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Shuttle "Discovery": Trümmerteil könnte Flügel beschädigt haben

Die Nasa schließt nicht aus, dass ein abgeplatztes Stück Isolierung des Außentanks einen Flügel der Raumfähre "Discovery" beschädigt hat. Die Analyse des Schadens werde drei Tage dauern.

"Discovery": Vor dem Andocken an die ISS wurde die Unterseite der Fähre fotografiert
DPA

"Discovery": Vor dem Andocken an die ISS wurde die Unterseite der Fähre fotografiert

Houston - "Es gibt einige Besorgnis, dass es den Flügel getroffen hat", sagte der Vizechef des Nasa-Shuttle-Programms, Wayne Hale, am gestrigen Donnerstag. Möglicherweise sei die Außenhaut der Raumfähre in Mitleidenschaft gezogen worden. Bei den Experten gebe es jedoch "Meinungsverschiedenheiten", ob das Teil den Shuttle überhaupt berührt habe. Die Schadensanalyse werde voraussichtlich noch drei Tage in Anspruch nehmen.

Ein weiterer Nasa-Vertreter ergänzte, insgesamt gebe es an dem Shuttle elf mögliche Schadensbereiche, davon vier an einem Flügel, die nun weiter überprüft würden. Die Behörde sei zuversichtlich, dass die "Discovery" ohne Schäden wieder in die Erdatmosphäre eintreten werde.

Die Nasa hatte zuvor wegen des abgeplatzten Isolierschaums alle weiteren Shuttle-Flüge ausgesetzt. Ein solches Trümmerteil hatte Anfang Februar 2003 das "Columbia"-Unglück ausgelöst. Das Stück hatte ein Loch in die Hitzeschutzkacheln der "Columbia" geschlagen, die dann beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglühte. Alle sieben Astronauten kamen ums Leben.

Die US-Raumfähre "Discovery" hatte gestern erfolgreich an der Internationalen Raumstation (ISS) angedockt - es könnte aber für längere Zeit der letzte Shuttle-Besuch bei der ISS sein. Die "Discovery" brachte 15 Tonnen dringend benötigten Nachschubs, darunter ein Gyroskop zur Steuerung der Station.

Vor dem Andocken ließ Shuttle-Kommandantin Eileen Collins die Raumfähre nur rund 180 Meter von der ISS entfernt einmal um ihre Achse drehen, damit die ISS-Besatzung mit Kameras die Unterseite der "Discovery" auf Schäden absuchen konnte. Zwei Stunden später wurde die Shuttle-Besatzung von der ISS-Besatzung, Sergej Krikalow und John Phillips, herzlich begrüßt. Das ungewöhnliche Manöver war schon vor der Bekanntgabe der vorläufigen Einstellung aller Raumfährenstarts geplant gewesen.

Grund für den verhängten Start-Stopp der Shuttles sind die anhaltenden Probleme mit der Isolierung der externen Treibstofftanks. Die Nasa gestand die Probleme unumwunden ein. "Bis wir fertig sind, werden wir nicht mehr starten", sagte der Direktor des Shuttle-Programms, Bill Parsons. Wann das sein werde, wisse er nicht. "Wir stehen erst am Anfang des Lernprozesses."

Nasa-Chef Michael Griffin hob hervor, dass der "Discovery"-Flug nur ein Test sei. "Zu den Dingen, die wir testen, gehören die Festigkeit der Schaumisolierung und die Überwachung durch die neuen Kameras, um Probleme zu entdecken", erklärte Griffin. "Die Kameras haben gut gearbeitet, die Isolierung nicht." Möglicherweise sei das Problem nie in den Griff zu bekommen. "Wir werden es wohl kaum schaffen, die Menge vom Tank abfallender Teile auf Null zu senken", sagte Griffin. Sie solle aber so weit vermindert werden, dass keine Gefahr für die Raumfähren mehr bestehe.

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