Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Spektakuläres Experiment: Nasa bombardiert den Mond

Die Nasa hat den Mond unter Beschuss genommen - und zwar gleich doppelt. Am Südpol schlugen am Mittag zwei Flugkörper auf. Sie sollen dabei helfen, die Existenz von Wasser auf dem Mond endgültig zu beweisen.

AP / ESA

Washington - Selbst wenn man einen Luxus-Sportwagen an die Wand fahren würde, käme man deutlich billiger davon. Umgerechnet 53 Millionen Euro hat die US-Weltraumbehörde Nasa für das "LCROSS"-Projekt ausgegeben, das am Freitagmittag mit einem Crash zu Ende ging soll: Gegen 13.30 Uhr deutscher Zeit schlugen kurz hintereinander zwei Flugkörper in der Südpolregion des Mondes ein. Ihre Einsatz im Dienst der Forschung ging damit spektakulär zu Ende.

Es geht bei der Mission darum, das Vorhandensein von Wasser nachzuweisen - und zwar am Boden von Kratern, wohin kein Sonnenstrahl vordringt. Experten schätzen, dass die Temperaturen dort bis zu minus 240 Grad Celsius betragen. Wassereis könnte unter diesen Bedingungen lange Zeit überdauert haben.

Um solche Lager zu finden, stürzte zunächst eine ausgebrannte "Centaur"-Raketenstufe in den Cabeus-Krater. Dadurch, so hoffen die Forscher, wurde Mondstaub aufgewirbelt, den die Raumsonde "LCROSS" ("Lunar Crater Observation and Sensing Satellite") analysieren konnte. Viel Zeit blieb ihr dafür allerdings nicht: Nur rund vier Minuten später zerschellte auch sie auf dem Mond.

Die Rakete sollte mit einer Geschwindigkeit von fast 9000 Kilometer pro Stunde aufschlagen. "LCROSS" sollte sie dabei mit Hilfe von fünf Kameras beobachten. Die Informationen wurden live zu den Forschern im Ames Research Center der Nasa in Kalifornien geschickt. Auch andere Satelliten, Sonden und Teleskope im Weltraum und auf der Erde verfolgten das Doppel-Spektakel.

Fotostrecke

9  Bilder
Mond-Bombardement: Doppeleinschlag soll Wasser nachweisen

Es war nicht das erste Mal, dass Sonden gezielt auf dem Mond zum Absturz gebracht wurden, um Wasser zu finden. Doch diesmal sollte der Aufprall in einem viel steileren Winkel erfolgen als bei den drei früheren Aufschlägen. Die Nasa erwartete, dass bei der Kollision 350 Tonnen an Mondboden aus dem Krater geschleudert wurden, und zwar in einer riesigen Staubwolke, die nach Schätzungen in einem Radius von 50 Kilometern bis zu zehn Kilometer hoch über der Mondoberfläche aufsteigen sollte - hoch genug, um dem Sonnenlicht ausgesetzt zu sein.

In den vergangenen Monaten haben gleich drei verschiedene Sonden Spuren von Wasser auch in Mondregionen entdeckt, wo sie nie vermutet worden waren- auch wenn es sich nur um eine dünne Schicht aus Molekülen handelt. Am Südpol selbst wurden bereits Hinweise auf die Existenz von Wasserstoff gefunden, einem Kernelement von Wasser. Doch "LCROSS" soll idealerweise größere Mengen Wassereis finden. "Diesmal berühren wir das Wasser", sagte Mike Wargo, ein leitender Nasa- Mondwissenschaftler.

chs/dpa/AP

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
"Apollo"-Programm: Vorstoß in eine ferne Welt

DPA
Trat der erste Mensch mit dem rechten oder dem linken Fuß auf den Mond, was taten die Astronauten nach der Landung als erstes - und warum gibt es kaum Fotos von Neil Armstrong auf dem Erdtrabanten?
Fotostrecke
"Apollo"-Überbleibsel: Die Beweisfotos der Nasa


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: