Seti-Projekt: Erste Zielfahndung nach Außerirdischen erfolglos

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Das "Kepler"-Weltraumteleskop hat eine riesige Zahl potentieller Planeten außerhalb des Sonnensystems entdeckt. Jetzt haben Wissenschaftler einige der fernen Welten auf Signale von Außerirdischen belauscht. Erste Ergebnisse sind enttäuschend - aber entmutigt sind die Forscher nicht.

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"Green-Bank"-Teleskop: Aliens, wo seid ihr?

Noch in den achtziger Jahren hielten Wissenschaftler die Suche nach Außerirdischen für das Geschäft von Spinnern: Die Existenz eines kleinen, lebensfreundlichen Gesteinsplaneten wie der Erde erschien als derartig unfassbare Verkettung von Glücksfällen, dass die Hoffnung auf eine zweite Erde in den Tiefen des Alls vergeblich erschien. Sogar die Existenz irgendeines weiteren Planetensystems außer dem unseren galt als unwahrscheinlich.

Inzwischen weiß man mehr: Planeten sind keine Ausnahme, sondern die Regel im All. Und stieß man anfangs zunächst nur auf Gasriesen vom Format des Jupiters, ist inzwischen klar, dass auch kleinere Gesteinsbrocken oft vorkommen dürften. Jüngste Schätzungen gehen davon aus, dass die Milchstraße mehrere Milliarden erdähnlicher Planeten enthält.

Die Preisfrage lautet: Auf wie vielen gibt es Leben, und beherbergen manche vielleicht sogar fortschrittliche Zivilisationen? Die Alienjäger des Seti-Projekts haben jetzt einige Dutzend der Sterne belauscht, in deren Orbit das "Kepler"-Weltraumteleskop jeweils mehrere Planetenkandidaten entdeckt hatte - in der Hoffnung, Funksignale aufzufangen.

Die schlechte Nachricht: Auf eine Botschaft von Außerirdischen müssen wir Erdlinge weiter warten. Die gute Nachricht: Es gibt noch Hoffnung, und zwar reichlich.

Enge Auswahl vielversprechender Kandidaten

Nach ihren ersten Berechnungen schätzen die Wissenschaftler, dass an weniger als einem von einer Million sonnenähnlichen Sternen eine Zivilisation existiert, die leicht empfangbare Funksignale von sich gibt. Das klingt zunächst ernüchternd. Doch angesichts der Tatsache, dass es wahrscheinlich Milliarden erdähnlicher Planeten allein in der Milchstraße gibt - die ihrerseits nur eine von Millionen Galaxien ist - könnte das All noch immer ein Flohzirkus sein.

Wie die Wissenschaftler um Andrew Siemion von der University of California in Berkeley im "Astrophysical Journal" schreiben, haben sie 86 Sterne untersucht, in deren Orbit das "Kepler"-Teleskop Kandidaten für erdähnliche Planeten oder gleich ganze Planetensysteme gefunden hat. Die ausgewählten Sterne liegen nur 1000 bis 1500 Lichtjahre von der Erde entfernt, also in direkter kosmischer Nachbarschaft. Es war das erste Mal, dass die Seti-Forscher gezielt bei bestimmten Sternen nach Alien-Signalen gesucht haben.

Das Team, zu dem auch Jill Tarter gehört - das Vorbild für die von Jodie Foster gespielte Forscherin Jane Arroway im Kinofilm "Contact", konzentrierte sich bei seiner Suche von Februar bis April 2011 auf Funksignale des Frequenzbereichs zwischen 1,1 und 1,9 Gigahertz. In diesem Bereich strahlen auf der Erde beispielsweise Fernsehsender und Handys. Allerdings haben die Forscher innerhalb dieser Spanne nach Signalen mit einer Bandbreite von nur fünf Hertz Ausschau gehalten. "So weit wir wissen", schreiben sie, "wäre das ein unmissverständliches Zeichen für die Technik einer intelligenten Zivilisation."

Lauschangriff dauerte nur fünf Minuten pro Stern

Am Ende standen die Forscher mit leeren Händen da. Das aber bedeute keineswegs, dass man die Suche nach Aliens nunmehr einstellen könnte. Denn zum einen belauschten die Wissenschaftler jedes der ausgewählten Planetensysteme nur fünf Minuten lang.

Zudem haben sie nur nach einer bestimmten Art von Signal gesucht - und obendrein nach einem äußerst lauten. Das Ergebnis, dass nur jeder einmillionste Stern einen Planeten mit fortschrittlichen Aliens beherberge, bezieht sich auf Zivilisationen des Typs II auf der sogenannten Kardaschow-Skala. Das bedeutet, dass die entsprechende Zivilisation in der Lage ist, die Gesamtleistung ihres Zentralsterns zu nutzen. Die Menschheit wäre auf dieser Skala dagegen nur Typ I.

Auch dass Aliens überhaupt Funktechnik benutzen, sei eine reine Hypothese, räumen die Forscher ein: "Wir können kein Argument dafür vorlegen, dass eine intelligente Zivilisation unbedingt schmalbandige Funksignale produziert", heißt es in der Studie. Das bedeute, dass man von vornherein nur nach einer bestimmten Unterart von Zivilisationen suche - und die Größe dieser Unterart sei schwierig abzuschätzen.

Wie der Onlinedienst Space.com berichtet, will das Team nun erneut das "Green-Bank"-Teleskop im US-Bundesstaat West Virginia nutzen, um in den nächsten Monaten eine neue, verbesserte Suche durchzuführen. Dabei wollten sie sich auf Sterne mit mehreren Planeten konzentrieren - in der Hoffnung, dass zwischen diesen Planeten Funksignale ausgetauscht werden.

Es sei das erste Mal gewesen, dass das "Green-Bank"-Observatorium für eine solche Suche genutzt worden sei, sagte Siemion zu Space.com. In Zukunft könne man vielleicht auch empfindliche Teleskope einsetzen, um noch schwächere Signale empfangen zu können.

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1.
stefansaa 11.02.2013
Zitat von sysopAPDas "Kepler"-Weltraumteleskop hat eine riesige Zahl potentieller Planeten außerhalb des Sonnensystems entdeckt. Jetzt haben Wissenschaftler einige der fernen Welten auf Signale von Außerirdischen belauscht. Erste Ergebnisse sind enttäuschend - aber entmutigt sind die Forscher nicht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/seti-gezielte-suche-nach-ausserirdischen-erfolglos-a-882650.html
Selbst wenn es andere Zivilisationen gibt...die Menschheit kennt Radio, Fernsehen und Satelliten seit weniger als 100 Jahren. Bei 1.500 Lichtjahren, benötigen solche Signale (wenn sie sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegen) immer noch 1.500 Jahre...das heisst, dass selbst wenn es dort seit 800 Jahren Aliens gibt, die Satelliten etc. nutzen, werden wir das auch erst in 700 Jahren erfahren...naja alles Wahnsinn und eh nicht vorstellbar oder greifbar.
2. Geldverschwendung
tkrampitz 11.02.2013
Wunderbar. Jetzt werden Steuergelder schon dafür verbrannt, dass man nach Aliens sucht. Welchen Wert hätte es denn, wenn man auf jahrhunderte oder jahrtausende alte Funksignale einer fremden Zivilisation stoßen würde? Vielleicht sollten die westlichen Staaten zunächst ihre Staatshaushalte konsolidieren und solche Bemühungen ersatzlos von der Förderliste streichen. Wir haben eine Banken- und Staatsschuldenkrise und diese Institutionen verbrennen sinn- und zweckbefreit öffentliche Gelder.
3. 1000 - 1500 Lichtjahre entfernt!?
pelikan10 11.02.2013
Hm.. wenn ich mich recht erinnere breiten sich Funkwellen auch mit Lichtgeschwindigkeit aus. Das bedeutet das wir diese Planeten zu einem Zeitpunkt von 1000 - 1500 Jahren vor "heute" belauscht haben! Wenn man sich jetzt noch den Entwicklungsstand der Erde zu diesem Zeitraum in Erinnerung ruft.........
4.
laller 11.02.2013
Zitat von sysopAPDas "Kepler"-Weltraumteleskop hat eine riesige Zahl potentieller Planeten außerhalb des Sonnensystems entdeckt. Jetzt haben Wissenschaftler einige der fernen Welten auf Signale von Außerirdischen belauscht. Erste Ergebnisse sind enttäuschend - aber entmutigt sind die Forscher nicht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/seti-gezielte-suche-nach-ausserirdischen-erfolglos-a-882650.html
Man sollte einfach die vielen UFO-Sichtungen ernst nehmen und besser hier auf der Erde danach suchen.
5. Was ist...
Layer_8 11.02.2013
Zitat von sysopAPDas "Kepler"-Weltraumteleskop hat eine riesige Zahl potentieller Planeten außerhalb des Sonnensystems entdeckt. Jetzt haben Wissenschaftler einige der fernen Welten auf Signale von Außerirdischen belauscht. Erste Ergebnisse sind enttäuschend - aber entmutigt sind die Forscher nicht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/seti-gezielte-suche-nach-ausserirdischen-erfolglos-a-882650.html
...wenn die Aliens nur Subraumbotschaften austauschen ;-) Alles andere wäre doch wirklich zeitaufwändig und nutzlos, zugegeben, nach "menschlichem" Ermessen. Man bedenke auch den Energieaufwand für "klassische" Informationssignale , welche noch in, sagen wir 1000 Lichtjahren Entfernung, aus dem Hintergrundrauschen filterbar sein sollen. Und dann ist's sowieso schnell vorbei mit "inhaltsvollem" Halbduplex. Anderer Funkbetrieb ist ja auch sonst sowieso sinnlos im Minkowskiraum, lol
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Methoden der Planetenjagd
Die Suche nach der zweiten Erde
Die Entdeckung der ersten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems galt als wissenschaftliche Sensation. 1992 wiesen Forscher die ersten Exoplaneten im Orbit um den Pulsar PSR B1257+12 nach. 1995 fanden Michel Mayor und Didier Queloz erstmals einen Planeten in der Umlaufbahn eines Sterns, der unserer Sonne ähnelt. Zuvor war unter Forschern heftig umstritten, ob es überhaupt Planeten in den Tiefen des Alls gibt - oder ob unser Sonnensystem das einzige seiner Art ist. Inzwischen sind jedoch rund 600 Exoplaneten in mehr als 480 Systemen bekannt.
Die größte Hürde
Mit heutigen Teleskopen können Exoplaneten nur unter größten Schwierigkeiten direkt beobachtet werden, da ihr Heimatstern sie bei weitem überstrahlt. Astronomen sind deshalb auf indirekte Methoden angewiesen, die in den vergangenen Jahren immer weiter verfeinert wurden und die Entdeckung immer kleinerer Planeten erlauben. Das begehrteste Objekt ist eine "zweite Erde": ein Felsplanet, der in Größe und Masse der Erde ähnelt und seinen Stern in der sogenannten Grünen Zone umkreist, in der die Existenz von flüssigem Wasser auf der planetaren Oberfläche möglich ist.
Radialgeschwindigkeitsmessung
Die Messung der Radialgeschwindigkeit ist das älteste Verfahren zum Nachweis extrasolarer Planeten. Wenn ein Planet einen Stern umrundet, zwingt er ihm eine leichte Taumelbewegung auf: Der Stern schlingert wie ein Hammerwerfer. Dadurch bewegt er sich minimal auf den Betrachter zu und von ihm weg. Durch den Doppler-Effekt wird das Licht dabei abwechselnd kurzwelliger und langwelliger.

Anfangs war diese Methode noch so grob, dass mit ihr nur große Gasplaneten vom Kaliber des Jupiters entdeckt werden konnten, die ihren Stern zudem in einem engen Orbit umrunden. Leben ist auf diesen glühend heißen Giganten aber kaum möglich. Erst seit kurzem können Wissenschaftler mit dieser Methode auch kleinere Planeten von der Größe der Erde entdecken - vorzugsweise im Orbit um Rote Zwergsterne. Sie sind wesentlich kleiner und kühler als unsere Sonne, weshalb erdähnliche Planeten sie in einer engen Bahn umkreisen und dennoch lebensfreundlich sein können.
Transitmethode
Die Transitmethode kann angewandt werden, wenn ein Planet von der Erde aus gesehen direkt vor seinem Heimatstern vorbeizieht. Dabei verdeckt er einen Teil des Sternenlichts. Anhand der Abdunkelung können Astronomen auf die Existenz des Planeten schließen. Und nicht nur das: Die Transitmethode erlaubt auch gewisse Rückschlüsse auf die Atmosphäre eines Planeten. Während des Transits werden je nach Zusammensetzung der Gashülle verschiedene Wellenlängen des Sternenlichts unterschiedlich stark absorbiert. Auf diese Weise konnten Forscher in der Atmosphäre von HD 209458b Wasserstoff, Sauerstoff und möglicherweise sogar Wasserdampf nachweisen.
Gravitationslinseneffekt
Beim Gravitationslinseneffekt, auch "gravitational microlensing" genannt, wird das Licht eines Himmelskörpers durch ein Objekt im Vordergrund verstärkt. Der Effekt wird von Albert Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie beschrieben: Die Schwerkraft eines Objekts mit großer Masse, etwa eines Sterns oder einer Galaxie, krümmt die Raumzeit und lenkt das Licht ab - so, als ob eine gigantische optische Linse im Raum schweben würde. Auf diese Weise können auch lichtschwache Objekte sichtbar werden, die Astronomen sonst verborgen blieben. Mit dieser Methode wurden bereits mehrere Exoplaneten entdeckt.
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Exoplaneten: Suche nach der zweiten Erde