Teneriffa Europas größtes Sonnenteleskop geht an den Start

Mit eingebauter Kühlung nimmt ein neues Teleskop die Sonne ins Visier. Mehrere deutsche Forschungsinstitute haben das Fernrohr errichten lassen, das auch kleinräumige Prozesse auf ihrer Oberfläche registrieren soll.

DPA/ Klepenheuer Institut für Sonnenphysik

Auf der Kanareninsel Teneriffa weihen Astronomen Europas größtes Sonnenteleskop ein: "Gregor" soll von nun an das Zentralgestirn beobachten. Das Fernrohr, dessen Hauptspiegel 1,5 Meter groß ist, haben mehrere deutsche Forschungsinstitute als Gemeinschaftsprojekt errichtet: das Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik (KIS) in Freiburg, das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP), das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg/Lindau sowie das Institut für Astrophysik in Göttingen. Die Vorbereitungen für "Gregor" begannen vor mehr als zehn Jahren. Über zehn Millionen Euro wurden investiert, sagte der Freiburger Wissenschaftler Reiner Volkmer.

Mit Hilfe von "Gregor" wollen Wissenschaftler künftig kleinräumige physikalische Prozesse auf der Sonne untersuchen - und zwar im Infrarotbereich sowie im sichtbaren Licht. Die Auflösung des Teleskops soll bei 70 Kilometern liegen. Untersuchen wollen die Wissenschaftler vor allem die Magnetfelder der Sonne. Sie sind dafür verantwortlich, wie die Sonne aufgebaut ist und wie sie sich verändert, beispielsweise durch Eruptionen.

"Es gibt viele Bereiche, die noch nicht erforscht sind", sagt Projektleiter Volkmer. Man erhoffe sich Antworten zum Beispiel die Frage der Erwärmung. Die äußeren Schichten der Sonne seien deutlich heißer ihr Kern. "Normalerweise ist es ja umgekehrt", so Volkmer. Ebenso wollen die Forscher besser verstehen, nach welchen Mechanismen sich die Sonne verändert.

Bei der direkten Beobachtung der Sonne gibt es ein Problem: Die Spiegel der Teleskope erwärmten sich, bei grellem Licht versagten sie. Zudem wird die Sicht zur Sonne durch aufsteigende warme Luft behindert. Bei "Gregor" hoffen die Forscher, diese Schwierigkeiten elegant meistern zu können: In rund 2400 Metern Höhe am Berg Teide sollen die Meereswinde der Insel Teneriffa dafür sorgen, dass störende Luftschichten weggeblasen werden. Zusätzlich wird das Teleskop, das frei auf dem Dach eines knapp 20 Meter hohen Gebäudes steht, ständig gekühlt.

Schottischer Astronom geehrt

"Dank der adaptiven Optik werden wir mit 'Gregor' zukünftig fantastische Aufnahmen der Sonne erzielen, wie es bislang nur mit Satelliten außerhalb der Erdatmosphäre möglich war", sagte KIS-Direktor Oskar von der Lühe. Das Teleskop könne nicht nur bei gleißendem Sonnenlicht eingesetzt werden; sondern sei zusätzlich in der Nacht in der Lage, nach sonnenähnlichen Sternen im Universum zu suchen.

Nach Auskunft der US-Weltraumbehörde Nasa ist "Gregor" das drittgrößte Sonnenteleskop der Welt. Der Name ist kein Akronym; er soll den schottischen Astronomen und Mathematiker James Gregory (1638 bis 1675) ehren, der ein Spiegelteleskop entworfen hatte.

wbr/dpa



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