Hungriger Jungstern Der hat doch ne Scheibe!

Manche Sterne sind mehr als hundertmal so massereich wie unsere Sonne - doch wie funktioniert das eigentlich? Astronomen haben jetzt eine Beobachtung gemacht, die das erklären kann.

Stern AFGL 4176 (künstlerische Darstellung): Massereicher Stern legt weiter zu
K. G. Johnston/ ESO

Stern AFGL 4176 (künstlerische Darstellung): Massereicher Stern legt weiter zu


Man muss sich das Ganze wohl ungefähr so vorstellen wie ein kosmisches All-you-can-eat-Buffet. Astronomen haben einen jungen, massereichen Stern dabei beobachtet, wie er sich mit immer mehr Material versorgt. Es stammt aus einer Scheibe, die ihn umkreist. Schon seit Langem nehmen Experten an, dass solch ein Mechanismus bei der Sternentwicklung existiert. Er sorgt offenbar dafür, dass Sterne mit Massen von mehr als dem Hundertfachen der Sonnenmasse überhaupt entstehen können.

Dass solche Riesensterne überhaupt existieren, ist gar nicht so einfach zu erklären. Je größer ein junger Stern wird, desto mehr steigt nämlich auch der Strahlungsdruck in seinem Inneren, der durch die Kernfusion entsteht. Und der wiederum sorgt dafür, dass aus der Umgebung kaum mehr neue Materie auf dem Stern landet. Also müsste es einen Mechanismus geben, der die strahlenden Riesen weiter wachsen und brennen lässt.

Die Forscher um Katharine Johnston von der University of Leeds berichten über ihre Entdeckung nun in der Fachzeitschrift "Astrophysical Journal Letters". An der Forschungsarbeit waren auch Forscher vom Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA) in Heidelberg beteiligt.

Die Massen der Sterne im All liegen laut MPIA zwischen zehn Prozent der Masse unserer Sonne und dem mehr als Hundertfachen der Sonnenmasse. Bei jungen massearmen Sternen wurden bereits häufig Gas- und Staubscheiben nachgewiesen, die zusätzliche Materie auf die Oberfläche der entstehenden Sterne lenken. Dagegen gab es bei massereichen Sternen bisher nur indirekte Hinweise auf die Existenz solcher Scheiben.

Großes Fressen 14.000 Lichtjahre von uns entfernt

Das Astronomen-Team fand nun erstmals klare Hinweise auf eine Gas- und Staubscheibe auch um einen jungen und sehr massereichen Stern. Er gehört zum südlichen Sternbild Centaurus und ist rund 14.000 Lichtjahre von der Erde entfernt.

Den Wissenschaftlern zufolge belegt die Entdeckung, dass zumindest einige der massereichsten Sterne in gleicher Weise entstehen können wie ihre masseärmeren Verwandten: Mit Materie, die von einer stabilen Gas- und Staubscheibe auf den wachsenden jungen Stern geleitet wird. Wie genau massereiche Sterne entstehen, ist allerdings auch durch die aktuelle Beobachtung noch nicht abschließend geklärt. Zumindest gibt es nun aber eine mögliche Erklärung.

Das Innere solcher wachsenden massereichen Sterne ist normalerweise hinter einer Hülle aus Gas und Staub versteckt. Für ihre Entdeckung nutzten die Wissenschaftler das Alma-Observatorium in Chile. Damit gelang ein Blick durch die Hülle hindurch. Zu sehen war, so schien es, eine scheibenartige, rotierende Struktur.

Um die Beobachtung zu bestätigen, erstellten die Astronomen Simulationen von 10.000 Staubscheiben. Das Modell, das am besten zu den Beobachtungen passte, war das einer Scheibe von zwölf Sonnenmassen. Ihr mittlerer Radius ist rund 2000-mal so groß wie der mittlere Abstand von Erde und Sonne. Und der hungrige Stern hat sich immerhin schon rund 25 Sonnenmassen angefuttert.

chs/AFP

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
1uhu 30.10.2015
1. Abonnentenschwund
Ich glaube ich habe eine Erklärung für den Abonnentenschwund von „Spiegel“ und „Spiegel-Online“ gefunden. Pulitzer-Preis verdächtige Formulierungen wie: - Hungriger Jungstern - Der hat doch ne Scheibe! - kosmisches All-you-can-eat-Buffet - Großes Fressen - der hungrige Stern - schon rund 25 Sonnenmassen an gefuttert Ich glaube nicht das die Zielgruppe vom "Spiegel" von solchen Formulierungen „begeistert“ ist. Ist schon sehr „prollig“. Da hat der Autor wohl der Pressemitteilung von AFP eine „persönliche Note“ verliehen.
RieserMan 30.10.2015
2. Aussage ?
Interessanter Artikel. Die saloppe Formulierungen stören mich nicht, lösen allenfalls Schmunzeln aus. Wichtiger ist die Aussage, dass auch massereiche Sterne ihre Materieanreicherung mit Hilfe der sie umgebenden Staubscheibe betreiben. Dabei wäre interessant zu wissen, ob die Staubscheibe noch ein Überbleibsel aus der Zeit der Sternentstehung ist oder später Materieteilchen "eingefangen" wurden aus der kosmischen Umgebung.
hjm 31.10.2015
3.
Zitat von 1uhuIch glaube ich habe eine Erklärung für den Abonnentenschwund von „Spiegel“ und „Spiegel-Online“ gefunden. Pulitzer-Preis verdächtige Formulierungen wie: - Hungriger Jungstern - Der hat doch ne Scheibe! - kosmisches All-you-can-eat-Buffet - Großes Fressen - der hungrige Stern - schon rund 25 Sonnenmassen an gefuttert Ich glaube nicht das die Zielgruppe vom "Spiegel" von solchen Formulierungen „begeistert“ ist. Ist schon sehr „prollig“. Da hat der Autor wohl der Pressemitteilung von AFP eine „persönliche Note“ verliehen.
Immer noch besser als „Gottesteilchen“ oder das nervige „Entschlüsseln“ von DNS-Sequenzen.
lindenbast 01.11.2015
4.
Zitat von hjmImmer noch besser als „Gottesteilchen“ oder das nervige „Entschlüsseln“ von DNS-Sequenzen.
um mit dem Quantensprung gar nicht erst anzufangen...
1uhu 02.11.2015
5. Kleinster gemeinsamer Nenner und das niedrigst mögliche Niveau!
Zitat von RieserManInteressanter Artikel. Die saloppe Formulierungen stören mich nicht, lösen allenfalls Schmunzeln aus. Wichtiger ist die Aussage, dass auch massereiche Sterne ihre Materieanreicherung mit Hilfe der sie umgebenden Staubscheibe betreiben. Dabei wäre interessant zu wissen, ob die Staubscheibe noch ein Überbleibsel aus der Zeit der Sternentstehung ist oder später Materieteilchen "eingefangen" wurden aus der kosmischen Umgebung.
Im wesentlichen stimme ich allen 3 anderen Kommentaren zu. (in Worten: Drei! Wenn ich mir andere Artikel anschaue ist diese Anzahl erbärmlich, oder? Woran liegt's?) Aber: Warum immer der kleinste gemeinsame Nenner und das niedrigst mögliche Niveau. Auch wenn ich mich immer nur zu Wort melde, wenn ich 'was zu meckern habe. Der Spiegel ist für mich das wichtigste und im allgemeinen beste politische Medium das ich im deutsch- sprachigen Raum kenne. Auser was "wissenschaftliches" und "militärisches" angeht. Da ist mein "Spiegel" manchmal geradezu unterirdisch. Nicht weil der Autor anderer Meinung ist als ich, sondern weil er leider fachlich oft von keinerlei Ahnung belastet ist. Und dann schadet er seiner Überzeugung mehr als er nützt.
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