Cape Canaveral SpaceX startet geheimnisvollen Spionagesatelliten

Was genau war an Bord der "Falcon 9"-Rakete? Das Raumfahrtunternehmen SpaceX hat erstmals einen großen Spionagesatelliten der US-Regierung ins All gebracht. Einige Hinweise geben Aufschluss über die Fracht.

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Ein gibt ein paar Details, die sind definitiv klar - auch wenn es nicht gerade viele sind. Da ist zum Beispiel das Logo der Mission. Es zeigt Meriwether Lewis und William Clark, legendäre Leiter einer US-Expedition, die in den Jahren 1804 bis 1806 die Expansion des Landes bis zum Pazifik vorbereiten sollten. Eine der beiden Figuren, Clark vermutlich, späht entschlossen durch ein Fernglas, die andere, also wohl Lewis, hält grimmig ein Gewehr.

"NROL-76" steht darüber, der Name der Mission, "Cape Canaveral Air Force Station", der Startort, und außerdem noch "Falcon 9", das ist die Rakete. Damit ist die Menge der zweifelsfrei verfügbaren Informationen aber auch schon beinahe erschöpft. Denn was genau das National Reconnaissance Office (NRO), der Militärnachrichtendienst der USA, da genau am Montag an der Atlantikküste im US-Bundesstaat Florida gestartet hat, weiß niemand so recht. Immerhin gibt es ein paar interessante Informationsbrocken, die sich wie Teile eines Puzzles zusammensetzen lassen.

Nur dass auch dann nicht das ganze Bild erscheint. Das liegt an der geheimnisumwitterten Arbeit des NRO. Dort sammelt man Informationen zur Vorbereitung von US-Militäreinsätzen, spioniert das nordkoreanische Atomprogramm genauso aus wie etwa Chinas Bau künstlicher Inseln im Südchinesischen Meer und vieles andere.

Wie bei Lewis und Clark

Ein bisschen ist es wie mit Lewis und Clark: Man dehnt die eigene Souveränität aus, in diesem Fall ins Weltall. Man schaut gewissermaßen durch ein mächtiges Fernrohr, um die Lage zu erkunden. Und wenn nötig, kommen eben auch Waffen zum Einsatz.

Am Start vom Montag, ein erster Versuch am Sonntag war wegen eines defekten Sensors noch abgebrochen worden, sind gleich ein paar Dinge bemerkenswert. Zum Beispiel war es das erste Mal, dass das private Raumfahrtunternehmen Space Exploration Technologies Corporation SpaceX auf seiner "Falcon 9"-Rakete einen Aufklärungssatelliten der US-Regierung befördern durfte. Die letzten 25 seiner Satelliten hat das NRO auf Raketen der United Launch Alliance (ULA) ins All gebracht, einem Gemeinschaftsunternehmen von Boeing und Lockheed Martin.

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Neuer US-Spionagesatellit: Was tut "NROL-76"?

Erst nach einem längeren Rechtsstreit gelang es SpaceX, das zehnjährige ULA-Monopol zu brechen - und einen Teil des lukrativen Milliardenmarktes der Regierungsmissionen auch für sich zu beanspruchen. Für den aktuellen Start, so war zu hören, bekam die Firma 100 Millionen Dollar. Im Pressematerial zur Mission gibt es allerdings nur die - bekannten - Informationen zur Rakete, kein einziges Wort zur Fracht an Bord.

Auch die Liveübertragung des Starts endete bereits nach wenigen Minuten - auch aus Geheimhaltungsgründen. Doch zumindest ein paar weitere indirekte Informationen gibt es. So hat nicht die US-Regierung selbst die Rakete für "NROL-76" bei Elon Musks Firma gekauft, sondern das Unternehmen Ball Aerospace. Und dieser Umstand hilft einigen Experten beim Spekulieren, was für ein Satellit nun mit der Rakete ins All gebracht wurde. Denn Ball ist vor allem für optische und Radar-Aufklärungssatelliten bekannt. Und womöglich ist der geheimnisvolle Satellit genau so einer.

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Der niederländische Amateurastronom Marco Langbroek, der von seiner Heimat Leiden aus regelmäßig Satelliten im Orbit verfolgt, geht davon aus, dass die Mission den niedrigen Erdorbit zum Ziel hatte. Darauf deutete die Startgenehmigung der US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration hin.

Langbroek spekuliert anhand der Bahnparameter, dass die Rakete einen Bereich zum Ziel hatte, in dem bisher noch keine US-Spionagesatelliten unterwegs sind. Es sei aber auch möglich, dass sich der geheimnisvolle Späher mit einem elektrischen Antrieb von dort noch in einen anderen Zielorbit bewege.

Was macht die zweite Stufe?

Und dann ist da noch etwas: Weil die zweite Raketenstufe nicht sofort, sondern erst nach zweieinhalb Erdumkreisungen wieder zur Erde zurückstürzen sollte, spekuliert Langbroek außerdem darüber, dass damit entweder noch weitere Experimente geplant sind - oder dass neben "NROL-76" noch weitere kleinere Satelliten ausgesetzt wurden.

Ob es sie tatsächlich gibt, was sie genau tun könnten - dazu gibt es keine offiziellen Angaben. Allerdings hatte NRO-Chefin Betty Sapp in der Vergangenheit öffentlich ihre Begeisterung für die Möglichkeiten bekundet, die sich bei der Nutzung kleinerer Satelliten für ihre Behörde ergeben.

Klar wiederum ist: Ins All ging es für "NROL-76" von einem historischen Platz aus. Die Startrampe 39A in Cape Canaveral wurde ursprünglich für das US-Mondprogramm gebaut, die erste der riesigen "Saturn V"-Raketen startete von hier, auch "Apollo 11" mit Neil Armstrong und seinen Kollegen an Bord. Später, nach einer Umrüstung, hoben dann sowohl das erste als auch das letzte Space Shuttle von hier ab.

Und dank SpaceX landen in der Gegend seit Kurzem auch Raketen - so war es auch am Montag. Die erste Stufe der "Falcon 9" setzte rund acht Minuten nach dem Start erfolgreich auf einer betonierten Landezone auf. Die Wiederverwendbarkeit von Raketenstufen soll der Firma dabei helfen, die Startkosten für Satellitenmissionen wie angekündigt massiv zu senken. Für "NROL-76" hatten die Behörden allerdings eine komplett neue Rakete geordert - sicher ist sicher.

Im nächsten und übernächsten Jahr will SpaceX zwei weitere Missionen für die US-Regierung starten, zwei GPS-Satelliten der neuen Generation für die Air Force. Und es gibt noch einen Wettbewerber. Blue Origin, die Weltraumfirma von Amazon-Gründer Jeff Bezos, hat angekündigt, mit ihrer neuen "New Glenn"-Rakete ebenfalls Regierungsmissionen fliegen zu wollen.

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
asleep_moak 01.05.2017
1. und wer sagt
dass mit dem Satelliten nicht irgend ein Scheiss getrieben wird? Wieso dürfen die das? Vielleicht ist eine Waffe?
multi_io 01.05.2017
2.
Zitat von asleep_moakdass mit dem Satelliten nicht irgend ein Scheiss getrieben wird? Wieso dürfen die das? Vielleicht ist eine Waffe?
Wer will es ihnen verbieten? Spionagesatelliten sind geheim, das ist nix neues.
mimas101 01.05.2017
3. Das ist doch alles kein Geheimnis
Für Nord-Korea gibt es des Gockels Erde in HD-Auflösung und für Deutschland braucht man nix, Flug mit einem Jet genügt und im Zweifelsfall kann man auch weiter: entweder auf dem Transit nach Ost-Berlin oder mittels Assoziierungs-Abkommen an den Genfer See. . Für GB könnte der Satellit interessant sein aber noch kann man dort dank den Special Relationships problemlos zwischentanken und fettige Blutwurst mit Chips & Fish essen.. Also ist das Geheimnis ganz einfach: Cassini hat ein Wurmloch direkt neben den Saturn entdeckt und jetzt soll ein Satellit da durch damit man dann genügend Kohle und Erdöl von dem Planeten links neben dem Schwarzen Loch abbauen bzw. fördern kann.
varesino 01.05.2017
4. Schlag nach bei der NASA
https://www.nasaspaceflight.com/2017/04/spacex-falcon-9-first-nro-mission-nrol-76/ Irgendwie mehr Substanz als SPON.
Wagnerf 01.05.2017
5.
"(...) "Cape Canaveral Air Force Station", der Startort, und außerdem noch "Falcon 9", das ist die Rakete. Damit ist die Menge der zweifelsfrei verfügbaren Informationen aber auch schon beinahe erschöpft." Und selbst diese wenigen Informationen hat der Autor im Artikel vergurkt. Die Falcon 9 startete nicht von der "Cape Canaveral Air Force Station", sondern vom zivilen "Kennedy Space Center", Launch Complex 39A (siehe angegebene Quellen im Artikel).
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