Überreste einer Supernova: Jüngster Pulsar ist gerade einmal 55 Jahre alt

Wenn Sterne in einer Supernova vergehen, entstehen manchmal Pulsare: Objekte mit extrem hoher Dichte, die sich rasend schnell drehen. Astronomen haben nun einen extrem jungen Pulsar beobachtet. Nach kosmischen Maßstäben liegt seine Geburt nur einen winzigen Augenblick zurück.

Aufnahme der Galaxie M83: Jüngster bisher beobachteter Pulsar Zur Großansicht
NASA/ CXC/ STScI/ K.Long

Aufnahme der Galaxie M83: Jüngster bisher beobachteter Pulsar

Geht es um Objekte, die Teleskope im Weltraum erspäht haben, fällt oft das Wort Million. Denn die Galaxien, Quasare oder Schwarzen Löcher sind in der Regel nicht nur Millionen Lichtjahre entfernt, sondern existieren zum Zeitpunkt der Betrachtung auch schon Millionen von Jahren - wenn nicht gar Milliarden.

Anders sieht es bei einem Pulsar aus, den ein Team von Astronomen mit Hilfe des "Chandra"-Röntgenteleskops beobachtet hat. Gerade einmal 55 Jahre ist dieser Neutronenstern alt, über den Forscher in einer der kommenden Ausgaben des "Astrophysical Journal" berichten. Der Pulsar entstand, als ein Stern in der Spiralgalaxie M83 in einer Supernova verglüht ist. Dies hatten Forscher im Jahr 1957 verfolgen können, sie bezeichneten die Supernova als "SN 1957D".

Als das "Chandra"-Teleskop den Bereich des Weltraums in den Jahren 2000 und 2001 beobachtete, verzeichnete es keine Röntgenstrahlung von den Überresten von "SN 1957D". Bei einem erneuten Beobachtungsphase in den Jahren 2010 und 2011 hatte sich dies geändert: Nun zeigte sich eine Röntgenquelle. Eine Aufnahme des "Hubble"-Teleskops zeigt, dass die Supernova am Rand eines Sternenhaufens stattfand, dessen Sterne etwa die 17-fache Masse der Sonne besitzen - die richtige Masse, um nach einer Supernova zum Pulsar zu werden.

Die Astronomen vermuten daher, dass sich der Stern in einen Neutronenstern verwandelt hat, also ein Objekt mit extrem hoher Dichte. Um den sich sehr schnell drehenden Neutronenstern hat sich eventuell eine Wolke elektrisch geladener Teilchen gebildet, die sich beinahe mit Lichtgeschwindigkeit bewegen. Eine solche Struktur bezeichnen Astronomen als Pulsarwind-Nebel.

"SN 1957D" ist wahrscheinlich der jüngste Pulsar, der bisher beobachtet wurde, vermuteten die Forscher in einer Mitteilung, die die Nasa und mehrere beteiligte Universitäten veröffentlicht haben. Möglicherweise jünger wäre nur ein Objekt in der Galaxie M100 - doch bisher ist noch nicht zweifelsfrei geklärt, ob sich in den Resten dieser im Jahr 1979 beobachteten Supernova ein Pulsar gebildet hat oder ein Schwarzes Loch.

Um die Million kommt "SN 1957D" trotz des geringen Alters, das er für Beobachter auf der Erde hat, dennoch nicht herum - denn die Galaxie M83, in der er liegt, ist 15 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt. Genau genommen ist er also 15 Millionen und 55 Jahre alt - aber für uns auf der Erde erscheint er als Jungspund.

wbr

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