Ehrgeiziger Plan: Russen planen Schwerlast-Mondrakete

Fehlstarts, Satelliten-Abstürze, Rücktritte - Russlands Raumfahrt steckt in der Krise. Neuen Schub soll nun ein Großprojekt bringen: Ein gigantisches Geschoss für Flüge zum Mond soll mehr als dreimal mehr Lasten tragen als herkömmliche "Ariane"-Raketen.

Russische "Zenit"-Rakete: Möglicher Teilelieferant für zukünftiges Trägersystem Zur Großansicht
AFP

Russische "Zenit"-Rakete: Möglicher Teilelieferant für zukünftiges Trägersystem

Berlin/Moskau - 150 Millionen Euro - das war die Rechnung für den jüngsten Fehlschlag der russischen Raumfahrt. Anfang August sind zwei Nachrichtensatelliten außer Kontrolle geraten und abgestürzt. Der Grund war ein Fehler bei der Oberstufe der Proton-M-Trägerrakete. Zuvor war es bereits zu einer ganzen Reihe ähnlicher Fehlschläge gekommen, weshalb Premierminister Dmitrij Medwedew vergangene Woche öffentlich der Kragen platzte: Er nannte den Fehler "unentschuldbar" und setzte der Weltraumbehörde Roskosmos ein Ultimatum. Bis Mitte September wollte er Vorschläge zur Verbesserung der Qualitätskontrolle hören.

Roskosmos-Direktor Wladimir Popowkin feuerte zunächst Wladimir Nesterow, Chef der staatlichen Firma Chrunitschew, die für die Proton-Raketen verantwortlich zeichnet. Jetzt hat der Raumfahrtkonzern RKK Energija eine superschwere Rakete für Flüge zum Mond angekündigt. Der Träger "Sodruschestwo" ("Gemeinschaft") solle in Kooperation mit der Ukraine und Kasachstan entstehen, teilte Energija-Präsident Witali Lopota nach Agenturberichten am Montag in Moskau mit.

"Sodruscheswto" soll bis zu 70 Tonnen auf eine erdnahe Umlaufbahn hieven können. Das reiche zur Verwirklichung der Pläne der Weltraumagentur Roskosmos für einen Mondflug aus, sagte Lopota. Die Rakete wäre damit eine der leistungsfähigsten, die jemals gebaut wurden. Zum Vergleich: Die europäische "Ariane 5"-Rakete kann maximal 21 Tonnen in eine erdnahe Umlaufbahn hieven. Bei entsprechendem politischem Willen könne "Sodruscheswto" in einigen Jahren zur Verfügung stehen, erklärte Lopota.

Bei der Rakete soll auf Technologien zurückgegriffen werden, die für den sowjetischen Shuttle "Buran" in den achtziger Jahren entwickelt wurden. Die Ukraine kann Lopota zufolge die Seitenblöcke der damaligen Energija-Rakete beisteuern, die heute bei den "Zenit"-Trägern verwendet werden. Kasachstan könne in Baikonur den alten Energija-Startplatz wieder herrichten und einbringen.

mbe/dapd

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Weltall
RSS
alles zum Thema Raumfahrt
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite

Fotostrecke
"Phobos-Grunt": Sag zum Abschied leise "Do swidanja"