Singende Sterne Samba im Weltall

Harte Beats, Ultrabass, dann setzen die Trommeln ein: Astrophysiker planen galaktische Konzerte mit sphärischen Klängen von Sternen. Wie diese klingen könnten, zeigen erste Hörproben.

Von Franziska Badenschier


Nicht nur Orchester können Werke von Johann Sebastian Bach spielen, sondern auch Stars. Die Rede ist nicht Stars und Sternchen des Showbusiness, sondern die richtigen Sterne aus dem All. Wie die Soli und ein Konzert der Musicstars klingen, haben kürzlich Astronomen vorgeführt.

In dem Orchester der Musicstars spielten vor allem Sterne mit, die in verschiedenen Tonlagen schaurig pfeifende, trommelnde, brummende oder polternde Geräusche von sich geben. Mitgespielt haben auch Heliumgas und Flaschen sowie richtige Musikinstrumente, nämlich mehrere Becken.

Dutzende dieser verschiedenen Musikschnipsel hat der Astrophysiker Donald Wayne Kurtz von der University of Central Lancashire gesammelt: Einige davon spielte er vergangene Woche während der internationalen Konferenz "Beyond the Spherical Sun" an der Sheffield Hallam University vor.

Proben im Orchestergraben gab es zuvor jedoch nicht, vielmehr musste der Astronom seine Musicstars am Computer bühnenreif machen.

"Wir Menschen können den Sternensound ja nicht direkt hören", berichtet Kurtz. "Aber Astronomen können die Klänge mit Hilfe der Astroseismologie aufspüren. Dabei schaut man mit Hilfe von Ultraschallwellen unter die Oberfläche der Sterne zu ihren Kernen, so wie man bei einer schwangeren Frau den Fötus untersucht", sagte er weiter.

Aus Schallwellen wird Sternenmusik

Sterne vibrierten immer ein wenig und sendeten so Schallwellen aus - genau wie Geigen, Hörner und andere Musikinstrumente. Die Frequenzen der stellaren Schallwellen seien jedoch zu klein für das menschliche Gehör, so der Astrophysiker. Um die Klänge der Musicstars hörbar zu machen, habe man die Frequenzen erhöht.

Schon die antiken Griechen hätten "Musik der Sphären" gekannt, berichtet Kurtz. Damals hätte man gedacht, dass Planeten und Sterne von Sphären umgeben sind, so dass sie beim Drehen brummten. Dass Sterne tatsächlich musische Klänge erzeugen, hätten laut Kurtz Astronomen in den siebziger Jahren entdeckt.

Zoltán Kolláth haben diese Klänge dermaßen fasziniert, dass der Astrophysiker mit einem Kollegen das erste Sternenkonzert komponiert hat. "Stellar Music No. 1" lässt sich auf der Homepage von Kolláths "Stellar Music Project" anhören.

Die Wissenschaft hinter dem sphärischen Sternensound

Für die meisten Astronomen ist der sphärisch-stellare Sound wohl auch eher nur ein schöner Nebenbeieffekt: Sie interessiert vor allem die Physik dahinter. "Die Sternenklänge helfen uns zu verstehen, wie das Sonnensystem und die Erde entstanden sind", sagt Kurtz.

In den vergangenen Jahren wurden bereits andere Musiken aus dem All präsentiert, 2002 zum Beispiel die Bassklänge des Riesensterns xi Hya. Und unsere Sonne klingt nach Angaben der European Organisation for Astronomical Research in the Southern Hemisphere wie eine Orgelpfeife.

Bei den Kurtz Hörproben brummt die Sonne zwar leise vor sich hin, aber vielleicht kann sie ja trotzdem beim nächsten Weihnachtsoratium von Johann Sebastian Bach mitspielen.



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