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Augenschutz: Sonnenfinsternis-Brillen sind alle. Und nun?

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Ein paar Quadratzentimeter Spezialfolie, ein bisschen Pappe - eigentlich sind Spezialbrillen für die Sonnenfinsternis ein eher simples Produkt. Doch deutschlandweit sind sie beinahe ausverkauft. Hier ist die Alternative.

Alle haben gepennt, wirklich alle. Dass am Freitagvormittag eine partielle Sonnenfinsternis am Himmel über Deutschland zu bewundern ist, kann niemanden überraschen. (Alles, was Sie zum Thema wissen müssen, finden Sie hier.) Das Himmelsphänomen lässt sich für Hunderte von Jahren im Voraus berechnen. Und doch stellen die allermeisten Deutschen wenige Stunden vor dem Ereignis fest: Huch, ich habe ja gar keine Brille.

Dabei ist die extrem wichtig, um keine Augenschäden zu riskieren. Ansonsten drohten "irreparable Netzhautschäden, im schlimmsten Fall sogar Erblindung", warnt Christian Ohrloff von der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft. Die Netzhaut könne "regelrecht verbrennen".

Im Klartext: Wer längere Zeit ohne Brille auf die Sonnensichel schaut, riskiert lebenslange Sehprobleme. Auch McGyver-mäßige Lösungen wie rußgeschwärzte Glasscheiben oder CDs vor den Augen können das nicht verhindern. Richtig dramatisch wird es, wenn man mit ungeschützten Augen durch ein Fernglas oder Teleskop schaut. Hier ist unbedingt ein Filter nötig, gewissermaßen eine große Version der Schutzbrille.

Dumm nur, dass es im ganzen Land kaum noch Filterfolie oder Brillen gibt. Weil, wie gesagt, alle gepennt haben. Viele Anbieter haben die Nachfrage unterschätzt. Große Optikerketten, wie Fielmann oder Apollo Optik, haben von vornherein gleich gar keine Brillen bestellt. Aus Sicherheitsgründen, wie sie sagen. Fielmann-Sprecher Matthias Branahl: "Die von uns getesteten Sonnenfinsternisbrillen entsprechen nicht unserem Anspruch."

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Also stehen die Menschen jetzt ganz ohne Brillen da - oder decken sich zu horrenden Preisen bei Online-Auktionshäusern ein. Da verhökern gerade all die Leute ihre Ausrüstung, die bei der Sonnenfinsternis 1999 ein bisschen aufgepasst haben. Der Autor dieses Textes gehört übrigens nicht dazu. Er hat seine Brille irgendwann vertrödelt - wie Sie womöglich auch.

Besonders groß scheint die Panik angesichts fehlender Schutzbrillen an den Schulen zu sein. Vielerorts werden Schüler ohne Brille keine Chance haben, die Finsternis im Freien zu verfolgen. Im Netz kursieren Briefe wie der einer Münsteraner Schule. Darin wird den Eltern versichert, dass die Kinder auf keinen Fall auf den Hof dürften. Man werde "die Fenster mit Gardinen verschließen" - damit "kein Kind von diesen Lichtstrahlen bestrahlt werden kann". Auch vor dem Hintergrund naturwissenschaftlicher Bildung sind solche Sätze in vielfacher Hinsicht traurig.

Historische Sonnenfinsternisse

Darstellung von London (1748): Eine Sonnenfinsternis ist ein vergleichsweise häufiges Ereignis. Daher sind auch viele Schilderungen und Darstellungen aus den vergangenen Jahrhunderten überliefert.

Totale Sonnenfinsternis in Tarragona, Spanien im Jahr 1860: Eine plötzlich verdunkelte Sonne galt in vielen Kulturen als schlechtes Omen. Erst durch das neue astronomische Wissen konnten Menschen Sonnenfinsternisse erklären und sogar vorhersagen. Die Abbildung stammt aus dem Buch "Sun, Moon and Stars" von Agnes Giberne (London, 1884).

Totale Sonnenfinsternis (14.11.2012 in Queensland, Australien): Als eine der frühesten dokumentierten Sonnenfinsternisse gilt jene vom 28. Mai im Jahr 585 vor Christus. Sie könnte sogar vom griechischen Mathematiker Thales von Milet vorhergesagt worden sein. Das Ereignis soll sogar den Krieg zwischen den Lydern und Medern beendet haben.

Kupferstich von Bernard Picard (undatiert): Menschen gerieten in Panik, wenn die Sonne plötzlich von einer schwarzen Scheibe verdeckt wurde.

Illustration (undatiert): Seit Menschen verstehen, warum die Sonne plötzlich dunkel werden kann, hat das Ereignis viel von seinem Schrecken verloren.

Camera obscura (1561): Die Abbildung aus dem Buch "Problematum Astronomicorum" von Daniele Santbech zeigt, wie eine Sonnenfinsternis in einen abgedunkelten Raum projiziert wird.

Beobachtung einer Sonnenfinsternis in Paris (undatiert): Meist wird die Sonne nur teilweise vom Mond verdeckt. Nur im Bereich des sogenannten Kernschattens ist die Sonne vollständig abgedeckt. Dieser ist auf der Erdoberfläche höchstens wenige hundert Kilometer groß.

Pyramiden bei Kairo: Im Alten Ägypten sprach man vom "Verschlucken der Sonne". Eine Sonnenfinsternis galt als Vorbote von Katastrophen, Kriegen oder Krankheiten.

Finsternis in München: Besonders spektakulär ist, wenn sich der Mond an einem wolkenfreien Himmel vor die Sonne schiebt und diese für wenige Minuten vollständig abdeckt. Beim hier fotografierten Ereignis am 31.05.2003 war die Abdeckung jedoch nur partiell - die Sonne war also stets zumindest als leuchtende Sichel zu sehen.

Alternativen zur Schutzbrille

Was also tun? "Man bekommt nur noch vereinzelt Brillen in den Geschäften", sagte Hans Hopf vom Innungsverband der bayerischen Optiker schon am Mittwoch. Inzwischen dürfte sich die Lage nicht gebessert haben. Ein Weg ist, die Sonnenfinsternis über das Display des Handys zu verfolgen - mit dem Rücken zur Sonnensichel, die Frontkamera des Mobiltelefon über die Schulter gehalten. Das ist zumindest ungefährlich für die Augen.

Allzu befriedigend ist aber auch diese Lösung nicht - weil die Sonne nur recht klein zu sehen ist. "Wir bekommen ständig Anfragen nach Alternativen", sagt Kai Noeske vom Haus der Astronomie in Heidelberg. Und er hat auch eine Idee: "Man kann in zwei Minuten eine Lochkamera aus einem Karton und einem Stück Butterbrotpapier basteln", sagt Noeske. Mit der lasse sich dann bequem und gefahrlos die Sonne beobachten.

Hier also die Bauanleitung für die Lochkamera vom Haus der Astronomie:

  • Man braucht: einen langen Karton, am besten einen Meter oder mehr. Auf einer Seite schneidet man die Wand heraus und klebt an ihre Stelle mattes, halbtransparentes Material: Butterbrotpapier, oder Durchpauspapier zum Beispiel. Oder matte Plastikfolie, aus der Dokumentenhüllen oft gemacht sind.

  • Auf der anderen Seite piekst man ein kleines Loch rein, am besten einen Millimeter oder weniger, auf jeden Fall weniger als zwei. Fertig ist die Kamera, Bauzeit etwa zwei Minuten.

  • Diesen Kasten hält man dann mit dem kleinen Loch Richtung Sonne, auf dem matten Schirm sieht man deren Abbild. Am besten hängt man ein dunkles Tuch über Kamera und Beobachter, das schützt auch vor dem versehentlichen Blick in die Sonne.
  • Loch-Kamera im Praxiseinsatz: Eigenwilliges Aussehen, gefahrloser Blick Zur Großansicht
    Olaf Fischer

    Loch-Kamera im Praxiseinsatz: Eigenwilliges Aussehen, gefahrloser Blick

  • Es gilt die Faustregel: Je kleiner das Loch, desto schärfer das Bild. Je länger der Karton, desto größer das Bild: ein ein Meter langer Karton gibt etwa ein Sonnenbild von ein Zentimeter Durchmesser, ein anderthalb Meter langer ein anderthalb Zentimeter großes Bild - und so weiter.

  • Man kann auch eine lange Papp- oder Plastikröhre nehmen. Dazu klebt man das matte Material auf eine Öffnung, die andere wird mit einem lichtdichten Deckel verschlossen. In den sticht man dann das kleine Eintrittsloch.

Für größere Menschengruppen bietet sich übrigens eine Spiegelprojektion an, wie sie zum Beispiel die Westfälische Volkssternwarte und das Planetarium Recklinghausen hier beschreiben. Fazit: SoFi-Brillen sind tatsächlich alle. Aber vielleicht ist das doch nicht so schlimm.

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Mit Material von dpa

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insgesamt 119 Beiträge
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    Seite 1    
1. Schweißschutzglas
84erstudent 19.03.2015
Was ist mit Schweißschutzglas als Alternative? Kosten keine 2 Euro, und meiner Meinung nach müsste das auch einwandfrei schützen.
2. Fernglas geht auch
wanderarbeiter 19.03.2015
Ein handelsübliches Fernglas geht auch. Aber bitte niemals damit direkt in die Sonne schauen. Man kann aber das Fernglas als Projektionsoptik verwenden. Das Objetiv Richtung Sonne richten und hinter dem Okular eine weißes Papier oder ähnliches als Leinwand aufstellen. Mit Variieren des Abstands zur "Leinwand" und Schafstellen am Fernglas bekommt man ein schafes Abbild der Sonnenscheibe mit dem Mondschatten.
3.
markus_wienken 19.03.2015
Zitat von 84erstudentWas ist mit Schweißschutzglas als Alternative? Kosten keine 2 Euro, und meiner Meinung nach müsste das auch einwandfrei schützen.
Soweit mir bekannt reichen die normalen Schweißerbrillen nicht aus, erst ab Filterstufe 15 wäre es OK, allerding sind die auch nicht einfach zu bekommen.
4. Und nun ...?
coyote38 19.03.2015
Nix "und nun". Nun wird's morgen eben ohne Brille dunkel.
5. Und nun?
tvinnefossen 19.03.2015
SPON fragt: "Sonnenfinsternis-Brillen sind alle. Und nun?" Antwort: Nicht hingucken!
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