Spektakuläre Bilder Komet Neat flog durch Sonnensturm

Beim Vorbeiflug am Zentralgestirn ist der Komet Neat offenbar mitten in eine heftige Eruption geraten. Der vom Sonnenteleskop Soho beobachtete Zufallstreffer könnte Aufschluss über die Natur der Schweifsterne geben.


Komet Neat, Sonneneruption (am 18. Februar): Heiße Begegnung
SOHO/ LASCO

Komet Neat, Sonneneruption (am 18. Februar): Heiße Begegnung

Dass dem fliegenden Sonnenobservatorium Soho auch immer wieder eisige Objekte vor die Linse kommen, daran haben sich die Astronomen mittlerweile gewöhnt: Über 500 Schweifsterne konnten sie bereits mit Hilfe des europäisch-amerikanischen Weltraumteleskops identifizieren. Doch die Show, die der Komet Neat den Wissenschaftlern in den letzten Tagen lieferte, übertraf alles bisher Dagewesene.

Neat war nicht nur "bei weitem der hellste und größte" auf Soho-Bildern zu bewundernde Komet, wie der Solarphysiker Paal Brekke von der Europäischen Weltraumagentur Esa dem Internet-Magazin "Space.com" sagte. Zur Begeisterung der Forscher geriet der Besucher aus den Außenbezirken des Planetensystems offenbar auch noch mitten in eine Eruption, als er am Dienstag seinen sonnennächsten Punkt erreichte.

Zwar hatten die Experten insgeheim gehofft, dass der Eisbrocken bei der Annäherung bis auf ein Zehntel der Erde-Sonne-Distanz auseinander brechen würde - solche Katastrophen erlauben Rückschlüsse auf das Innere des Kometenkerns. Doch obwohl Neat, wie aktuelle Fotos und Videos des Sonnenteleskops zeigen, die heiße Begegnung offenbar unbeschadet überstanden hat, kamen die Astronomen voll auf ihre Kosten.

Mit dem Lasco-Koronografen von Soho - ein Instrument, das die Sonnenscheibe ausblendet und so die Beobachtung der solaren Atmosphäre ermöglicht - konnten sie verfolgen, wie das Gestirn am 18. Februar einen Wirbel aus heißen Gasen in Richtung des Kometen schleuderte. Offenbar traf dieser so genannte koronale Massenauswurf: Die Forscher glauben, einen von der Eruption verursachten Knick im Schweif von Neat gesehen zu haben.

Von dem seltenen Zwischenfall, der aufgrund der Größe von Neat besonders imposant ausfiel, erhoffen sich die Wissenschaftler neue Aufschlüsse über die Schweifsterne. Brekke: "Solche Auswirkungen eines koronalen Massenauswurfs können uns mit Sicherheit neue Informationen über Kometen und die Wechselwirkung ihres Schweifs mit dem Sonnenwind liefern."

Neat war erst im November des vergangenen Jahres vom Asteroiden-Forschungsprogramm Near Earth Asteroid Tracking der Nasa entdeckt worden. Wenn er wieder aus dem Sichtfeld der Teleskope verschwunden ist, wird sich der Komet mit der offiziellen Bezeichnung C/2002 V1 für lange Zeit nicht mehr blicken lassen: Um die Sonne einmal zu umrunden, benötigt er rund 37.000 Jahre.



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