Space Shuttle: Hitzeschild der "Endeavour" beschädigt

Zwischenfall im All: Nach dem Andocken an die Internationale Raumstation wurden Schäden an Hitzeschutzkacheln des Space Shuttles festgestellt. Die Nasa sieht aber bislang keinen Grund zur Besorgnis. Die Astronauten haben auf der ISS mit dem Bau eines gigantischen Versuchslabors begonnen.

Raumfähre "Endeavour": Beschädigte Kacheln Zur Großansicht
REUTERS

Raumfähre "Endeavour": Beschädigte Kacheln

Washington - Beim Start zu ihrer letzten Weltraummission ist der Hitzeschild der US-Raumfähre "Endeavour" beschädigt worden. Aufnahmen zeigten abgebrochene Stellen an sieben Schutzkacheln, von denen drei näher überprüft werden müssten, sagte Leroy Cain, stellvertretender Leiter des Shuttle-Programms. Grund zur Besorgnis gebe es nach bisherigem Kenntnisstand aber nicht. Im schlimmsten Fall müssten die Astronauten die beschädigten Stellen flicken, sagte Cain. In einigen Tagen wisse man mehr.

Seit der "Columbia"-Katastrophe vor acht Jahren führt die US-Weltraumbehörde Nasa bei jedem Flug genaue Kontrollen durch. Der Hitzeschutz der "Columbia" war beim Start von abgerissenem Isolierschaum getroffen und so schwer beschädigt worden, dass der Shuttle im Februar 2003 bei der Rückkehr zur Erde abstürzte.

Die Astronauten an Bord der Internationalen Raumstation ISS haben am Donnerstag mit der Installation des 1,5 Milliarden Euro teuren Alpha-Magnet-Spektrometers AMS-02 begonnen. Der unter maßgeblicher Beteiligung deutscher Forscher aus Aachen und Karlsruhe entstandene Teilchendetektor soll an die ISS montiert werden und dient der Suche nach Antimaterie und Dunkler Materie.

Das Herz des Instruments ist ein 90 Zentimeter großer Magnet. Am Morgen haben die Astronauten das teure Gerät aus dem Laderaum des Space-Shuttle "Endeavour" gehievt. Im Laufe des Tages sollten sie das Instrument an der ISS montieren, wo es für die restliche Lebensdauer der Raumstation seinen Dienst verrichten soll.

Das Alpha-Magnet-Spektrometer hat dieselbe wissenschaftliche Bedeutung wie das Hubbleteleskop, sagte der Astronaut Gregory Chamitoff vor dem Flug. "Und es wird mit großem Abstand das größte, teuerste und vielleicht wertvollste wissenschaftliche Instrument sein, das wir auf der Raumstation haben."

Abgelenkte kosmische Partikel

Das Experiment sei Teil der Jahrhunderte alten Forschung nach den Bausteinen der Materie - von Elementen über Atome zu subatomaren Teilchen, sagte der Physiker Phil Schewe. Es sei ein großer Schritt auf dem Weg zur Antwort auf die Frage, warum es Materie gibt und wie sie beschaffen ist, sagte der Sprecher des American Institute of Physics.

Das Instrument mit einer Masse von sieben Tonnen hatte eine Bauzeit von 17 Jahren. Über 600 Wissenschaftler aus 16 Nationen waren beteiligt. Das Herzstück des Spektrometers ist ein Ringmagnet mit einem Durchmesser von 90 Zentimetern. Sein Magnetfeld soll eintretende geladene kosmische Partikel auf ihrem Weg durch die acht Detektoren ablenken und so die Identifikation ihrer Eigenschaften ermöglichen.

Die "Endeavour" war am Montag von Cape Canaveral in Florida aus gestartet und hatte am Mittwoch an der Internationalen Raumstation ISS angedockt. Die Raumfähre wurde vor 19 Jahren in Dienst gestellt, ihre Mission ist nun ihre letzte - und die vorletzte des Shuttle-Programms insgesamt.

Die Abkopplung der "Endeavour" von der ISS ist für den 30. Mai geplant, die Landung in Cape Canaveral für den 1. Juni. Bereits am 24. Mai kehren der Russe Dmitri Kondratjew, US-Astronautin Catherine Coleman und Paolo Nespoli mit dem Raumschiff "Sojus TMA-20" zur Erde zurück. Sie haben seit Mitte Dezember als 27. Stammbesatzung auf der Umlaufbahn gearbeitet.

Voraussichtlich in der zweiten Juli-Woche soll auch die "Atlantis" als letzte dann noch verbliebene Raumfähre ihren Abschiedsflug antreten. Danach wird das am 12. April 1981 gestartete Shuttle-Programm nach insgesamt 135 Missionen aus Kosten- und Sicherheitsgründen eingestellt. Die ausgemusterten Raumfähren erhalten in Museen in Washington, Los Angeles und Cape Canaveral einen Ehrenplatz (siehe Kasten).

boj/AFP/dapd

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1. .
Hummp 19.05.2011
Zitat von sysopZwischenfall im All: Nach dem Andocken an die Internationale Raumstation wurden Schäden an Hitzeschutzkacheln des Space Shuttles festgestellt. Die Nasa sieht aber bislang keinen Grund zur Besorgnis. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,763585,00.html
Wo bleiben den die Beiträge die laut "Geldverschwendung" und "lieber den Armen geben" rufen? Soll sich etwa doch die Einsicht verbreitet haben, dass Forschung, in welcher Form auch immer, etwas sinnvolles ist?
2. Titel elendiger
Takamisakari, 20.05.2011
Zitat von HummpWo bleiben den die Beiträge die laut "Geldverschwendung" und "lieber den Armen geben" rufen? Soll sich etwa doch die Einsicht verbreitet haben, dass Forschung, in welcher Form auch immer, etwas sinnvolles ist?
Ja, ich wundere mich auch schon. Schade dabei sind die immer so lustig. Na ja, ich geh jetzt erstmal meinen Namen tanzen.
3. 98.5 %
mbschmid, 20.05.2011
Nun wissen wir es also, voraus gesetzt die letzten beiden Shuttleflüge gehen gut. Es 135 geflogen und 2 verglüht. Also 98.5% war die Wahrscheinlichkeit beim Space-Shuttle-Programm den Flug zu überleben. Autos sind sicherer.
4. nicht sicher?
takeshi-kovac 22.05.2011
Zitat von mbschmidNun wissen wir es also, voraus gesetzt die letzten beiden Shuttleflüge gehen gut. Es 135 geflogen und 2 verglüht. Also 98.5% war die Wahrscheinlichkeit beim Space-Shuttle-Programm den Flug zu überleben. Autos sind sicherer.
Die meisten Autos können aber auch nicht mit 20 Tonnen 300 Km hoch fahren ;-)
5. Hm - enttäuschend
vostei 23.05.2011
Sich auf die Titel bei Spon zu konzentrieren lässt leider den weiteren Informationsgehalt des Artikels etwas untergehen... Loits: Hitzeschild der "Endeavour" beschädigt Untertitel: Die Nasa sieht aber bislang keinen Grund zur Besorgnis. oder Pilot war in kritischer Flugphase nicht im Cockpit Ist es wirklich so wichtig mit solchen Titeln Visits zu generieren? Mit etwas mehr Recherche wäre bei beiden Artikeln klarer, worum es überhaupt geht. Die Schäden am Shuttle sind dokumentiert, die Vorgehensweise ebenso. Etwas ausführlicher berichtet über den Kern des Artikels - dem Titel - und es wäre ein "leicht" hinzu gekommen. Das Gleiche bei dem Artikel zu Flug AF-447. Hallo? Ist es so schwer herauszubekommen, dass auch bei einem 2er Cockpit die Besatzung nehrfach redundant besetzt sein kann? Es gibt ja auch extra Ruhebereiche an Bord solcher Flieger! Enttäuschend.
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Museumsobjekt Space Shuttle

Nach dem Ende ihrer Karriere will die Nasa die Shuttles in folgenden Museen ausstellen lassen:

"Endeavour" (OV-105)
California Science Center in Los Angeles (Kalifornien)

"Atlantis" (OV-104)
Kennedy Space Center in Cape Canaveral (Florida)

"Discovery" (OV-103)
National Air and Space Museum in Chantilly (Virginia)

"Enterprise" (OV-101, Prototyp)
Intrepid-Museum in New York


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