Iapetus: Gigantische Eislawinen rollen über Saturnmond

Bis zu 80 Kilometer lange Eislawinen haben Astronomen auf dem Saturnmond Iapetus entdeckt. Die Strukturen sind damit deutlich länger, als sie eigentlich sein dürften. Von der Analyse erhoffen sich Forscher auch Erkenntnisse über Erdrutsche auf der Erde.

Iapetus (Bild von 2007): Die Raumsonde "Cassini" untersucht den Saturn und seine Monde Zur Großansicht
DPA/ NASA/ JPL

Iapetus (Bild von 2007): Die Raumsonde "Cassini" untersucht den Saturn und seine Monde

Astronomen haben auf dem Saturnmond Iapetus riesige Eislawinen entdeckt. Bilder der Raumsonde "Cassini" zeigen 30 Beispiele, die ein Team um Kelsi Singer von der Washington University in St. Louis (US-Staat Missouri) untersucht hat. Die Wissenschaftler erhoffen sich von der Analyse auch Aufschlüsse über Erdrutsche auf anderen Monden und Planeten im Sonnensystem - einschließlich der Erde.

Iapetus sei einzigartig unter den Himmelskörpern des Sonnensystems, schreiben die Forscher im Fachblatt "Nature Geoscience". Mit einem Durchmesser von 1470 Kilometern und einem hohen Anteil an Eis passt er zwar auf den ersten Blick zu den mittelgroßen Monden des Saturns. Aber Iapetus ähnelt durch seine stark zerklüftete Oberfläche einer übergroßen gefrorenen Walnuss. Der Saturnmond ist am Äquator deutlich dicker als an den Polen. Er ist der einzige bisher bekannte Mond, um dessen Äquator sich eine bis zu 20 Kilometer hohe Bergkette zieht. Von den Bergen und von den Rändern der außergewöhnlich tiefen Einschlagkrater lösen sich offensichtlich regelmäßig Lawinen.

Diese Eislawinen seien nicht nur gigantisch groß, sondern sogar größer als sie angesichts der wirkenden Kräfte eigentlich sein dürften, schreiben die Forscher. Die Erdrutsche liefen viel weiter aus als zu erwarten. So ist die Strecke, die eine Lawine ins Land gleitet, in der Regel höchstens doppelt so weit wie die Höhe, aus der das Material gefallen ist. Auf Iapetus rasen die Lawinen jedoch deutlich weiter, obwohl der Reibungskoeffizient von sehr kaltem Eis nicht wesentlich kleiner ist als von Gestein.

So breitete sich etwa ein Erdrutsch von dem acht Kilometer hohen Rand des Iapetus-Kraters Malun über 35 Kilometer auf dem Kraterboden aus. Die Forscher nehmen an, dass ein noch ungeklärter Mechanismus den Reibungskoeffizienten der Lawinen verringert, so dass sie derart weit ins Land gleiten können. Die längste Lawine zog sich über 80 Kilometer.

Ein ähnliches Phänomen ist auch von der Erde bekannt und wird als Sturzstrom bezeichnet. Sturzströme können 20- bis 30-mal so weit ins Land rasen wie die Höhe, von der sie gefallen sind. Auch hier ist der Mechanismus ungeklärt.

"Die Erdrutsche auf Iapetus sind ein Experiment im Planetenmaßstab, das wir nicht in einem Labor machen oder auf der Erde beobachten können", erklärt Singer. "Sie liefern uns Beispiele für gigantische Erdrutsche aus Eis statt Stein, unter einer anderen Schwerkraft und ohne Atmosphäre. Daher muss jede Theorie für lang auslaufende Erdrutsche auf der Erde auch für Lawinen auf Iapetus gelten."

wbr/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Weltall
RSS
alles zum Thema Saturn
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite
Fotostrecke
Rätselhafter Saturnmond: Giftige Seen, erdähnliche Formen

Fotostrecke
Saturn: Der Herr der Ringe