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19. April 2011, 12:46 Uhr

Shuttle-Nachfolger

Nasa verteilt 270 Millionen Dollar für Raumschiff-Entwicklung

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa unterstützt vier private Firmen mit 270 Millionen Dollar. Die Unternehmen sollen einen Nachfolger für die Space Shuttles entwickeln, die in diesem Jahr im Museum landen. Geplant ist eine Art Weltraum-Taxi.

Zweimal noch startet ein Space Shuttle zur Internationalen Raumstation ISS. Danach sind US-Astronauten auf russische "Sojus"-Kapseln angewiesen, wenn sie ins All fliegen wollen, und müssen für jeden Flug von und zur ISS zahlen. Ein eigenes Nasa-Raumschiff steht vorerst nicht zur Verfügung. Die ambitionierten Pläne der Weltraumbehörde, ein neues eigenes Raumschiff für Flüge zum Mond und später zum Mars zu entwickeln, wurden aus Kostengründen zusammengestrichen.

Und so setzt die Nasa vorerst auf private Raumfahrtunternehmen. Damit diese die hohen Kosten der Entwicklung eines Raumschiffes nicht ganz allein schultern müssen, hat die Behörde nun vier Firmen ausgewählt, die auch finanziell unterstützt werden. Insgesamt 270 Millionen Dollar (190 Millionen Euro) verteilt die Nasa an die Firmen, wobei Boeing mit 92,3 Millionen Dollar den größten Betrag erhält, gefolgt von der Sierra Nevada Corporation (80 Millionen), SpaceX (75 Millionen) und Blue Origin (22 Millionen).

Alle Firmen entwickeln eigene Pläne für einen Shuttle-Nachfolger, geplant ist eine Art Weltraumtaxi. Die Entwicklung kommerzieller Raumschiffe ist Teil des Nasa-Programms Commercial Crew Development (CCDev). Es geht darum, Konzepte sowohl für Raketen als auch für Raumschiffe zu entwicklen.

"Die Verträge sind wichtige Meilensteine in den Nasa-Plänen, den Erfindungsreichtum Amerikas zu nutzen, um Menschen in eine Erdumlaufbahn zu bringen", sagte Nasa-Chef Charles Bolden. So könne die Nasa ihre eigenen Ressourcen auf die Eroberung des Weltalls außerhalb des Erdorbits konzentrieren.

Hinter der Firma Blue Origin, die nun von den Nasa-Geldern profitiert, steckt Jeff Bezos, der einst mit dem Online-Buchhandel amazon.com zum größten Buchhändler der Welt aufstieg. Das Unternehmen Sierra Nevada Corporation stellt unter anderem kleine Satelliten her, verfügt durch die Eingliederung von anderen Firmen aus der Raumfahrtbranche aber auch über Know-how in der Raketen- und Robotertechnik.

Der Luftfahrtkonzern Boeing hat bereits 2009 sein Interesse an der kommerziellen Raumfahrt angemeldet. 2010 hat das Unternehmen das Konzept einer siebensitzigen Raumkapsel vorgestellt, die für die Nasa entwickelt wird. Die Weltraumbehörde benötigt aber offenbar nur vier Plätze - auf den übrigen drei könnten zahlende Kunden Platz nehmen.

SpaceX, das vierte Unternehmen mit Raumfahrtambitionen, hat Ende 2010 mit einer Trägerrakete vom Typ Falcon 9 eine Raumkapsel in einen Orbit geschossen. Das acht Tonnen schwere und unbemannte Raumschiff "Dragon" umkreiste die Erde zweimal. Rakete und Raumkapsel wurden von SpaceX selbst entwickelt. Als nächstes will die Firma die stärkste Transportrakete seit dem Apollo-Mondprogramm bauen.

hda

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