Sonnenfinsternis auf Mars Esa-Sonde beobachtet Mondschatten

"Mars-Express" hat eine Sonnenfinsternis auf dem Mars fotografiert. Die Aufnahmen zeigen, wie der Schatten des Mondes Phobos über die Oberfläche des Roten Planeten wandert. Die Bilder bestätigen die erst kürzlich neu berechnete Flugbahn des Mondes.


Auf der Erde sind Sonnenfinsternisse nicht gerade alltäglich - nur wenige Male pro Jahr gerät der Mond so zwischen Erde und Sonne, dass die Sonne völlig verdeckt wird. Der Mars hat immerhin zwei Monde: Phobos und Deimos. Weil sich diese auch deutlich schneller um den Planeten bewegen als der Mond um die Erde, sind Sonnenfinsternisse dort auch häufiger anzutreffen.

Der Esa-Sonde "Mars-Express" ist es am 10. November gelungen, Bilder des über die Marsoberfläche wandernden Phobos-Schattens aufzunehmen. Die Fotos, geschossen mit der Stereokamera HRSC, wurden jetzt veröffentlicht.

Der unförmige Felsbrocken Phobos ist mit etwa 27 mal 21,6 mal 18,8 Kilometern der größere der beiden Marsmonde und umkreist seinen Mutterplaneten auf einer annähernd kreisförmigen Bahn. In einer Höhe von etwa 6000 Kilometer über der Oberfläche benötigt Phobos für einen Umlauf etwas mehr als siebeneinhalb Stunden. Mit der Sonne im Rücken wirft Phobos einen kleinen, diffusen Schatten auf die Oberfläche. Einem Beobachter am Boden erschiene dies wie eine sehr schnell, in etwa 21 Sekunden, vorübergehende Sonnenfinsternis.

Wie die Fotos zeigen, ist der Phobos-Schatten in seinem Zentrum dunkler als an den Rändern. Stünde ein Astronaut auf der Marsoberfläche, würde er Phobos in seinem ganzen Umfang inmitten der Sonnenscheibe sehen. Wegen der geringen Größe des Mondes wäre aber nur ein Fünftel der Sonne bedeckt - deshalb träfen den Beobachter auch im Zentrum des Schattens noch Strahlen vom nicht bedeckten Teil der Sonne. Der Astronaut würde keine totale, sondern immer nur eine partielle Sonnenfinsternis erleben.

Gelingen konnten die Aufnahmen nur, weil ein Team um Jürgen Oberst vom DLR-Institut für Planetenforschung die Phobos-Bahn erst kürzlich neu berechnet hatten. Der Trabant eilt seiner bis vor kurzem angenommenen Position um etwa zwölf Kilometer voraus. Mit Hilfe der neuen Bahndaten konnten Ort und Zeitpunkt des Mondschattens genau vorhergesagt werden - die Aufnahmen bestätigen zugleich die Richtigkeit der neuen Bahndaten.

hda



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