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Sonde "Phoenix": Nasa-Roboter berührt Wasser auf dem Mars

Durchbruch am Nordpol des Roten Planeten: Die US-Sonde "Phoenix" hat erstmals Wassereis im Sand des Mars ausgegraben und in einem Labor verdampft. Damit ist der direkte Beweis erbracht, dass es auf dem Erdnachbarn Wasser gibt - die Voraussetzung für Leben, wie wir es kennen.

Los Angeles - "Wir haben Wasser!", sagte Professor William Boynton von der Universität Arizona stolz, als er den Durchbruch bei der Marsmission verkündete. Belege für Wassereis habe es schon bei früheren Projekten gegeben - "aber diesmal wurde erstmals Wasser auf dem Mars berührt und geschmeckt".

Es war ein schwieriges Unterfangen: Erst fürchteten Nasa-Techniker einen Kurzschluss bei der Inbetriebnahme der kleinen Backöfen an Bord von "Phoenix", die Bodenproben vom Nordpol des Planeten zum Verdampfen bringen sollten. Dann, als ein Roboterarm die gefrorene Bodenprobe nahm, klebte das Material an der Schaufel fest, so dass nicht genug Sand zum Analysieren in den Ofen rutschte.

Doch am Ende glückte das Experiment. Die Proben wurden erfolgreich in den Öfen erhitzt - und es entstand dem Team um Boynton zufolge Wasserdampf. Damit steht fest: Bei den Proben handelte es sich um Eis, das Lebenselixier Wasser kommt auf dem Mars definitiv vor.

Angesichts des Erfolges der Sonde "Phoenix" wurde die Mission bis September verlängert. Michael Meyer, der führende Marswissenschaftler der Nasa, sagte, der Mars habe sich als "sehr interessant erwiesen. Mechanisch funktioniert das Raumfahrzeug sehr gut, und wir haben genügend Energiereserven, um bis über das Ende des Sommers hinaus weiterzumachen."

"Wir wollen die Geschichte des Eises verstehen"

Jetzt soll die Frage weiter erforscht werden, ob auf dem Mars Leben möglich wäre: "Wir wollen die Geschichte des Eises verstehen, indem wir herausfinden, ob es je geschmolzen ist und dadurch eine flüssige Umgebung geschaffen hat, die den Boden verändert", sagte Wissenschaftler Peter Smith.

Die Instrumente von "Phoenix" sollen die Zusammensetzung der Marsoberfläche ermitteln. So verfügt die rund 350 Kilogramm schwere Sonde über einen 2,35 Meter langen Roboterarm, der einen Bohrer etwa einen Meter tief in den Boden treiben kann, bis er die verborgene Eisschicht erreicht. Alle Instrumente müssen bei Temperaturen von minus 73 bis minus 33 Grad funktionieren. Solarzellen sorgen für die Energieversorgung.

Die Forscher waren sich schon seit Tagen sicher, dass die Sonde mit ihrem Arm Wassereis freigelegt hat. In einer frischen Furche waren weiße Klümpchen sichtbar geworden, die zum Teil vier Marstage nach ihrer Freilegung wieder verschwunden waren. Offensichtlich war das Bodeneis sublimiert, folgerten die Wissenschaftler - das bedeutet, dass es direkt in die dünne Marsluft verdampft ist, ohne zuvor zu schmelzen.

Der direkte Nachweis des Wassers gelang mit dem Tega-Instrument an Bord der Sonde. Das Kürzel steht für "Thermal Evolved Gas Analyzer". Tega umfasst neun kleine Öfen, in denen Bodenproben bis auf tausend Grad erhitzt werden. Die dabei freigesetzten Gase werden chemisch analysiert. Beim Backen der ersten Probe fand sich kein Wasser, was die Wissenschaftler allerdings kaum verwunderte. Schließlich stammte der analysierte Sand aus der obersten Bodenschicht, in der Eis dauerhaft nicht existieren kann, es sublimiert vielmehr rasch.

Schon länger Erkenntnisse über Wasser auf dem Mars

Seit Jahren ist Wissenschaftlern prinzipiell bekannt, dass es auf dem Mars Wassereis gibt. Im März 2004 gelang dem Nasa-Rover "Opportunity" sogar der Beweis, dass auf dem Mars einst Wasser floss. Bei einer Gesteinsanalyse hatten die Forscher eine Sulfatverbindung entdeckt, die nur in der Umgebung von Wasser gebildet werden kann.

Die Verteilung und die Menge an gefrorenem Wasser auf dem Roten Planeten verblüfft selbst Experten. Anfang 2004 vermeldeten europäische Forscher den Nachweis von Wassereis am Südpol und Wasserdampf in der Atmosphäre. 2005 könnte die Esa-Sonde "Mars Express" mit ihrem Tiefenradar weitere große Eisvorkommen nachweisen. Im März 2007 fanden die Forscher unter dem Südpol des Mars eine bis zu 3700 Meter dicke Schicht aus fast reinem Eis, erneut mit Hilfe des Radarinstruments von "Mars Express".

Präzise Temperaturmessungen an der Marsoberfläche brachten dann eine neue Überraschung: Die Tiefe, in der das Eis liegt, variiert stark. Mitunter befindet sich das gefrorene Nass nur wenige Zentimeter unter dem Staub, oft sind es sogar nur Millimeter - so wie an der Landestelle von "Phoenix".

hda/amz/Reuters/dpa

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