Fragen und Antworten Was Sie zur Sonnenfinsternis wissen müssen

Wo sieht man die Sonnenfinsternis am Freitag am besten? Wer kann auf freien Himmel hoffen? Bricht das Stromnetz zusammen? Und wo kriegt man auf die Schnelle noch eine Brille her? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Teilweise Sonnenfinsternis (über Dinslaken, 2011): Seltenes Schauspiel
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Teilweise Sonnenfinsternis (über Dinslaken, 2011): Seltenes Schauspiel

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Was passiert bei einer Sonnenfinsternis?

Außerplanmäßig dunkel wird es am Freitagmorgen, weil sich der Mond zwischen Sonne und Erde schiebt. Das Schauspiel beginnt in Deutschland - je nach Standort - etwa um 9.30 Uhr und endet um kurz vor 12.00 Uhr.

Komplett finster wird es aber nur in einem etwa 400 Kilometer schmalen Streifen - auf dem menschenleeren Nordatlantik. In Europa, Nordafrika, dem Mittleren Osten, dem westlichen Asien und auf Grönland gibt es eine sogenannte Teilfinsternis. Das heißt: Die Sonnenscheibe wird unterschiedlich stark vom Mond bedeckt und ist als Sichel zu sehen.

Dass es nicht ständig Sonnenfinsternisse gibt, liegt übrigens daran, dass die Bahnebene des Mondes etwa fünf Grad gegen die der Erde um die Sonne geneigt ist. Dadurch wandert der Neumond meist ober- oder unterhalb der Sonne vorbei. Pro Jahr gibt es deswegen mindestens zwei und höchstens fünf Sonnenfinsternisse auf der Erde. Allerdings sind die vom Schatten abgedunkelten Streifen auf der Erdoberfläche nur sehr schmal - und liegen längst nicht immer in bewohntem Gebiet.

Wo ist sie gut zu sehen?

Für alle, die in Deutschland bleiben, gilt die Faustregel: Je weiter nördlich, desto besser. Im Norden ist die Sonnenscheibe zu gut 80 Prozent verfinstert, im Süden sind es immerhin noch mindestens 65 Prozent. Einen detaillierten Überblick zu den besten Standorten finden Sie hier.

Vorteil Hamburg: Im Norden ist die Sichel schmaler als im Süden Was muss ich beim Beobachten beachten?

Man kann Georg Eckert, den Sprecher des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands (BVA), für eine Spaßbremse halten. Damit täte man dem Mann aber Unrecht. In einem Interview sagte er vor wenigen Tagen, er hoffe, dass es am Tag der Sonnenfinsternis regnet. Doch tatsächlich treibt Mediziner wie Eckert vor allem die Sorge um "die Augengesundheit unserer Mitbürger" um.

Denn wer ohne Spezialbrille die verfinsterte Sonnenscheibe beobachtet, riskiert schwere Augenschäden. Vor allem die Augen von Kindern sind gefährdet. Normale Sonnenbrillen sind zum gefahrlosen Blick auf die Sonnensichel genauso nutzlos wie rußgeschwärzte Glasscheiben, CDs oder belichtete Filme. Es drohen dauerhafte Augenschäden, im schlimmsten Fall eine Erblindung. Das Tückische: Verbrennungen des Augenhintergrundes tun nach Auskunft von Medizinern zunächst nicht weh - weil die Netzhaut keinen Schmerzimpuls sendet.

Finsternis am 11. August 1999: Nur mit Spezialbrille in die Sonne blicken
AFP

Finsternis am 11. August 1999: Nur mit Spezialbrille in die Sonne blicken

Geschützt ist man nur mit einer Spezialbrille. Die sollte maximal ein Hunderttausendstel des Sonnenlichtes durchlassen - und durch breite Bügel auch ein Eindringen von Sonnenlicht am Rand verhindern. Dumm nur: Fast überall in Deutschland sind die Dinger schon ausverkauft. Wer deswegen auf ein Modell von der Sonnenfinsternis 1999 zurückgreifen möchte, muss sicherstellen, dass die Schutzfolie inzwischen keine Löcher bekommen hat.

Wo bekomme ich jetzt noch eine Spezialbrille her?

Die Chancen, jetzt noch solch eine Brille zu ergattern, sind ziemlich mau. Das liegt nicht unbedingt daran, dass die Sonnenfinsternis so überraschend über das Land hineingebrochen wäre. Aber in der öffentlichen Wahrnehmung ist das Thema - im Gegensatz zur Sonnenfinsternis von 1999 - erst seit Kurzem präsent.

Große Optikerketten wie Fielmann oder Apollo Optik haben gleich gar keine Brillen geordert - aus Sicherheitsgründen, wie sie jetzt erklären. "Die von uns getesteten Sonnenfinsternisbrillen entsprechen nicht unserem Anspruch", erklärt etwa Fielmann-Sprecher Matthias Branahl.

Und die anderen Optiker? "Man bekommt nur noch vereinzelt Brillen in den Geschäften", sagt der Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes des bayerischen Augenoptikerhandwerks, Hans Hopf. Einige Planetarien hatten bis zuletzt noch Brillen im Angebot. Die Wilhelm-Foerster-Sternwarte in Berlin hatte wegen des großen Ansturms noch Exemplare nachbestellt - aber ob diese rechtzeitig ankommen, weiß man dort nicht.

Historische Sonnenfinsternisse

Darstellung von London (1748): Eine Sonnenfinsternis ist ein vergleichsweise häufiges Ereignis. Daher sind auch viele Schilderungen und Darstellungen aus den vergangenen Jahrhunderten überliefert.

Totale Sonnenfinsternis in Tarragona, Spanien im Jahr 1860: Eine plötzlich verdunkelte Sonne galt in vielen Kulturen als schlechtes Omen. Erst durch das neue astronomische Wissen konnten Menschen Sonnenfinsternisse erklären und sogar vorhersagen. Die Abbildung stammt aus dem Buch "Sun, Moon and Stars" von Agnes Giberne (London, 1884).

Totale Sonnenfinsternis (14.11.2012 in Queensland, Australien): Als eine der frühesten dokumentierten Sonnenfinsternisse gilt jene vom 28. Mai im Jahr 585 vor Christus. Sie könnte sogar vom griechischen Mathematiker Thales von Milet vorhergesagt worden sein. Das Ereignis soll sogar den Krieg zwischen den Lydern und Medern beendet haben.

Kupferstich von Bernard Picard (undatiert): Menschen gerieten in Panik, wenn die Sonne plötzlich von einer schwarzen Scheibe verdeckt wurde.

Illustration (undatiert): Seit Menschen verstehen, warum die Sonne plötzlich dunkel werden kann, hat das Ereignis viel von seinem Schrecken verloren.

Camera obscura (1561): Die Abbildung aus dem Buch "Problematum Astronomicorum" von Daniele Santbech zeigt, wie eine Sonnenfinsternis in einen abgedunkelten Raum projiziert wird.

Beobachtung einer Sonnenfinsternis in Paris (undatiert): Meist wird die Sonne nur teilweise vom Mond verdeckt. Nur im Bereich des sogenannten Kernschattens ist die Sonne vollständig abgedeckt. Dieser ist auf der Erdoberfläche höchstens wenige hundert Kilometer groß.

Pyramiden bei Kairo: Im Alten Ägypten sprach man vom "Verschlucken der Sonne". Eine Sonnenfinsternis galt als Vorbote von Katastrophen, Kriegen oder Krankheiten.

Finsternis in München: Besonders spektakulär ist, wenn sich der Mond an einem wolkenfreien Himmel vor die Sonne schiebt und diese für wenige Minuten vollständig abdeckt. Beim hier fotografierten Ereignis am 31.05.2003 war die Abdeckung jedoch nur partiell - die Sonne war also stets zumindest als leuchtende Sichel zu sehen.

Was macht die Sonnenfinsternis mit dem Stromnetz?

Zur Herausforderung für das Stromnetz wird die Sonnenfinsternis durch die mehr als eine Million Solaranlagen, die es in Deutschland mittlerweile gibt. Unter idealen Bedingungen können diese so viel Strom produzieren wie 39 mittlere Atomkraftwerke, also 39.000 Megawatt. Mit dem Start der Verdunkelung könnte die Stromeinspeisung um bis zu 12.000 Megawatt sinken. Noch komplizierter wird es zum Ende der Finsternis: Weil die Sonne dann höher steht, liefern die Solaranlagen bis zu 19.000 Megawatt Energie mehr und könnten die Stromnetze instabil machen.

"Wir sind angespannt", heißt es beim nordostdeutschen Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz. Zusätzliche Mitarbeiter in den Leitzentralen beobachten, ob das Netz stabil bleibt. Rund fünf Millionen Euro könnten die Eingriffe nach SPIEGEL-Informationen den Verbraucher kosten. Pro Kopf ergibt sich damit ein äußerst überschaubarer Betrag.

Und vielleicht wird noch nicht einmal der fällig. Wo die Sonne von Wolken bedeckt ist, produzieren die Solaranlagen ohnehin keinen Strom - und es gibt durch die Finsternis keine Probleme. "Der Wetterbericht sieht für uns gut aus", sagt Joachim Vanzetta vom westdeutschen Netzbetreiber Amprion.

Wie sieht die Sonnenfinsternis aus dem Weltall aus?

Zwei Männer und eine Frau - das ist die aktuelle Besatzung der Internationalen Raumstation (ISS): Anton Schkaplerow (Russland), Terry Virts (USA) und Samantha Cristoforetti (Italien), allesamt seit 116 Tagen im All, können das Spektakel rund 400 Kilometer über der Erde ungestört verfolgen. Wolken und Wetter sind ihnen dabei naturgemäß egal.

Aus Sicht der ISS-Crew deckt der Mond etwa 96 Prozent der Sonne ab. Außerdem können die Raumfahrer sehen, wie die dunkle Finsterniszone auf der Erdoberfläche wandert. Allerdings haben sie in ihrem traditionell vollgepackten Zeitplan nicht allzu viel Zeit zum Staunen. So muss Astronautin Samantha Cristoforetti für ein Experiment Immunzellen in einer Zentrifuge behandeln. Anschließend müssen die Zellen im Kühlschrank der Raumstation deponiert werden. Doch wenn alles glatt geht, so hofft die Italienerin, bleibt zwischen beiden Arbeitsschritten ein wenig Zeit - für einen ganz exklusiven Blick auf die Sonnenfinsternis.

Was lernen Astronomen durch eine Sonnenfinsternis?

Es hat Zeiten gegeben, da war eine Sonnenfinsternis ein Mega-Event für die Forschung. So wurde bei einer Finsternis im Mai 1919 eine wichtige Voraussage der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein geprüft: Die Gravitationswirkung der Sonne sorgt dafür, dass das Licht ferner Sterne abgelenkt wird. Das konnte der britische Astrophysiker Arthur Eddington bei Beobachtungen auf der Vulkaninsel Principe vor der Küste Afrikas nachweisen.

Auch waren frühere Sonnenfinsternisse die einzige Gelegenheit, die äußere Hülle der Sonne zu erkunden, die sogenannte Korona. Bei Eruptionen entladen sich dort schlagartig große Mengen an Energie. Aber auf neue Erkenntnisse bei einer Sonnenfinsternis braucht dabei heutzutage niemand mehr hoffen. "Das haben unsere wissenschaftlichen Ahnen gut abgearbeitet, da gibt es keine offenen Fragen mehr", sagt etwa der Erdatmosphärenforscher Thomas Reddmann vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Wann gibt's die nächste totale Sonnenfinsternis?

Egal wie viel Sport Sie treiben oder wie gesund Sie sich ernähren - die nächste totale Sonnenfinsternis in Deutschland findet mit großer Wahrscheinlichkeit ohne Sie statt. Denn erst am 3. September 2081 ist es wieder so weit.

Wer nicht so lange warten kann: Eine partielle Sonnenfinsternis in Deutschland gibt es am 25. Oktober 2022 wieder zu bewundern. Dabei wird die Sonne aber nicht so stark bedeckt wie jetzt am Freitag. Ähnliche Werte werden dann bei einer Finsternis am 12. August 2026 erreicht.

Die nächste partielle Finsternis in anderen Teilen der Welt findet am 13. September dieses Jahres statt. Wer sie sehen will, muss nach Afrika, in die Antarktis oder in den Südozean reisen. Die nächste totale Sonnenfinsternis steht für den 9. März kommenden Jahres im Kalender - auf den südostasiatischen Inseln Sulawesi, Borneo und Sumatra sowie auf Teilen des Pazifiks.

Mit Material von dpa und AFP



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insgesamt 59 Beiträge
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Seite 1
MrSnoot 19.03.2015
1.
---Zitat--- Große Optikerketten wie Fielmann oder Apollo Optik haben gleich gar keine Brillen geordert - aus Sicherheitsgründen, wie sie jetzt erklären. "Die von uns getesteten Sonnenfinsternisbrillen entsprechen nicht unserem Anspruch", erklärt etwa Fielmann-Sprecher Matthias Branahl. ---Zitatende--- Was soll das denn heißen - dass heute hergestellte Schutzbrillen zu schlecht sind? Gut, dass ich von 1999 noch 4 Stück habe - und 2 für jeweils 50 € bei eBay losgeworden bin :-p
Big_Jim 19.03.2015
2. Wer braucht eine Brille?
Jedes vernünftige Handy reicht dafür aus. Einfach die Kamera einschalten und auf die Sonne richten. Das Handy regelt die Helligkeit so weit runter, dass man die Sonne klar und deutlich sehen kann. Und Nein, das Handy geht dadurch nicht kaputt.
nord1icht 19.03.2015
3. Beobachten mit Camera Obskura
Wäre doch sinnvoll, anzumerken, dass man Sonnenfinsternisse sehr schön beobachten kann, indem man in ein Stück Karton ein Loch macht und sich den enstehenden Achatten auf einer Papierfläche anschaut. Viel Spaß!
_anon_ 19.03.2015
4. Wozu Brille?
Ist die Netzhautauflösung beim Blick in eine Sonnenfinsternis stärker als wenn man in die unbedeckte Sonne guckt? Ich habe keine Probleme kurzzeitig in die Sonne zu blicken, also wäre auch eine Brille für die Sonnenfinsternis hinfällig. Sofern man nicht Stundenlang in die Sonne Blicken möchte, was unnötig ist, sofern man nicht auf Drogen ist.
7eggert 19.03.2015
5.
Und noch einmal, Solarkraftwerke kann man einfach per Fernsteuerung abschalten oder gar herunterregeln, falls diese sich nicht automatisch bei 50,2 Hz abschalten. Es ist daher kein Problem, den Anstieg so flach zu gestalten, wie man ihn braucht.
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