Sondenaufnahmen: Junge Gräben deuten auf unruhigen Mondboden

Auch der Mond kann erzittern. Nun haben Forscher überraschend junge Brüche im Boden des Trabanten entdeckt, die wohl bei Beben aufgerissen wurden. Aufnahmen des Erdtrabanten geben zudem Hinweise auf die Ursache der Stöße.

Mondoberfläche: Dieser Graben läuft durch einen 27 Meter breiten Krater Zur Großansicht
NASA/ GSFC/ Arizona State UC/ Smithsonian Institution

Mondoberfläche: Dieser Graben läuft durch einen 27 Meter breiten Krater

Aktive Vulkane haben Astronomen auf dem Mond bisher vergeblich gesucht. Die jüngsten Spuren von Vulkanismus sind vor rund 800 Millionen Jahren entstanden. Auch tektonische Bewegungen der Oberfläche verorteten Forscher eher in einer fernen Vergangenheit. Als jüngste tektonische Formationen auf dem Erdtrabanten galten bislang Abbruchkanten im lunaren Hochland mit einem Alter von etwas unter einer Milliarde Jahren.

Nun aber haben Forscher auf Aufnahmen der Nasa-Sonde "Lunar Reconnaissance Orbiter" (LRO) deutlich jüngere Gräben auf der erdabgewandten Seite des Mondes entdeckt. Die zuvor unbekannten Formationen könnten deutlich jünger als 50 Millionen Jahre sein, schreiben Forscher um Thomas Watters von der Smithsonian Institution in Washington im Fachblatt "Nature Geoscience".

Die Forscher um Watters hatten auf Bildern von Raumsonden Brüche entdeckt, die zum Teil lediglich zehn Meter breit und nur einen Meter tief sind. Sie haben Eigenschaften geologisch junger Formationen, sie sind zum Beispiel nicht von Einschlagkratern überdeckt. Daraus schließen die Wissenschaftler auf das Alter von maximal 50 Millionen Jahren.

Ausdehnung und Schrumpfen

Die Formationen passten gut zu den flachen Mondbeben, die im Rahmen des "Apollo"-Programms aufgezeichnet worden sind. Verwerfungen unterhalb der neu entdeckten Gräben könnten mögliche Quellen solcher Beben sein. Angetrieben werde die kürzliche geologische Aktivität möglicherweise vom Abkühlungsprozess eines immer noch heißen Mondinneren.

Die Gräben sind Ausdruck einer Dehnungstektonik, was die Forscher überrascht. 2010 hatte Thomas Watters zusammen mit Kollegen im Wissenschaftsmagazin "Science" von Oberflächenstrukturen berichtet, die zeigen, dass der Mond in der Vergangenheit geschrumpft ist. Etwa 100 Meter Radius soll er demnach verloren haben, weil sich sein Inneres abgekühlt und sich der Erdtrabant dadurch zusammengezogen hat wie ein vertrockneter Apfel. Auch diese Formationen haben die Forscher übrigens auf LRO-Aufnahmen gesichtet.

Die jetzt entdeckten Grabenbrüche zeigen jedoch: An manchen Stellen gab es Dehnungsprozesse unter der Oberfläche, die sich lokal stärker ausgewirkt haben als das Zusammenziehen. Aus Sicht der Forscher spricht diese Tatsache dafür, dass das Innere des Mondes eventuell niemals komplett geschmolzen war, wie sie jetzt in "Nature Geoscience" schreiben. Denn dann müsste die Stärke des Zusammenziehens solche lokalen Phänomene immer überlagert haben.

wbr/dpa

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1.
Markus Landgraf 21.02.2012
Zitat von sysopAuch der Mond kann erzittern. Nun haben Forscher überraschend junge Brüche im Boden des Trabanten entdeckt, die wohl bei Beben aufgerissen wurden. Aufnahmen des Erdtrabanten geben zudem Hinweise auf die Ursache der Stöße. Sondenaufnahmen: Junge Gräben deuten auf unruhigen Mondboden - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,816432,00.html)
Bin begeistert, welche Überraschungen der Mond für uns bietet. Die Interpretation der nur teilweise Aufschmelzung des Mondmantels passt auch mit dem kürzlich gelungen Nachweis von erdähnlichen Wasserkonzentrationen im Mondmantel (Hauri et al., Science, 333, 2011). Was wir jetzt dringend brauchen, sind Proben von verschiedenen Stellen auf dem Mond, nicht nur aus der Äquatorialregion.
2. #
Franky W. 21.02.2012
Ich frag mich was an den Rissen und Kratern neu sein soll. Man kann einfach Google nach der "Mondspaltung" fragen, man kann sich aber auch folgendes Foto aus dem Jahre 1969 ansehen: APOD: 2002 October 29 - A Lunar Rille (http://apod.nasa.gov/apod/ap021029.html) Oder gelten diese Aufnahmen als neu, da man sich erst jetzt eine Theorie aus den Fingern gesogen hat??
3. Was ist neu?
Markus Landgraf 21.02.2012
Zitat von Franky W.Ich frag mich was an den Rissen und Kratern neu sein soll. Man kann einfach Google nach der "Mondspaltung" fragen, man kann sich aber auch folgendes Foto aus dem Jahre 1969 ansehen: APOD: 2002 October 29 - A Lunar Rille (http://apod.nasa.gov/apod/ap021029.html) Oder gelten diese Aufnahmen als neu, da man sich erst jetzt eine Theorie aus den Fingern gesogen hat??
Dass der Mond seismisch aktiv ist, ist in der Tat schon seit dem Apollo-Programm bekannt. Allerdings zeigt die neue Aufnahme einen Grabenbruch, der in Beziehung zu Einschlagskratern steht. Das erlaubt eine ungefähre Datierung und die fällt überraschend aus: der Graben ist deutlich jünger als zuvor gedacht. Zum Mond!
4.
Marcel GX 21.02.2012
Zitat von Markus LandgrafAus Sicht der Forscher spricht diese Tatsache dafür, dass das Innere des Mondes eventuell niemals komplett geschmolzen war, wie sie jetzt in "Nature Geoscience" schreiben.
Als Laie frage ich mich gerade, beeinflusst bzw. kollidierdiert die neue Vermutung, der Mond habe wohl doch kleinen (so) flüssigen Kern, mit der These, der marsgroße Körper traf die noch "flüssige" Erde? Also zu einem Zeitpunkt vor ca. 4,5 Mrd. Jahren?
5. Wir werden alle sterben!
die_piratenbraut 21.02.2012
Zitat von sysopAuch der Mond kann erzittern. Nun haben Forscher überraschend junge Brüche im Boden des Trabanten entdeckt, die wohl bei Beben aufgerissen wurden. Aufnahmen des Erdtrabanten geben zudem Hinweise auf die Ursache der Stöße.
Das sind die ersten Hinweise auf die große Katastrophe am 21.12. diesen Jahres. Wir werden aller sterben, alle!
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