Private Raumfahrt SpaceX schafft Traumstart - und landet hart

Das private Raumfahrtunternehmen SpaceX hat erfolgreich einen Satelliten ins All befördert. Rauf klappte alles bestens - nur mit der Landung gab es wieder Probleme.

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SES-9 ist sicher im Orbit gelandet: Für das private Raumfahrtunternehmen SpaceX war das eine Art Härtetest. Denn der Fernseh- und Kommunikationssatellit, der die Abdeckung im indischen Ozean und Südostasien verbessern soll, überschritt mit einem Gewicht von 5271 Kilogramm deutlich die Höchstlast für Lieferungen ins geostationäre Orbit (GTO) der Trägerrakete Falcon 9 (nominell max. 4850 Kilogramm).

Die hat sich mit dem Flug erneut bewährt: Sie setzte den Satelliten in der Nacht zum Samstag in einer Höhe von 40.654 Kilometern aus, von wo aus SES-9 dann auf ein geostationäres Orbit in 35.786 Kilometer Höhe zurückfiel.

Der Start musste wegen verschiedener Probleme mehrfach verschoben werden. Über den erfolgreichen Verlauf der Mission zeigte sich SpaceX-Chef Elon Musk entsprechend erfreut - Mission accomplished.

Abzug in der B-Note: harte Landung

Was weniger gut funktionierte, war erneut die Landung: Wie auch die Konkurrenz des privaten, von Amazon-Chef Jeff Bezos begründeten Raumfahrtunternehmens Blue Origin hat SpaceX den Ehrgeiz, Trägerraketen mehrfach nutzbar zu machen.

Die Falcon 9 setzt dabei auf das Konzept, die untere Stufe, die die kräftigsten Antriebe enthält, nach Abtrennung der Oberstufe mit der Nutzlast nicht wie bei herkömmlichen Raumraketen in der Atmosphäre verglühen zu lassen, sondern wieder zu landen. Mittelfristig will SpaceX das auf Plattformen auf dem Meer schaffen: An Land gelang im Dezember 2015 schon eine Landung nach erfolgreicher Aussetzung einer kommerziellen Nutzlast. Die Landung auf Seeplattformen scheiterte bisher aber.

So auch dieses Mal: In einem live übertragenen Stream konnte man beobachten, wie sich die untere Stufe der Falcon 9 der Seeplattform erst vielversprechend näherte, dann aber zu rapide abfiel. Laut Musk verlief die Landung "zu hart" und war nicht erfolgreich.

Eine spektakulär weiche Landung gelang Blue Origin dagegen im November 2015 - allerdings unter Testbedingungen ohne echte Nutzlast. Hier hat SpaceX die Nase klar vorn im privaten Raumfahrt-Rennen: Das Unternehmen kann auf 26 erfolgreiche Starts seit 2006 verweisen, seit 2012 befördert SpaceX regelmäßig kommerzielle Nutzlasten ins All.

Wichtigster Kunde ist seitdem die Nasa: SpaceX flog sechs Versorgungsmissionen zur Internationalen Raumstation ISS, und zuletzt brachte eine Falcon 9 am 17. Januar den Nasa-Satelliten Jason-3 ins All.

Bisher nutzt SpaceX in den meisten Fällen auch die Nasa-Infrastrukturen in Cape Canaveral für seine Starts. Der Plan, Falcon-9-Trägerraketen auch auf Seeplattformen landen zu lassen, ist nicht zuletzt ein Versuch, mehr Unabhängigkeit zu gewinnen.

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insgesamt 20 Beiträge
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iStone 05.03.2016
1. Egal, weitermachen!
Ich drücke weiterhin die Daumen, dass es bald klappt. Das Konzept der Wiederverwendung wird vermutlich in einigen Jahren Standard sein und wir werden alle profitieren. Es bringt die Raumfahrt insgesamt weiter voran.
hk1963 05.03.2016
2. Erststufen verglühen nicht
Dazu sind sie bei Brennschluss viel zu langsam. Normalerweise plumpsen sie ins Meer oder, bei Russen und Chinesen, in die Steppe.
chemo13 05.03.2016
3. Blue Origin =/= SpaceX
Wieder einmal wird Blue Origin und SpaceX gleich gesetzt, obwohl beide zwei völlig gegensätzliche Ziele verfolgen. Erstere steigen nur auf knapp über 100 km Höhe, was ausreichend für Tourismusaktivitäten wie z.B. Erfahrung von Schwerelosigkeit ist. Sie benötigen deshalb bedeutend weniger Antrieb und Beschleunigung. SpaceX hingegen schafft es in den Edorbit (400 km) und stabile Umlaufbahnen für Satelitten, Versorgung der ISS. Es wäre schön wenn die Autoren dies endlich einmal in den nächsten Artikeln berücksichtigen würden.
Anhaltiner 05.03.2016
4.
Ich vermute spontan das der Treibstoff bei 400kg "Übergepäck" nicht mehr für den Rückflug ausreichte. Zumindest macht das Hoffnung für Nutzlasten um die 4500 kg. Wir werden ja sehn wie sich das alles weiterentwickelt.
Parvis 05.03.2016
5.
Bereits 1964 entwickelte und testete Berthold Selinger in Deutschland erfolgreich Raketen, die mit Schwenkflügel ausgerüstet waren und die im Gleitflug landeten.
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