"Great American Eclipse" Finster wird's in Amerika, richtig finster

Die USA bereiten sich auf ein großes Naturschauspiel vor - eine totale Sonnenfinsternis, die an der Pazifikküste beginnt und an der Atlantikküste endet. Millionen hoffen auf einen wolkenfreien Himmel am Montag.

AFP

Am kommenden Montag rast der Kernschatten des Monds quer über die USA und wird Millionen Amerikanern sowie internationalen Finsternistouristen den beeindruckenden Anblick der "schwarzen Sonne" bescheren. Ein vergleichbares Himmelsspektakel gab es dort zuletzt 1918.

Seit Wochen fiebern die USA deswegen der "Great American Eclipse" entgegen, wie das Naturereignis in den Staaten genannt wird. Die totale Sonnenfinsternis beginnt am Montag über dem Pazifik, anschließend rast der nur gut hundert Kilometer breite Mondschatten von Salem in US-Bundesstaat Oregon an der Westküste diagonal durch die USA bis nach Charleston in South Carolina an der Ostküste.

T-Shirt mit Pfad des Mondschattens
REUTERS

T-Shirt mit Pfad des Mondschattens

Der schmale Streifen der totalen Finsternis endet schließlich im Atlantik - Beobachter in Europa werden die "schwarze Sonne" also nicht sehen können. Nur im Westen des Kontinents - von Oslo über London, Santiago de Compostela und die Kanareninsel La Palma - wird kurz vor Sonnenuntergang am Montagabend eine partielle, also teilweise Verfinsterung der Sonnenscheibe zu erkennen sein.

Dennoch wird das Himmelsschauspiel auch hierzulande viele Zuschauer finden, denn die Sonnenfinsternis ist am Montagabend unserer Zeit in zahlreichen Livestreams zu verfolgen. Auch die US-Raumfahrtbehörde Nasa sendet aus der Finsterniszone (der Livestream wird über diese Seite laufen), in der unzählige Menschen mit Partys auf Hochhausdächern, in Parks und Sportstadien die jeweils rund zwei Minuten dauernde totale Verfinsterung feiern wollen. Sogar Hochzeitsfeiern während der Finsternis sind geplant.

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Sonnenfinsternis in den USA: Warten auf die Dunkelheit

In der schmalen Zone der totalen Finsternis leben rund zwölf Millionen US-Bürger. Weitere Millionen werden am Montag dort hinreisen, was das Risiko von Staus und Verkehrsunfällen in diesem Teil der USA deutlich wachsen lässt. Drastisch gestiegen sind auch die Übernachtungspreise in den dortigen Hotels - einzelne Zimmer wurden zuletzt für mehr als 2100 Dollar pro Nacht angeboten.

Bei einer Sonnenfinsternis schiebt sich der Neumond von der Erde aus gesehen vor die Sonne. Dabei wirft der Mond seinen Schatten auf bestimmte Regionen der Erde - mit der Folge, dass sich dort der Himmel verdunkelt - mal mehr, mal weniger.

Denn der Mond verdeckt die Sonne entweder teilweise oder aber bei manchen Finsternissen auch komplett - je nachdem, ob der sogenannte Kernschatten des Monds die Erde lediglich streift oder aber auf ihre Oberfläche trifft. Zum seltenen Schauspiel einer totalen Sonnenfinsternis kommt es nur in Regionen, über die der Kernschatten des Mondes hinwegzieht - dies ist am Montag in den USA der Fall.

Sonnenfinsternis mit dem Kernschatten in Nordamerika (künstlerische Darstellung)
DPA / Nasa

Sonnenfinsternis mit dem Kernschatten in Nordamerika (künstlerische Darstellung)

Forscher werden das Spektakel mit teils zusammengeschalteten Teleskopen vom Boden aus betrachten. Die US-Weltraumbehörde Nasa wiederum will dem Schatten mit zwei Spezialjets nachjagen, in rund 15 Kilometern Höhe. Insgesamt sieben Minuten sollen die Jets das Phänomen beobachten können. Andere Forscher sind mit weiteren Flugzeugen unterwegs, zum Beispiel einer "Gulfstream V" der National Science Foundation.

Vom Boden werden zahlreiche Ballons in höhere Atmosphärenschichten aufsteigen und dabei die Finsternis im Blick behalten. Allein das von der Montana State "Eclipse Ballooning Project" will 57 Ballons an 25 Orten steigen lassen.

Teststart eines Forschungsballons bei Charleston (US-Bundesstaat South Carolina)
REUTERS

Teststart eines Forschungsballons bei Charleston (US-Bundesstaat South Carolina)

In Deutschland war eine komplette Sonnenfinsternis zuletzt im August 1999 zu bewundern. Für wenige Minuten wurde der Tag zur Nacht, Vögel verstummten, am Taghimmel leuchteten helle Sterne und Planeten auf. Die nächste totale Sonnenfinsternis in Teilen Deutschlands wird erst wieder im September 2081 zu sehen sein.

Spezialbrillen für die Beobachtung
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Spezialbrillen für die Beobachtung

Über dem südlichen Pazifik und Südamerika gibt es am 2. Juli 2019 eine Finsternis zu bestaunen. Die nächste in Europa - Island und Spanien bekommen das Spektakel dann zu sehen - ist am 12. August 2026. Mit Ausnahme der kurzen totalen Verfinsterung brauchen Astro-Fans unbedingt eine spezielle SoFi-Brille mit geprüftem Filter. Sonst drohen massive Augenschäden - bis hin zur Erblindung. (die Nasa hat hier Foto-Tipps für die Sonnenfinsternis zusammengestellt.)

Sonnenfinsternisse üben auf die Menschen seit jeher eine besondere Faszination aus - und sie jagten unseren Vorfahren große Angst ein. "In vergangenen Zeiten deutete man Finsternisse als Zeichen des Schicksals, denn die Sonne galt als Quell des Lebens und als Gottheit", sagt Manfred Gaida, Astrophysiker im Raumfahrtmanagement des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bonn. "Schon die alten Babylonier kannten mathematische Regeln, mit denen sich Sonnen- und Mondfinsternisse vorhersagen ließen."

Die alten Chinesen glaubten, bei einer Sonnenfinsternis verschlinge ein Himmelsdrache unser lebensspendendes Zentralgestirn. Auch in der Mythologie südamerikanischer Völker und im alten Indien wurden Ungeheuer für die erschreckende Erfahrung verantwortlich gemacht, dass der Tag urplötzlich zur Nacht wird.

chs/AFP



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