Shuttle-Nachfolger Nasa verteilt 270 Millionen Dollar für Raumschiff-Entwicklung

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa unterstützt vier private Firmen mit 270 Millionen Dollar. Die Unternehmen sollen einen Nachfolger für die Space Shuttles entwickeln, die in diesem Jahr im Museum landen. Geplant ist eine Art Weltraum-Taxi.

SpaceX-Raumschiff "Dragon" (Zeichnung): "Wichtige Meilensteine in den Nasa-Plänen"
AFP / SPACEX

SpaceX-Raumschiff "Dragon" (Zeichnung): "Wichtige Meilensteine in den Nasa-Plänen"


Zweimal noch startet ein Space Shuttle zur Internationalen Raumstation ISS. Danach sind US-Astronauten auf russische "Sojus"-Kapseln angewiesen, wenn sie ins All fliegen wollen, und müssen für jeden Flug von und zur ISS zahlen. Ein eigenes Nasa-Raumschiff steht vorerst nicht zur Verfügung. Die ambitionierten Pläne der Weltraumbehörde, ein neues eigenes Raumschiff für Flüge zum Mond und später zum Mars zu entwickeln, wurden aus Kostengründen zusammengestrichen.

Und so setzt die Nasa vorerst auf private Raumfahrtunternehmen. Damit diese die hohen Kosten der Entwicklung eines Raumschiffes nicht ganz allein schultern müssen, hat die Behörde nun vier Firmen ausgewählt, die auch finanziell unterstützt werden. Insgesamt 270 Millionen Dollar (190 Millionen Euro) verteilt die Nasa an die Firmen, wobei Boeing mit 92,3 Millionen Dollar den größten Betrag erhält, gefolgt von der Sierra Nevada Corporation (80 Millionen), SpaceX (75 Millionen) und Blue Origin (22 Millionen).

Alle Firmen entwickeln eigene Pläne für einen Shuttle-Nachfolger, geplant ist eine Art Weltraumtaxi. Die Entwicklung kommerzieller Raumschiffe ist Teil des Nasa-Programms Commercial Crew Development (CCDev). Es geht darum, Konzepte sowohl für Raketen als auch für Raumschiffe zu entwicklen.

"Die Verträge sind wichtige Meilensteine in den Nasa-Plänen, den Erfindungsreichtum Amerikas zu nutzen, um Menschen in eine Erdumlaufbahn zu bringen", sagte Nasa-Chef Charles Bolden. So könne die Nasa ihre eigenen Ressourcen auf die Eroberung des Weltalls außerhalb des Erdorbits konzentrieren.

Hinter der Firma Blue Origin, die nun von den Nasa-Geldern profitiert, steckt Jeff Bezos, der einst mit dem Online-Buchhandel amazon.com zum größten Buchhändler der Welt aufstieg. Das Unternehmen Sierra Nevada Corporation stellt unter anderem kleine Satelliten her, verfügt durch die Eingliederung von anderen Firmen aus der Raumfahrtbranche aber auch über Know-how in der Raketen- und Robotertechnik.

Der Luftfahrtkonzern Boeing hat bereits 2009 sein Interesse an der kommerziellen Raumfahrt angemeldet. 2010 hat das Unternehmen das Konzept einer siebensitzigen Raumkapsel vorgestellt, die für die Nasa entwickelt wird. Die Weltraumbehörde benötigt aber offenbar nur vier Plätze - auf den übrigen drei könnten zahlende Kunden Platz nehmen.

SpaceX, das vierte Unternehmen mit Raumfahrtambitionen, hat Ende 2010 mit einer Trägerrakete vom Typ Falcon 9 eine Raumkapsel in einen Orbit geschossen. Das acht Tonnen schwere und unbemannte Raumschiff "Dragon" umkreiste die Erde zweimal. Rakete und Raumkapsel wurden von SpaceX selbst entwickelt. Als nächstes will die Firma die stärkste Transportrakete seit dem Apollo-Mondprogramm bauen.

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"Falcon Heavy": SpaceX plant Raketen-Gigant

hda

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franklin1157 03.05.2011
1. veraltetes Raketen-Konzept
In den Studien zu Nachfolgern des Spaceshuttles sieht man immer noch diese veralteten Träger-Raketen. Ist es denn nicht gelungen, einene Kombination aus Düsenjet (für den Start vom Erdboden) und Raumgleiter zu entwickeln, der in den obersten Schichten der Stratosphäre auf Raketenanrieb umschalten kann? Die Hochaufklärer der USAF fliegen doch auch schon an der Grenze zum All. So wird das nie was mit einer Rückkehr zum Mond, geschweige denn einer bemannten Mission zum Mars.
FinkenauerAera 21.07.2011
2. Trägerraketen haben immer noch die alten Vorteile:
Zitat von franklin1157In den Studien zu Nachfolgern des Spaceshuttles sieht man immer noch diese veralteten Träger-Raketen. Ist es denn nicht gelungen, einene Kombination aus Düsenjet (für den Start vom Erdboden) und Raumgleiter zu entwickeln, der in den obersten Schichten der Stratosphäre auf Raketenanrieb umschalten kann? Die Hochaufklärer der USAF fliegen doch auch schon an der Grenze zum All. So wird das nie was mit einer Rückkehr zum Mond, geschweige denn einer bemannten Mission zum Mars.
- Module für einmaligen Gebrauch scheinen doch auf Dauer billiger zu sein (aus dem Shuttle-Betrieb gewonnene Erkenntnis) - Mehrstufen-Systeme sind vorteilhaft im Verbrauch - Es ist möglich, ein Rettungssystem mitzuführen (Stichwort "Challenger-Unglück") Düsenjets an der Grenze zum All? Gefühlt ja, aber bei 30 bis 40 km Höhe dürfte Schluss sein. Wir müssen aber über 100 km Höhe gewinnen bevor wir wirklich schnell werden dürfen. Luft-atmende Triebwerke lassen sich nicht im Flug in Raketen-Schubmotoren verwandeln (am Boden auch nicht:-). Es sollte sich nach weder das Gewicht zweier Antriebsarten noch der Höhengewinn derart lohnen, dass wir das jemals zu sehen bekommen. Mond oder Mars: ist wirklich nur eine Geldfrage, keine technische (auch wenn Mars ganz andere Anforderungen gegenüber Mond mit sich bringt).
welzfisch 29.09.2011
3. Mond/Mars Unterschied?
Zitat von FinkenauerAera- Module für einmaligen Gebrauch scheinen doch auf Dauer billiger zu sein (aus dem Shuttle-Betrieb gewonnene Erkenntnis) - Mehrstufen-Systeme sind vorteilhaft im Verbrauch - Es ist möglich, ein Rettungssystem mitzuführen (Stichwort "Challenger-Unglück") Düsenjets an der Grenze zum All? Gefühlt ja, aber bei 30 bis 40 km Höhe dürfte Schluss sein. Wir müssen aber über 100 km Höhe gewinnen bevor wir wirklich schnell werden dürfen. Luft-atmende Triebwerke lassen sich nicht im Flug in Raketen-Schubmotoren verwandeln (am Boden auch nicht:-). Es sollte sich nach weder das Gewicht zweier Antriebsarten noch der Höhengewinn derart lohnen, dass wir das jemals zu sehen bekommen. Mond oder Mars: ist wirklich nur eine Geldfrage, keine technische (auch wenn Mars ganz andere Anforderungen gegenüber Mond mit sich bringt).
Thema Mond/Mars ich habe schon oft gehört das z.B. Strahlung ein Problem wäre. Ist dort ein unterschied zwischen Mond/Mars? Bin mir nicht bewusst ob Mond noch vom Erdmagnetfeld geschützt wird. In sofern wäre es dann halt doch ein Unterschied denke ich, ob wir Mond oder Mars bereisen.
FinkenauerAera 30.09.2011
4. MoMa
Zitat von welzfischThema Mond/Mars ich habe schon oft gehört das z.B. Strahlung ein Problem wäre. Ist dort ein unterschied zwischen Mond/Mars? Bin mir nicht bewusst ob Mond noch vom Erdmagnetfeld geschützt wird. In sofern wäre es dann halt doch ein Unterschied denke ich, ob wir Mond oder Mars bereisen.
Der maßgebliche Unterschied entsteht wohl einfach nur durch die so drastisch längere Reisedauer bei Flügen zum Mars. Es kumuliert sich die Strahlungswirkung mit der Zeit (man denke an Röntgen-Intervalle) und es wächst die statistische Wahrscheinlichkeit, von kleinen oder auch größeren Teilchen getroffen zu werden. Geeignete Schutzmaßnahmen gehen immer mit hohem Gewicht einher, also wachsen die Kosten. Die Apollo-Astronauten waren nach einer guten Woche wieder da, vom Mars kommt man erst nach 2 Jahren zurück oder so ähnlich. Und ja, in der Nähe der Erde ist man vielleicht ein wöönziges bischen geschützter als außerhalb, sollte sich dabei aber möglichst nicht ausgerechnet im van Allen-Gürtel aufhalten:-) Es ist nur die Zeitspanne.
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