"Sojus"-Mission: Stelldichein zur Geburtstagsfeier im All

Andockmanöver geglückt: Die Internationale Raumstation hat wieder ihre Sollstärke mit sechs Raumfahrern. Nach einer kleinen Geburtstagsfeier bereiten sie sich nun auf die Ankunft des ersten privaten US-Transporters vor. Die Mission gilt als historisch.

Raumfahrt: Mit Plüschtier ins All Fotos
DPA

Berlin/Koroljow - Millimeterarbeit in 399 Kilometern Höhe. Von Computern gesteuert hat das russische Raumschiff "Sojus TMA-04M" mit drei Astronauten an Bord an der Internationalen Raumstation ISS angedockt. Die Kopplung der Kapsel mit Gennadi Padalka, Sergej Rewin (beide Russland) und Joseph Acaba (USA) an Bord gelang am Donnerstag um 6.38 Uhr deutscher Zeit, wie das Flugleitzentrum in Koroljow bei Moskau mitteilte. Noch höher hinaus war nur das Raumschiff "Sojus TM-32" gekommen, das im April 2001 an der ISS anlegte, als diese die Erde auf einer mittleren Bahnhöhe von 393 Kilometern umkreiste.

Mit den drei Männern, die am Dienstag vom Kosmodrom Baikonur (Kasachstan) gestartet waren, erreicht die ISS-Stammbesatzung wieder ihre Soll-Stärke von sechs Mitgliedern. Seit Ende April hatten der Russe Oleg Kononenko, der Amerikaner Don Pettit und der niederländische ESA-Astronaut André Kuipers allein auf der Umlaufbahn gearbeitet. Die Neuankömmlinge wurden mit großem Hallo begrüßt. Acaba nahm zudem die herzlichsten Glückwünsche zu seinem 45. Geburtstag entgegen, den er an diesem Tag beging. Für Padalka beginnt nun eine zweite gemeinsame Mission mit Kuipers. Beide Raumfahrer haben bereits 2004 eine Woche lang in der Station zusammengearbeitet.

Auf dem Flugplan der nächsten Monate stehen rund 40 Experimente, etwa in den Bereichen Biotechnologie, Erdkernerkundung, Materialkunde, Sonnenforschung, Ökologie und Geophysik sowie ein Ausstieg in den freien Raum, bei dem ein Mini-Satellit ausgesetzt werden soll. Bereits in der kommenden Woche erwartet die Männer eine Weltpremiere. Zum ersten Mal soll ein privates Raumschiff die ISS ansteuern.

Warten auf Dragon

Die Raumkapsel Dragon des US-Unternehmens SpaceX soll mit 460 Kilogramm Nachschub am Samstagvormittag deutscher Zeit vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral (Florida) mit einer Falcon 9-Rakete gestartet werden. Nach umfangreichen Tests wird sie an die Station herangeführt, und mit Hilfe eines Greifarms an das amerikanische "Harmony"-Modul angekoppelt. Später kommen noch ein russischer und ein japanischer Frachter auf die Umlaufbahn.

An der ISS sind 14 Staaten beteiligt, darunter neben den USA, Russland, Kanada und Japan auch Deutschland im Rahmen der Europäischen Weltraumorganisation Esa. Seit dem 2. November 2000 ist die ISS ständig bemannt. In dieser Zeit haben dort dem russischen Kontrollzentrum zufolge 204 Raumfahrer aus 15 Ländern gearbeitet und geforscht. Aus Deutschland waren Thomas Reiter und Hans Schlegel dabei.

Die Gesamtmasse der ISS, die sich mit ihrem guten Dutzend Modulen über eine Fläche von 110 mal 100 mal 30 Meter erstreckt, beträgt derzeit knapp 400 Tonnen. Nach der Einstellung des US-Shuttle-Programms im Sommer kommen Raumfahrer ausschließlich mit russischen "Sojus"-Raumschiffen zur Station, die noch mindestens bis zum Jahr 2020 betrieben werden soll.

Padalka und Rewin erfüllen neben ihrer Mission übrigens noch einen kleinen Auftrag der Moskauer Presseagentur RIA Nowosti: Mit einer japanischen Amateur-Stereokamera wollen sie das Leben in der ISS in 3D-Bildern dokumentieren. Kononenko, Pettit und Kuipers sollen am 1. Juli bei ihrer Rückkehr zur Erde die ersten Aufnahmen mitbringen.

mik/dapd

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insgesamt 1 Beitrag
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1. Weiter machen.
verbal_akrobat 17.05.2012
wenn 400t bereits sinnvoll dort eingebracht sind, dann sollte man die Station unter Betrachtung der dortigen Forschungsmöglichkeiten solange wie möglich aufrecht erhalten und unterstützen.
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