"Shefex II": Bergungsteam sucht nach Hyperschall-Flugkörper

Ein paar Daten aus der Zeit kurz vor seiner Landung im Eismeer fehlen - und doch sind deutsche Forscher zufrieden mit der rasanten Reise des Hyperschall-Flugkörpers "Shefex II". Ob er aus dem Wasser geborgen werden kann, ist noch nicht klar.

"Shefex II": Heiße Spitze Fotos
DPA / DLR

Berlin - Nicht alles ist glatt gegangen beim Flug des deutschen Hyperschall-Flugkörpers "Shefex II". Und doch zeigt sich Hendrik Weihs vom Institut für Bauweisen- und Konstruktionsforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) höchst zufrieden. "Die Daten haben wir zu 95 Prozent", sagte er am Samstagabend nach einer letzten Sitzung auf der norwegischen Raketenbasis Andøya.

Die Abkürzung "Shefex" steht für "Sharp Edge Flight Experiment", also "scharfkantiger Flugversuch". Der Flugkörper war am Freitagabend nach mehrfacher Verzögerung vom einsamen Startplatz weit jenseits des Polarkreises abgehoben. Angetrieben von zwei Raketenstufen stieg die Spitze in rund 250 Kilometer Höhe. Dann fiel sie mit bis zu elffacher Schallgeschwindigkeit wieder zur Erde zurück, gesteuert von winzigen Stummelflügeln.

Der Versuch soll Wissenschaftlern dabei helfen, einen weit simpleren Hitzeschutz für Raumfahrzeuge zu entwickeln als bisher üblich. Statt komplizierter gerundeter Formen würden scharfkantige Elemente zum Einsatz kommen. Die Forscher hoffen so auf deutliche Kosteneinsparungen - wenn das Konzept denn tatsächlich einmal praktisch umgesetzt wird, zum Beispiel für einen kleinen Raumgleiter zum unbemannten Transport wissenschaftlicher Experimente

"Shefex II" sollte dabei helfen, dieser Vision einen Schritt näher zu kommen. Auf dem letzten Abschnitt des Flugs hatte es allerdings einige Probleme beim Empfang der Daten gegeben. Die Bodenstation in Spitzbergen hatte keine Signale registrieren können. Dadurch waren den Wissenschaftlern die Messergebnisse aus dem Höhenbereich zwischen 37 und 20 Kilometern über dem Boden vorenthalten geblieben.

Doch auch diese Daten ließen sich noch einsammeln - wenn es einem Bergungsteam gelingt, die Reste von "Shefex II" aus dem Arktischen Ozean zu fischen. Ein Überwachungsflugzeug hatte am Freitag die Signale eines Peilsender aufgefangen und an ein Schiff weitergeleitet. Aus der Luft ist der Sender leichter zu orten, weil selbst hohe Wellen das Signal nicht stören.

Die Bergungscrew sucht seitdem nach der Spitze. Allerdings seien die Sichtbedingungen derzeit schlecht, sagte DLR-Mann Hendrik Weihs. Die Batterie des Peilsenders halte noch bis etwa Montag. "Die Chancen stehen 50 zu 50, dass wir die Hardware wiederbekommen." In jedem Fall sei man aber sehr zufrieden mit dem Flug. Eine mögliche Bergung der Technik sei bestenfalls "ein kleines Highlight obendrauf". Auch der erste "Shefex"-Flugkörper im Jahr 2005 konnte nach seinem Flug nicht wiedergefunden werden.

chs

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Bergungsteam sucht vergebens?
rolandjulius 23.06.2012
Dachte schon die koennten es besser als die Leute mit der Superdrohne. Weit gefehlt. Das selbe Schicksal. Diesen Efekt haette man in einer gut ausgeruesteten Werkstaette auch mit einer handvoll Schweissbrennern er-zielen koennen. Ja, bei einem Rentenanspruch wird dann erzaehlt, dass kein Geld da ist und der Buerger gleitet in die Altersarmut.
2.
Kometenhafte_Knalltüte 23.06.2012
Zitat von rolandjuliusDachte schon die koennten es besser als die Leute mit der Superdrohne. Weit gefehlt. Das selbe Schicksal. Diesen Efekt haette man in einer gut ausgeruesteten Werkstaette auch mit einer handvoll Schweissbrennern er-zielen koennen. Ja, bei einem Rentenanspruch wird dann erzaehlt, dass kein Geld da ist und der Buerger gleitet in die Altersarmut.
Depressiv? Ehrlich, das Etat, was das DLR jährlich "verschlingt", ist lächerlich gering im Vergleich zu jeglichen anderen Augaben im "öffentlichen Interesse". Selbst die Herdprämie dürfte höhere Kosten verursachen. Also bitte über Anderes schmollen!
3.
Oberleerer 23.06.2012
Zitat von Kometenhafte_KnalltüteDepressiv? Ehrlich, das Etat, was das DLR jährlich "verschlingt", ist lächerlich gering im Vergleich zu jeglichen anderen Augaben im "öffentlichen Interesse". Selbst die Herdprämie dürfte höhere Kosten verursachen. Also bitte über Anderes schmollen!
Obwohl viele Proffesoren Geld für Unsinn abzwacken (letztes Beispiel: Magnetschwebebahn) und die Raumforschung mitunter erst in Jahrzehnten Früchte trägt, sind mir 10 dieser Raketen lieber als sinnlos Zinsen für den ESM zu zahlen.
4.
M. Michaelis 24.06.2012
Zitat von rolandjuliusDachte schon die koennten es besser als die Leute mit der Superdrohne. Weit gefehlt. Das selbe Schicksal. Diesen Efekt haette man in einer gut ausgeruesteten Werkstaette auch mit einer handvoll Schweissbrennern er-zielen koennen. Ja, bei einem Rentenanspruch wird dann erzaehlt, dass kein Geld da ist und der Buerger gleitet in die Altersarmut.
Es geht bei einem solchen Test nicht darum die Temperatufestigkeit zu testen sondern das Verhalten von Material und Form unter echten aerodynamischen Verhältnissen.
5.
Teilnehmername besetzt 25.06.2012
Zitat von rolandjuliusDachte schon die koennten es besser als die Leute mit der Superdrohne. Weit gefehlt. Das selbe Schicksal. Diesen Efekt haette man in einer gut ausgeruesteten Werkstaette auch mit einer handvoll Schweissbrennern er-zielen koennen. Ja, bei einem Rentenanspruch wird dann erzaehlt, dass kein Geld da ist und der Buerger gleitet in die Altersarmut.
Die wirklich wichtigen Daten sind vorhanden weil sie während des Fluges per Telemetrie gesendet wurden. Bergung zur untersuchung wäre ein nice to have gewesen. Forschung ist wichtig für den High-Tech Standort Deutschland, das ist alles was wir haben: Unser Know-How! Wenn wir dafür nichts mehr investieren gehen hier bald alle Lichter aus und der Rentenanspruch ist dann das wohl geringste Problem.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Weltall
RSS
alles zum Thema Raumfahrt
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 6 Kommentare
Fotostrecke
"Shefex II": Heiße Spitze

Testen Sie Ihr Wissen!
Fotostrecke
X-51A: Hyperschall-Geschoss versagt bei zweitem Test