Spektakuläre Bilder Astronomen beobachten Kometenflug in die Sonne

Es war das feurige Ende eines kosmischen Schneeballs: US-Forscher haben einen Kometen bei seinem Sturz in die Sonne beobachtet. Beim Höllentrip durch die heiße Atmosphäre unseres Zentralgestirns verdampfte der kosmische Kamikaze-Flieger.

NASA / UC Berkeley

Berkeley - Für die Erde wäre ein Einschlag dieser Größenordnung nicht ganz leicht zu verkraften gewesen, für die Sonne hatte er keine Folgen. Und doch sind die Bilder etwas ganz Besonderes, die Forscher der University of California in Berkeley am Montag auf einer Tagung der American Astronomical Society vorgestellt haben: Noch nie wurde ein Komet bei seiner Kollision mit der Sonne so detailliert beobachtet.

Die Wissenschaftler konnten unter anderem mit Hilfe der "Stereo"-Sonden der Nasa den Weg des kleinen Himmelskörpers durch die unteren Schichten der Sonnenatmosphäre verfolgen - bis der Komet bei Temperaturen um die 100.000 Grad verdampfte. Die Zone der so genannten Korona hatte der Kamikaze-Flieger noch weitgehend unbeschadet überstanden. In der tiefer liegenden Schicht aus Wasserstoff und Helium, der so genannten Chromosphäre, war dann aber Schluss. Spektakuläre Einschlagsbilder wie von den Fragmenten des Kometen Shoemaker-Levy 9, die im Sommer 1994 in den Jupiter krachten, gibt es deswegen nicht.

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Komet: Höllentrip durch die Sonnen-Atmosphäre

Doch auch die Aufnahmen des Kometenanflugs, die die Forscher zu einem Film zusammengefügt haben, sind Aufsehen erregend - und reihen sich damit in die zahlreichen spektakulären Aufnahmen der Nasa-Sonnenobservatorien ein. Seit dem Herbst 2006 sind die "Stereo"-Zwillingssonden im Einsatz. Einer der beiden Satelliten eilt der Erde voraus, der zweite folgt ihr in einigem Abstand. So ergibt sich ein dreidimensionaler Blick auf unser Zentralgestirn.

Normalerweise ist es schwierig, Brocken aus Eis, Staub und Fels bei ihrem finalen Kontakt mit der Sonne zu beobachten - zumindest in der letzten Phase des Anflugs. Dann strahlt die Sonne für die meisten Beobachtungsgeräte zu hell und macht die Beobachtung lichtschwächerer Objekte in ihrer unmittelbaren Nähe unmöglich.

Den Forschern gelang es nun aber, aus den "Stereo"-Daten die Bahn des Kometen um die Sonne zu berechnen - und mit Hilfe dieser Informationen die letzten Tage seines kosmischen Lebens zu beobachten. Dafür nutzten sie auch das Mauna-Loa-Teleskop auf Hawaii. Weil sie mit Hilfe der Bahnkalkulation das Areal des Kometenaufschlags auf 1000 Kilometer genau berechnet hatten, wussten die Wissenschaftler, welche Bereiche der Sonnenatmosphäre sie in den Blick nehmen mussten.

Aus der Länge des Kometenschweifs von drei Millionen Kilometern schließen die Forscher, dass er zumindest zum Teil aus schwereren Elementen bestanden haben muss. Das würde auch erklären, warum er den Höllenritt durch die Sonnenatmosphäre zumindest einige Zeit überstanden hat.

Die Forscher vermuten, dass der Komet zur sogenannten Kreutz-Gruppe gehört. Einige Mitglieder wurden im Jahr 2004 von der Gravitation des Jupiters aus ihrer bisherigen Umlaufbahn um die Sonne befördert - und kommen ihr nun auf ihren neuen Bahnen gefährlich nahe. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Kometen der Kreutz-Gruppe beim Auseinanderbrechen eines größeren Himmelskörpers entstanden sind.

chs

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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
unente, 25.05.2010
1. *gähn*
Na das ist ja mal ein spannendes Video. Sogar mit "Videofahrt" direkt in das Innere der Sonne - jetzt warte ich nur noch darauf, wie der B***-Zeichner die Szene sieht.
kulturphänomen 25.05.2010
2. -
ein kamikazeflieger auf einem höllentrip ... ohweiohwei
MagNix 25.05.2010
3. Toller "Teaser":
Zitat von sysopEs war das feurige Ende eines kosmischen Schneeballs: US-Forscher haben einen Kometen bei seinem Sturz in die Sonne beobachtet. Beim Höllentrip durch die heiße Atmosphäre unseres Zentralgestirns verdampfte der kosmische Kamikaze-Flieger. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,696542,00.html
Kann man das Wissenschaftsjournalismus nennen? Infotainment? Beleidigen Sie mit solchen Statements nicht die Intelligenz Ihrer Leser?
mavoe 25.05.2010
4.
Zitat von sysopEs war das feurige Ende eines kosmischen Schneeballs: US-Forscher haben einen Kometen bei seinem Sturz in die Sonne beobachtet. Beim Höllentrip durch die heiße Atmosphäre unseres Zentralgestirns verdampfte der kosmische Kamikaze-Flieger. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,696542,00.html
RIESENSCHNEEBALL FLIEGT IN DIE SONNE! Verdampft dabei, kamikazemäßig!!! Nichts Neues in der Astronomie?. lol.
StuggieWoogie 25.05.2010
5. Danke!
Allen kritischen Schreibern hier. Hoffentlich fällt auch mal langsam in der Redaktion auf, dass es manchmal nur noch spektakulär peinlich ist, was hier im Wissenschaftsteil geschrieben wird....
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