Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

SpaceShipTwo-Absturz: Bremsvorgang zu früh eingeleitet

SpaceShipTwo: Bremsleitwerk unter Verdacht Fotos
AFP

Ist ein Pilotenfehler schuld am Absturz des SpaceShipTwo? Die ersten Untersuchungen zeigen, dass der Bremsmechanismus vorzeitig aktiviert wurde. Kurz danach brach das Raumschiff auseinander.

Los Angeles - Vor dem Absturz des Passagier-Raumflugzeugs SpaceShipTwo ist eine Bremsvorrichtung vorzeitig gelöst worden. Somit sei offenbar ein Bremsvorgang vorschnell eingeleitet worden, berichtet die US-Transportsicherheitsbehörde NTSB. Ob dies zum Absturz geführt habe, sei jedoch noch unklar.

"Ein Pilotenfehler könnte eine mögliche Ursache sein. Wir sind weit davon entfernt, die Ursache zu finden", sagte der Vorsitzende der Behörde, Christopher Hart. Die Suche könne noch viele Monate dauern. Ermittler hätten am Absturzort in der Mojave-Wüste in Kalifornien fast alle nötigen Wrackteile für die Untersuchung bereits geortet.

Technisches Problem oder Pilotenfehler?

Das SpaceShipTwo verfügt über ein drehbares Leitwerk. Nach dem Aufsteigen in mehr als hundert Kilometern Höhe fällt das Raumschiff zunächst ungebremst zur Erde zurück. Um einen kontrollierten Flug zu ermöglichen, ändert der Pilot während das Sinkflugs die Stellung des Leitwerks, wodurch das SpaceShipTwo abgebremst wird. Sobald das Raumschiff bis auf etwa 16 Kilometer abgesunken ist, wird das Leitwerk wieder um 90 Grad gedreht und die Landung eingeleitet.

Nach Angaben von Hart wurde das Bremsleitwerk während des Unglücksflugs bei einer Geschwindigkeit von Mach 1 aktiviert. Dies entspricht der Schallgeschwindigkeit von 1230 km/h. Doch es sollte erst ab einer Geschwindigkeit von Mach 1,4 eingesetzt werden.

Der Bremsmechanismus erfordere zwei Schritte, erklärte Hart. Der Copilot habe das System im ersten Schritt aktiviert. Der zweite Schritt sei "ohne Betätigung" geschehen. Die Untersuchung werde noch Monate dauern. Sowohl technische Probleme als auch Pilotenfehler würden untersucht.

Kurz nach dem offenbar verfrüht eingeleiteten Bremsvorgang war das SpaceShipTwo auseinandergebrochen und abgestürzt. Der 39 Jahre alte Pilot Michael Alsbury kam ums Leben, sein 43-jähriger Co-Pilot Peter Siebold wurde schwer verletzt. Er konnte sich mit einem Fallschirm retten.

Anfangs war spekuliert worden, es habe eine Explosion während des Testflugs gegeben. Unfallexperte Christopher Hart sagte jedoch, man habe an den am Boden gefundenen Tanks keine Hinweise darauf entdeckt. Es gebe weder undichte Stellen noch Brandspuren.

Milliardär Richard Branson hat einelückenlose Aufklärung des Unfalls versprochen. Zugleich seien er und sein Unternehmen Virgin Galactic entschlossen, aus den Fehlern der Katastrophe zu lernen, um den Traum vom Weltraumtourismus weiter voranzutreiben.

"Wir verstehen, dass Risiken bestehen, und wir werden nicht blind vorpreschen", sagte Branson vor einem Treffen mit seinen Mitarbeitern in der Mojave-Wüste Kaliforniens. "Das zu tun, wäre eine Beleidigung für all die von dieser Tragödie Betroffenen."

Bereits gekaufte Tickets für die Passagierflüge ins All könnten jederzeit erstattet werden, versicherte Branson. Rund 700 Menschen hatten bereits Flüge für je 250.000 Dollar (rund 198.000 Euro) gebucht, die ersten Flüge sollten kommendes Jahr starten. Virgin Galactic habe das Geld noch nicht verwendet, sagte Branson.

Fotostrecke

12  Bilder
Absturz von SpaceShipTwo: Virgins Raumfähre ist verunglückt

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Mach 1.4
flyhi172 03.11.2014
fuer mich macht das keinen Sinn: Das Bremsleitwerk wurde statt bei Mach 1.4 erst bei Mach 1.0 aktiviert ?? Demnach fuehrte die niedrigere Geschwindigkeit zum Auseinanderbrechen des Flugzeuges ?
2. In viel zu geringer Höhe aktiviert?
st.esser 03.11.2014
Zitat von flyhi172fuer mich macht das keinen Sinn: Das Bremsleitwerk wurde statt bei Mach 1.4 erst bei Mach 1.0 aktiviert ?? Demnach fuehrte die niedrigere Geschwindigkeit zum Auseinanderbrechen des Flugzeuges ?
Man müsste sich das Fluprofil im Detail anschauen, aber ich kann mir vorstellen, dass man wegen der nicht optimalen Stromlinienform erst einmal mit relativ geringer Geschwindigkeit steigt, bis der (vom Luftdruck abhängig) Luftwiderstand keine große Rolle mehr spielt. Jedenfalls ist das Leitwerk so ausgelegt, dass es bereits in extrem dünner Athomsphäre eine Bremswirkung haben kann, wenn es um 90° gekippt wird. Wenn man das in dichter Luft während des Aufstiegs macht, dann ist es kein Wunder, dass es SpaceShipTwo innerhalb von Sekunden zerrissen hat ...
3. Wie Sie da wieder rauskommen werden...
humbahumba 03.11.2014
Aber Hauptsache die Erbsenzähler vom Spiegel haben sofort reflexartig gegen Branson und sein Projekt und gegen die anderen Privatiers gehetzt. Auszug: "Ist Richard Branson ein Hochstapler?" Oder vorgestern das Schandstück mit dem Titel: "Die Lüge vom einfachen Weg ins All" Bleibt lieber bei der Politik, denn da kann man alles schreiben und es stimmt immer. Und haltet euch lieber aus Sachthemen wie der Luft- und Raumfahrt heraus.
4.
PolitBarometer 03.11.2014
Die Erklärung, die Fluggeschwindigkeit sei mit Mach 1 für eine Bremsaktivierung zu niedrig gewesen, erklärt wohl kaum das Auseinanderbrechen bei eben genau dieser Geschwindigkeit. Das Risiko, aus einer noch höheren Geschwindigkeit wie Mach 1,4 abzubremsen, dürfte weitaus höher sein.
5. Lassen Sie mich raten...
bernardmarx 03.11.2014
Zitat von flyhi172fuer mich macht das keinen Sinn: Das Bremsleitwerk wurde statt bei Mach 1.4 erst bei Mach 1.0 aktiviert ?? Demnach fuehrte die niedrigere Geschwindigkeit zum Auseinanderbrechen des Flugzeuges ?
Sie sind kein Raketeningenieur!?! Ich auch nicht. Also lassen Sie uns die Nachricht lesen und wieder vergessen. Wir werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nie in Probleme geraden, weil wir die aerodynamischen Feinheiten von Spaceship 2 nicht verstanden haben.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: