Selbstbau-Satellit Funkender Raumanzug schwächelt

Nur schwache Signale kommen von dem ausgestopften Raumanzug, den ISS-Astronauten im All ausgesetzt haben. Meldungen, er sei verstummt, widersprechen aber Funkamateure. Sie können "SuitSat" weiterhin hören.


"Die Todesnachrichten waren verfrüht", sagte Allen Pitts, Sprecher der US-Vereinigung von Amateurfunkern AARS. Er reagierte damit auf Meldungen, der seltsame Satellit "SuitSat" sende keine Nachrichten mehr aus. Den russischen Raumanzug hatte die Besatzung der Internationalen Raumstation ISS mit einem Funkgerät und nutzlos gewordenen Gegenständen voll gestopft. Komplett mit Helm und Handschuhen hatten die Astronauten ihn in der Nacht zu Samstag ins All gestoßen. Dort sollte er mehrere Tage neben Sprachbotschaften auch Informationen über Temperatur und Batteriekapazität sowie seine Flugzeit übertragen.



Nur fünf Stunden nach dem Start der Mission aber hatte ein Nasa-Sprecher mitgeteilt, dass das Funksignal abgebrochen sei. Dazu gab es im Verlauf des Wochenendes widersprüchliche Berichte. Amateurfunker Pitts sagte am Sonntag zwar, die Signale seien "schwach, kalt und sehr schwer zu erfassen", aber sie seien da. Die Einträge auf der Website des Satelliten bestätigen dies: Hier geben Amateurfunker an, die Funksignale des Satelliten auf der Frequenz 145.990 MHz UKW gehört zu haben.

"Sehr schwach", "männliche Stimme, die russisch klang", "Teile unterschiedlicher Sprachen", "kaum wahrnehmbar" und "sehr schwaches Signal - zu schwach zum Verstehen, vielleicht eine weibliche Stimme" lauten einige der jüngsten, wenige Stunden alten Einträge.

In einer Endlosschleife soll der im All taumelnde Raumanzug kurze Worte in den Sprachen Englisch, Französisch, Russisch, Spanisch, Deutsch und Japanisch zur Erde schicken. Schüler sollen diese empfangen.

Eine Erklärung für die schwache Leistung des improvisierten Satelliten sieht der Vorsitzende der Amateurfunker an der Internationalen Raumstation (ARISS), Frank Bauer, in der Eigendrehung des Anzugs. Durch Herumtaumeln im All könnten diese Aussetzer entstehen. "Es ist absolut klar, dass SuitSat am Leben ist", sagte Bauer.

In rund sechs Wochen wird der ausgestopfte Raumanzug, den die ISS-Astronauten Bill McArthur, 54, und Waleri Tokarew,53, "Iwan Iwanowitsch" getauft haben, in der Erdatmosphäre verglühen.

stx/ap/dpa/reuters



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