Space Shuttle: "Discovery" erfolgreich gestartet

Nach mehr als zweijähriger Unterbrechung hat die US-Raumfahrtbehörde Nasa wieder eine Raumfähre ins All geschickt. Der Start verlief problemlos. Zwölf Tage sollen die sieben Astronauten um die Erde kreisen.

"Discovery"-Start: Geglückte Rückkehr zur bemannten Raumfahrt
AFP

"Discovery"-Start: Geglückte Rückkehr zur bemannten Raumfahrt

Cape Canaveral - Das Zittern und Bangen der Nasa-Mitarbeiter ist zu Ende - zumindest vorerst. Pünktlich um 16.39 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit hob die Raumfähre "Discovery" vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral ab.

Der gelungene Start ist nicht nur psychologisch wichtig für die Nasa. Der Absturz der Fähre "Columbia" Anfang 2003 hatte die Raumfahrtbehörde in eine Krise gestürzt. Mühsam wurden die Fehler aufgerollt, die zu der Katastrophe geführt hatten.

Auch die Zukunft der Internationalen Raumstation ISS hängt von der erfolgreichen Aufnahme der Shuttle-Flüge ab. In den vergangenen zwei Jahren waren es russische Sojus-Raumschiffe, die die Versorgung der Besatzung allein übernehmen mussten.

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Space Shuttle: Die Rückkehr zur bemannten Raumfahrt

"Der Start des Space Shuttles 'Discovery' markiert den Anfang von Amerikas neuem Weg zu Mond, Mars und darüber hinaus", sagte Nasa-Sprecher George Diller der Website des Fernsehsenders CNN.

Wayne Hale, Manager der Shuttle-Mission, bekannte, er sei den ganzen Morgen über sehr nervös gewesen. "Es war ein großer Tag."

In den Stunden dem Start hatte es keinerlei Probleme mehr mit den Treibstoffsensoren gegeben. Ein erster Startversuch am 13. Juli war knapp zweieinhalb Stunden vor dem Abheben abgebrochen worden, weil einer der Sensoren nicht richtig funktionierte. Um an den Sensor zu gelangen, mussten die Techniker den Treibstoff aus flüssigem Wasser- und Sauerstoff aus dem Tank ablassen. Auch nach der Untersuchung von 161 möglichen Ursachen stand die Ursache des Defekts nicht eindeutig fest.

Sigmar Wittig, Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), beglückwünschte Nasa-Chef Michael Griffin zur erfolgreichen Wiederaufnahme der Shuttle- Flüge: "Mit diesem Shutttle-Start ist eine wichtige Voraussetzung für die wissenschaftlich-technische Nutzung der Internationalen Raumstation ISS gegeben." Gleichzeitig rücke der "mit Spannung erwartete" Langzeitaufenthalt des deutschen Esa-Astronauten Thomas Reiter auf der ISS näher. Reiter soll im Herbst mit der Fähre "Atlantis" ins All fliegen.

Besatzung in Hawaii-Hemden

Neben Kommandeurin Eileen Collins, 48, war eine weitere Astronautin, Wendy Lawrence, 46, an Bord der "Discovery" gegangen. Die sieben Besatzungsmitglieder, unter ihnen auch der Japaner Soichi Noguchi, 40, hatten gegen Mitternacht ihre letzte Mahlzeit vor dem Start zu sich genommen. Collins entschied sich für Toastbrot und eine Fruchtschale, ihr Ko-Pilot Jim Kelly aß lediglich etwas Obst.

Seit Wochen hatte sich die Crew auf diesen Tag vorbereitet. Schon eine halbe Stunde nach Mitternacht (06.30 Uhr MESZ) wurde die Besatzung geweckt. Zur gleichen Zeit begannen Nasa-Techniker mit dem Einfüllen von rund 1,9 Millionen Litern flüssigem Sauer- und Wasserstoff in den großen Treibstofftank.

Die letzten Stunden des Countdowns haben nicht nur viel mit Routine, sondern auch mit Tradition zu tun. Obligatorisch ist beispielsweise das Gruppenfoto vor dem Start. Die Besatzung trug dafür bunte Hawaii-Hemden. Nicht wegzudenken ist auch die traditionelle Torte mit den Insignien der Weltraummission - in diesem Fall STS-114 für den 114. Shuttle-Flug.

Die Raumfähre "Discovery" ist der derzeit älteste Shuttle im Dienste der Nasa. Ihren Jungfernflug absolvierte sie am 30. August 1984. Die "Discovery" gilt als das Arbeitspferd der Nasa. Sie wurde als dritte Raumfähre gebaut und hat inzwischen mit 30 Flügen mehr absolviert als jeder andere der ursprünglich fünf Shuttles. Sie verbrachte rund 242 Tage im All und legte knapp 159 Millionen Kilometer zurück. Es war die "Discovery", die das das Weltraumteleskop "Hubble" ins Weltall brachte.

Während ihrer zwölftägigen Mission soll die Besatzung der "Discovery" an die ISS andocken. Zwei Astronauten sollen bei Weltraumspaziergängen versuchen, an der Raumstation mit giftigen Substanzen Reparaturarbeiten vorzunehmen. Darüber hinaus soll ein Roboter-Greifarm mit Laserstrahlen eingesetzt werden. Schließlich ist geplant, ein Gyroskop auszuwechseln, mit dem die Raumstation automatisch durch das All gesteuert wird.

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