Sonniger Mond Am Nordpol wohnt sich's am schönsten

Wenn Menschen eine Station auf dem Mond errichten wollen, sollten sie den Nordpol wählen. Dort verspricht ununterbrochener Sonnenschein ein - für Mondverhältnisse - recht mildes Klima. Die Temperatur sinkt nie unter minus 60 Grad.


Vollmond: Nordpol ideal zum Wohnen
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Vollmond: Nordpol ideal zum Wohnen

Der Norden gilt Erdlingen als Synonym für eisige Kälte und lang währende Dunkelheit. Niemand, abgesehen vielleicht von einer Handvoll Forscher, käme auf die Idee, in der Arktis zu wohnen. Auf dem Mond ist die Lage etwas anders. Hier präsentiert sich der Nordpol als 1-A-Sonnenplätzchen, wie amerikanische Forscher jetzt festgestellt haben. Am Rande des großen Peary-Kraters geht die Sonne wahrscheinlich nie unter. Das macht die Gegend zu einem bevorzugten Bauplatz für die künftige Mondbasis, mit deren Planung US-Präsident George W. Bush vor einem Jahr die Nasa beauftragt hat.

Die Temperatur in der permanent sonnigen Polregion sei relativ konstant und für Mondverhältnisse mild, schreibt Ben Bussey von der Johns Hopkins University in Laurel in der Fachzeitschrift "Nature" (Bd. 434, S. 842). Am Nordpol schwanke die Temperatur zwischen minus 40 und minus 60 Grad. Am Äquator wird es hingegen nachts minus 180 Grad kalt, tagsüber klettern die Werte auf 100 Grad plus.

Weil die Drehachse des Mondes fast senkrecht zu seiner Bahnebene um die Sonne steht, vermuten Forscher schon seit längerem die Zonen mit den längsten Licht- und Schattenperioden an den Polen. Eigens untersuchte Aufnahmen der Sonde "Clementine", die den Mond 1994 für 71 Tage umrundet hatte, haben dies nun bestätigt. Da der Nordpol des Mondes am Rand eines großen Kraters liegt, bildet er ein Hochland. Die Wahrscheinlichkeit, dass er von der Sonne permanent beschienen wird, ist deshalb groß. Im Gegensatz dazu liegt der Südpol des Mondes innerhalb des so genannten Aitken-Beckens - und damit oft im Schatten.

Mithilfe von insgesamt 51 Fotos erstellten Bussey und seine Mitarbeiter eine Sonnenkarte des Erdtrabanten. Sie zeigt, dass mehrere Stellen am Nordpol permanent beschienen werden. Die Sonnenspots liegen alle am Nordrand des Peary-Kraters, einer 73 Kilometer breiten Vertiefung nahe des Mond-Nordpols. Weil die Daten jedoch nur während eines kurzen Zeitraums im Sommer aufgenommen wurden, können die Forscher noch nicht definitiv sagen, ob diese Gebiete das ganze Jahr bestrahlt werden. Sie sind aber sicherlich die Stellen mit der größten Wahrscheinlichkeit, ohne Unterbrechung in der Sonne zu stehen.

Die Forscher entdeckten auch permanent im Schatten liegende Gebiete. Sie befinden sich in kleinen Einschlaglöchern am Boden des Peary-Kraters und könnten Wassereis enthalten, aus dem möglicherweise Wasser für die Forschungsstation gewonnen werden könnte - ein weiteres Argument für den Nordpol als Standort.



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