"Spirit"-Entdeckung Heiße Quellen könnten Mars-Kieselsäure gebildet haben

Der Mars-Rover "Spirit" funkte Fotos und Messwerte auf die Erde, die Kieselsäure auf der Marsoberfläche belegen. Zunächst sahen Forscher darin nur einen weiteren Hinweis auf Wasser. Jetzt fragen sie: Wie entstand die Substanz? Heiße Quellen wäre eine Erklärung.


Was der kleine Roboter "Spirit" im großen Gusev-Krater, gerade südlich des Mars-Äquators, fotografierte, hätte man wohl auch auf jedem irdischen Feldweg nachstellen können. Mit einem seiner Räder - es dreht sich nicht so wie vorgesehen und schleift daher über den Boden - hatte er eine Furche in den Marsboden gerissen. Auf den Bildern seiner Bordkamera sieht das, was da zum Vorschein kam, irgendwie lehmig aus. Es handelt sich, das wissen Forscher nach einer genauen Analyse nun, um Kieselsäure.

"Spirit"-Spuren: Ein defektes Rad des Rovers legte Kieselsäure an der Marsoberfläche frei
DPA / NASA / JPL

"Spirit"-Spuren: Ein defektes Rad des Rovers legte Kieselsäure an der Marsoberfläche frei

Zunächst klang die Nachricht nach jenem fleißigen Kleinklein, das zu gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnis führt - ohne aber für sich genommen spannend zu sein. "Hinweise auf frühere Wasservorkommen auf dem Mars gefunden": Diese Meldung klingt nicht eben neu. Erst im vergangenen Oktober zeigten sich Forscher entzückt über die Überbleibsel von Mars-Matsch. Anfang Dezember tauchten gar Hinweise auf Wasser auf, das noch immer die Mars-Oberfläche verändert. Im Februar zeigten Nasa-Forscher Satellitenaufnahmen vom Roten Planeten, die einem trockenen Stausee sehr ähneln. Und die riesigen Eismassen auf dem Mars, die oft nur millimetertief liegen sollen, wurden auch schon hinlänglich beschrieben.

Über die Spuren heißer Quellen gerollt?

Dass die Nasa jetzt vom bisher besten Beleg für das Vorhandensein flüssigen Wassers an der Marsoberfläche früherer Zeiten spricht, hat "Spirit" mit Kurzmeldungen in die Zeitungen gebracht. Doch offenbar steckt mehr hinter dem Fund des radlahmen Rovers: Er könnte über die Spuren heißer Quellen gerollt sein.

Der Boden besteht am Fundort zu 90 Prozent aus Kieselsäure. "Auf der Erde kann man dermaßen hohe Konzentrationen eigentlich nur erreichen, wenn man Wasser durch Felsen drückt", sagte Steve Ruff of Arizona State University in Tempe, einer der Wissenschaftler des "Spirit"-Projekts.

Zwei mögliche Erklärungen haben die Forscher daher für den Kieselsäure-Fund: Entweder reagierte der Marsboden vor Jahrmillionen mit säurehaltigen Dämpfen, die von Vulkanen ausgespien wurden - was freilich ein eher exotischer Prozess wäre. Oder heiße Quellen, wie man sie heute etwa im Yellowstone-Nationalpark im Westen der USA bewundern kann, haben die hohen Kieselsäure-Konzentrationen produziert.

Heiße Quellen auf dem frühen Mars - das wäre nicht bloß eine geologische Neuigkeit, sondern würde auch all jene beflügeln, die nach Spuren von Leben auf dem Nachbarplaneten suchen.

Heiße Quellen auf der Erde seien "großartige Heimstätten des Lebens", sagte Ruff. Man wisse, dass Cyanobakterien und verschiedene andere Lebensformen in dieser Umgebung wachsen und gedeihen. "Wenn es das ist, worauf wir jetzt auf dem Mars gestoßen sind, dann haben wir ganz sicher auch einen potentiellen Raum für Leben."

stx/rtr



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