Seltsame Supernova Sternenleiche will nicht verblassen

Astronomen haben eine einzigartige Erscheinung im All entdeckt: eine Supernova, deren Nachglühen im Röntgenlicht einfach nicht schwächer wird. Die Forscher konnten 16.000 Jahre in die Vergangenheit der Sternenleiche zurückblicken.


Galaxie M100, Supernova SN 1979C (Kreis) im sichtbaren und ultravioletten Bereich: Leuchtkraft 250-mal schwächer als zuvor
NASA / ESA

Galaxie M100, Supernova SN 1979C (Kreis) im sichtbaren und ultravioletten Bereich: Leuchtkraft 250-mal schwächer als zuvor

Riesensterne, die mehr als zehnmal so massereich sind wie unsere Sonne, vergehen in einem spektakulären Feuerwerk. Wenn in ihrem Innern der Brennstoff für die Kernfusion aufgebraucht ist, stürzen die glühenden Kolosse unter ihrer eigenen Schwerkraft zusammen. Es folgt eine gewaltige Explosion, die die Hülle des Sterns ins All schleudert und den geschrumpften Kern zurücklässt.

Solche Supernovae sind zwar extrem hell und können mitunter ganze Galaxien überstrahlen, verblassen aber auch recht schnell wieder. Schon nach zehn Tagen sinkt ihre Leuchtkraft um die Hälfte, sowohl im Bereich des sichtbaren Lichts als auch in anderen Wellenbereichen.

Die Supernova namens SN 1979C aber ist anders. Im sichtbaren Licht wurde sie seit 1979, als ihr Licht die Erde erreichte, tatsächlich 250-mal schwächer. Im Röntgenbereich aber ist sie noch immer das hellste Objekt in der Galaxie M100 im Sternbild Jagdhunde, schreibt ein Team um Stefan Immler von der Nasa in der Oktoberausgabe des Fachblatts "Astrophysical Journal".

Röntgenlicht von Galaxie M100 und Supernova SN 1979C: Nahezu konstantes Nachglühen
NASA / ESA

Röntgenlicht von Galaxie M100 und Supernova SN 1979C: Nahezu konstantes Nachglühen

Beobachtungen mit dem Esa-Weltraumteleskop "XMM-Newton" haben ergeben, dass SN 1979C seit 25 Jahren nahezu konstant Röntgenlicht aussendet. Die Gründe sind den Forschern zwar unbekannt, doch das Phänomen erlaubt einen tiefen Blick in die Vergangenheit des Sterns.

Vor seiner Explosion hat der Riesenstern über mehrere Millionen Jahre heftige Teilchenwinde ins All geblasen. Die Schockwelle der Supernova hat den Sonnenwind eingeholt und auf mehrere Millionen Grad erhitzt, schreiben Immler und seine Kollegen. Die dabei entstehende Röntgenstrahlung erlaube die Rekonstruktion der letzten 16.000 Jahre Sternenaktivität vor der Explosion. Die Wissenschaftler konnten auch die Dichte des Gases um den Stern bestimmen und ausrechnen, dass er einst 18 Sonnenmassen besaß.

"Diese 25 Jahre alte Kerze in der Nacht hat es uns ermöglicht, Aspekte einer Sternenexplosion so detailliert wie noch nie zu studieren", schwärmt Immler. "All die wichtigen Informationen, die normalerweise schon in wenigen Monaten verschwinden, sind immer noch da."

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