Private Raumfahrt SpaceShipTwo stürzt bei Testflug ab - ein Toter

Die Raumfähre SpaceShipTwo des Unternehmens Virgin Galactic ist bei einem Testflug abgestürzt. Ersten Berichten zufolge starb der Co-Pilot, der Pilot rettete sich mit einem Fallschirm. Virgin-Chef Richard Branson ist auf dem Weg zum Unglücksort.

DPA

Los Angeles - Die private Raumfähre SpaceShipTwo ist bei einem Testflug abgestürzt. Das teilte das Unternehmen Virgin Galactic mit. Der Co-Pilot starb, der Pilot rettete sich mit einem Fallschirm. Das berichtet die Nachrichteagentur Reuters unter Berufung auf einen Sprecher von Kern County, wo die Absturzstelle liegt. Der Pilot soll schwer verletzt sein; er wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Flug über die Absturzstelle:

Es war der erste Testflug mit Raketenzündung seit Januar. Das Trägerflugzeug "WhiteKnightTwo" war im US-Bundesstaat Kalifornien von einem Flughafen rund 150 Kilometer nördlich von Los Angeles gestartet und hatte die Raumfähre in 15 Kilometern Höhe ausgeklinkt.

Nach der Zündung des Raketenantriebs kam es zu einer Explosion. SpaceShipTwo stürzte knapp 200 Kilometer nördlich von Los Angeles über der Mojave-Wüste ab. Experten zufolge sei diesmal eine andere Treibstoffmischung als zuvor getestet worden. Das Trägerflugzeug landete sicher, berichtet Virgin Galactic in seinem Twitterfeed.

Virgin-Chef Richard Branson kündigte an, zur Unfallstelle zu reisen.

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Branson war zuletzt ungeduldig geworden: "Ich würde bitter enttäuscht sein, wenn ich nicht vor dem Ende dieses Jahres im Weltall bin", sagte er vor zwei Monaten in einem Interview. "Wir machen noch drei weitere Raketentests und dann sollte es losgehen."

Der Blogger Doug Messier schreibt auf seiner Webseite Parabolic Arc: "Es gab ein ernstes Problem mit dem Antrieb. Das Raumschiff zerbrach und Teile landeten auf dem Wüstenboden." Er könne bestätigen, dass es ein Pilot gestorben sei.

Die Bedingungen für den Testflug über der Mojave-Wüste seien gut gewesen. Es habe schwachen Wind und einen klaren Himmel gegeben. Die Teile von SpaceShipTwo seien nahe des Koehn Lakes niedergegangen.

Der Flug in die Schwerelosigkeit sollte bei späteren Passagierflügen in zwei Stufen geschehen: Zunächst startet das Trägerflugzeug "WhiteKnightTwo" mit SpaceShipTwo huckepack und schraubt sich bis in eine Höhe von 15 Kilometern. Dort wird das Raumschiff ausgeklinkt und startet sein Raketentriebwerk. Damit soll SpaceShipTwo steil bis in eine Höhe von mindestens hundert Kilometern aufsteigen - die offizielle Grenze zum Weltall.

Die rund 18 Meter lange Passagierraumfähre sollte vom kommenden Jahr an Weltraumflüge für Privatpersonen anbieten. Sie bot Platz für zwei Piloten und sechs Passagiere.

Sie sollten bei ihren Reisen das Gefühl der Schwerelosigkeit erleben können. Die Bullaugen-Fenster des Gefährtes waren deutlich größer als in normalen Passagierflugzeugen. So sollten Passagiere die Erde vor der Schwärze des Weltraums sehen und Schwerelosigkeit erleben. Mehr als 700 Menschen sollen einen solchen Flug bereits gebucht haben, darunter Stars wie die Hollywood-Schauspieler Tom Hanks und Angelina Jolie sowie der Sänger Justin Bieber. Rund 200.000 Euro kostet das Ticket zu den Sternen.

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Die Firma Scaled Composites hat die Raumfähre konstruiert und war für den Testflug verantwortlich. Die Unfallursache werde untersucht, twitterte Auftraggeber Virgin Galactic. Auch die amerikanische Flugsicherung FAA hat Ermittlungen eingeleitet, teilte die Behörde mit.

Das Unglück ist bereits das zweite einer kommerziellen US-Raumfahrtfirma binnen einer Woche: Am Dienstag war eine Trägerrakete von Orbital Sciences Sekunden nach dem Start explodiert. Menschen kamen dabei nicht zu Schaden. Er hatte rund 2,3 Tonnen Nachschub für die Internationale Raumstation ISS ins All bringen sollen.

Das Unglück in der Mojave-Wüste ist auch ein schwerer Rückschlag für die private Raumfahrt. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa setzt bei der Versorgung der Raumstation ISS bereits auf zwei Privatfirmen. Und auch mit dem Transport von Astronauten zur ISS wurden mit SpaceX und Boeing private Unternehmen beauftragt.

Testflug von SpaceShipTwo im Januar 2014:


isa/dpa/Reuters/AP



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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
darkmattenergy 31.10.2014
1. Zitat:
Diese 800 dann unglücklichen Menschen könnten durchaus bereits auf dem gemeinsamen Hinflug zur Raketenbasis ihre Leben verlieren: Dem Airbus A380 haben die EASA und FAA eine zulässige Sitzplatzkapazität von 853 Passagieren attestiert. Und jeder noch so sehnsüchtige Wunsch, daß ausgerechnet der A380 von katastrophalen Abstürzen völlig verschont bleiben wird, dürfte leider unerfüllt bleiben.
KingTut 31.10.2014
2. Risiken
Für die Betroffenen ist es schlimm, aber der technische Fortschritt wird immer Opfer fordern. Das ändert aber nichts an dem Erfordernis, dass wir die Erforschung des Weltalls vorantreiben. Ich bin gespannt, was die Ursache dieser Katastrophe war und hoffentlich zieht man, wie nach der Challenger-Katastrophe, entsprechende Schlüsse daraus, die zumindest diesen Fehler in der Zukunft ausschließen.
vitalik 31.10.2014
3.
Zitat von darkmattenergyDiese 800 dann unglücklichen Menschen könnten durchaus bereits auf dem gemeinsamen Hinflug zur Raketenbasis ihre Leben verlieren: Dem Airbus A380 haben die EASA und FAA eine zulässige Sitzplatzkapazität von 853 Passagieren attestiert. Und jeder noch so sehnsüchtige Wunsch, daß ausgerechnet der A380 von katastrophalen Abstürzen völlig verschont bleiben wird, dürfte leider unerfüllt bleiben.
Was wollen Sie damit sagen? Es gibt tausende Flüge jeden Tag und es passiert nur sehr selten etwas, auf der anderen Seite haben wir die andere Technologie, wo bereit vor kurzem wieder eine Rakete explodiert ist und nun das. Mir schien so als sei die Raumflugunternehmung viel gefährlicher, als mit einem Flugzeug zu fliegen.
meckeronkel 31.10.2014
4. Vielleicht ist das derzeit einfach keine geeignete Technologie...
... bei der sich verrückte private Einzelkämpfer mit ihrem Geld austoben können. Dazu sind die Privatleute wohl doch zu sehr auf Kostenersparnis und vor allem auf schnelle Erfolge gepolt. Deshalb wundert mich dieser Unfall weniger als die Challenger Katastrophe.
pmf2013 31.10.2014
5. X-15
Wenn die NASA koennte wie sie wollte, wuerden wir alle HEUTE schon plan- und regelmaessig ins All fliegen. Die Technologie muss nicht erst neu erfunden werden (vielleicht verfeinert und aufgepeppt mit heutiger Computertechnologie), die gibt es schon seit den 50ern. Erinnere man sich an das Experimentalflugzeug X-15 und viele andere 'Brueder' der X-Reihe. Leider ist der technologische Fortschritt dem Rechenschieber zum Opfer gefallen und es wurden so unzaehlige hochinteressante Projekte gestoppt. Und so ist nun die Menschheit auf Visionaere wie Branson angewiesen, um Fluege ins All zu realisieren. Leider sind auch bei der Erprobung vieler Fluggeraete in den 50ern und 60ern viele Piloten und Astronauten ums Leben gekommen. So traurig es auch ist, aber das ist Bestandteil des Fortschritts.
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