorbeikommen müssen: in direkter Nähe zur Sonne.

Neu entdeckter Komet C/2002 P3 (Pfeil): Mickriges Exemplar
SOHO (ESA/NASA)

Neu entdeckter Komet C/2002 P3 (Pfeil): Mickriges Exemplar

Seit dem Start des "Solar Heliospheric Observatory" Ende 1995 sind mit seiner Hilfe Hunderte von Schweifsternen gefunden worden. Ein Großteil der Neuzugänge geht auf das Konto von Hobbyforschern aus aller Welt, die unermüdlich die auf den Webseiten der Weltraumbehörden Esa und Nasa veröffentlichten Aufnahmen des Weltraumteleskops durchforsten. Manchmal finden sie darauf bewegliche Lichtflecke - Kometen bei der Umrundung der Sonne.

Jetzt kann die Soho-Gemeinde ein stolzes Jubiläum feiern, denn den Kometenjägern ging unlängst der 500. Schweifstern ins Netz. Die Entdeckung, der mehrere hundert Online-Astronomen seit einigen Wochen entgegenfieberten, darf ein deutscher Enthusiast für sich verbuchen: der Gesamtschullehrer Rainer Kracht aus Elmshorn in Schleswig-Holstein.

Kracht hatte aktuelle, im Internet publizierte Aufnahmen des Soho-Koronografen Lasco ("Large Angle and Spectrometric Coronagraph") ausgewertet - ein weitwinkliges Instrument, dass die eigentliche Sonnenscheibe ausblendet und so eine großräumige Beobachtung der Korona, also der äußeren solaren Atmosphäre, erlaubt. Auf den Bildern fiel dem Hobbyforscher ein heller Punkt auf.

Ein aus mehreren Lasco-Fotos zusammengesetzter Film zeigt, wie das unscheinbare Objekt am 12. August in wenigen Stunden durchs Blickfeld des Weltraumteleskops huschte. Mittlerweile wurde der "Sonnenstreifer", wie solche knapp am Zentralgestirn vorbeifliegenden Kometen genannt werden, als Neuentdeckung bestätigt. Er trägt die offizielle Katalognummer C/2000 P3 und, um das Jubiläum zu würdigen, den Zusatz Soho-500.

"Jeder Amateurastronom träumt davon, einen Kometen zu entdecken", kommentierte Kracht seinen Fund. Für den eifrigen Elmshorner sind allerdings schon überdurchschnittlich viele Träume in Erfüllung gegangen: Er hat auf Soho-Bildern bereits 63 Kometen aufgespürt, die den Profis entgangen waren. Damit steht er hinter dem Briten Mike Oates aus Manchester (136 Kometen) auf Platz zwei der Bestenliste.

Nach Kracht ist sogar eine kleine Gruppe aus bislang sieben Schweifsternen benannt worden, die vermutlich durch den Kollaps eines größeren Himmelskörpers entstanden ist. Ohnehin handelt es sich bei den mit Soho identifizierten Kometen meist um eher mickrige Exemplare: "Sie sind ziemlich klein, typisch ist ein Durchmesser von nur etwa zehn Metern", erklärt Bernhard Fleck, Soho-Projektwissenschaftler bei der Europäischen Weltraumagentur Esa.

Dennoch sind die Winzlinge auch wissenschaftlich interessant - sie erlauben Rückschlüsse auf die riesigen Brocken, aus denen sie hervorgegangen sind. "Die meisten kommen aus derselben Richtung im Weltall", so Fleck. "Der ursprüngliche Komet muss einen enormen Durchmesser besessen haben, um so viele Trümmer zu erzeugen, wahrscheinlich mehr als hundert Kilometer." Fragmente des Giganten wurden bereits von den alten Griechen beobachtet.

Wie einige andere Sonnenkratzer zählt C/2002 P3 jedoch nicht zu dieser großen Sippe. Vielmehr fliegt er in einem von drei weniger umfangreichen Trupps, die erst in diesem Jahr ausgemacht wurden, darunter auch die Kracht-Gruppe. Noch ist unbekannt, woher die kosmischen Kleinfamilien stammen. Sicher ist aber: Der nun entdeckte Jubiläums-Komet ist kein Mitglied der Kracht-Gruppe - er gehört zur Meyer-Familie, die nach einem anderen Kometenjäger benannt wurde.

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