"Spirit" Forscher fiebern der Mars-Rundfahrt entgegen

Das spektakuläre 360-Grad-Bild von der Landeregion des Mars-Rovers "Spirit" wird von der Nasa als extrem wertvoll für die Erkundungsfahrt des Roboters gewertet. Erste Anzeichen für frühere Wasservorkommen haben die Spannung vor dem Start zusätzlich erhöht.


Mars-Panorama: Detailreiche Impression aus 225 Einzelfotos
NASA/ JPL/ Cornell

Mars-Panorama: Detailreiche Impression aus 225 Einzelfotos

"Das ganze Panorama liegt vor uns", sagte Nasa-Wissenschaftler Michael Malin. "Das ist eine großartige Eröffnung für den nächsten Abschnitt unserer Mission." Das hochauflösende, aus 225 Einzelaufnahmen zusammengesetzte Panoramabild ermögliche den Geologen eine wesentlich bessere Orientierung in der Umgebung von "Spirit".

Am Donnerstagmorgen deutscher Zeit soll der Roboter sein Landegerät verlassen - der kritischste Moment der Mission seit der Landung am 4. Januar. "Wir werfen das Küken bald aus dem Nest", sagte Kevin Burke, unter dessen Leitung "Spirit" die Erkundungsfahrt auf dem Mars beginnen soll. "Darauf habe ich drei Jahre lang gewartet."

Nach einer 120-Grad-Drehung und der Abfahrt von der alternativen Rampe - die ursprünglich vorgesehene ist noch immer von einem leeren Luftkissen blockiert - soll der Roboter bereits zehn Meter weiter wieder anhalten, um einen oder zwei Tage lang den Boden und Steine in der unmittelbaren Umgebung zu untersuchen. Die entsprechenden Manöver haben Nasa-Ingenieure mehr als 500 Mal im Labor simuliert.

Infrarot-Aufnahme des "Mini-TES" an Bord von "Spirit": Forscher sehen Hinweise auf Wasser
NASA/ JPL/ ASU/ Cornell

Infrarot-Aufnahme des "Mini-TES" an Bord von "Spirit": Forscher sehen Hinweise auf Wasser

Sollte "Spirit" sein Landegerät erfolgreich verlassen, hätte die Nasa nach eigenen Angaben eines der kompliziertesten Manöver bewältigt, die jemals mit einem ferngesteuerten Raumschiff versucht worden seien. Allein für das Aufrichten aus der geduckten Position, in der "Spirit" während der 480 Millionen Kilometer langen Reise von der Erde ausharrte, seien zwölf pyrotechnische Geräte, neun Motoren, vier Sicherheitskameras und zahlreiche Sensoren nötig gewesen.

Suche nach Wasser in "Sleepy Hollow"

Was nach der Erforschung der Umgebung des Landeplatzes kommt, sei "schwierig vorauszusagen", sagte John Grotzinger, Geologe vom Massachusetts Institute of Technology. "Unser langfristiges Ziel ist derzeit das Erreichen eines Kraters in etwa 250 Metern Entfernung." In der Vertiefung, von den Wissenschaftlern "Sleepy Hollow" getauft, soll "Spirit" nach Anzeichen früherer Wasservorkommen fahnden, die vielleicht einst Leben auf dem Mars ermöglichten. Ein weiteres Ziel könnte eine Hügelkette östlich des Landeplatzes sein.

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Mars-Erkundung: "Spirit" absolviert Generalprobe

"Wir haben leider nicht genügend Zeit, alle aufregenden Orte zu besuchen", sagte Malin. Die Geographie der Landeregion sei offenbar das Ergebnis ungezählter Meteoritentreffer, die Krater gegraben und Hügel aufgeworfen hätten. "Wir sehen hier keine unberührte Oberfläche", betonte Malin.

Die gestochen scharfen Bilder von "Spirit" zeigen, dass der Mars-Rover von Hunderten kleiner Felsen umgeben ist. Nasa-Forscher wollen in ihnen Zeichen für eine feuchte Vergangenheit des Roten Planeten erkennen. Die zerbrochenen Steine ähnelten frappierend Formationen, die auf der Erde durch das Gefrieren und Auftauen von Wasser entstanden seien.

Mögliche Hinweise auf feuchte Vergangenheit

Im Gusev-Krater sei eine größere Zahl solcher Steine zu erkennen als an den Landeplätzen der früheren Mars-Sonden "Pathfinder", "Viking 1" und "Viking 2" zusammen, sagte Malin. "Die zerbrochenen und gespaltenen Felsen weisen darauf hin, dass in der Geschichte der Marsoberfläche Wasser eine Rolle spielte." Allerdings räumte Malin ein, dass für den Zustand der Steine auch andere Ursachen in Frage kämen - wie etwa der Aufprall von Geschossen aus dem All.

3D-Bild von Airbag-Abdruck: Seltsames Verhalten kleiner Partikel
NASA/ JPL/ Cornell

3D-Bild von Airbag-Abdruck: Seltsames Verhalten kleiner Partikel

Die Spuren der Airbags, die den Sturz von "Spirit" auf die Marsoberfläche abfederten, hatten die Wissenschaftler zu Beginn der Mars-Mission in Aufregung versetzt. Mittlerweile aber gilt der lehmartige, von der Nasa "Fliegender Teppich" ("Magic Carpet") getaufte Abdruck nicht mehr, wie anfangs vermutet, als Hinweis auf frühere Wasservorkommen.

Zwar erinnere die Struktur des Abdrucks an Schlamm, sagte Malin. "Aber es wäre höchst ungewöhnlich, wenn er Wasser enthalten sollte. Der Druck und die Temperatur der Atmosphäre machen Wasservorkommen unwahrscheinlich, und sehr feine Partikel können sich auch ohne Wasser seltsam verhalten."

Anzeichen für Karbonate und Hydrate

Einen anderen Hinweis auf Wasser glauben Forscher in den ersten Aufnahmen des so genannten Miniatur-Thermalemissions-Spektrometers ("Mini-TES") an Bord von "Spirit" zu erkennen. Das Instrument, das die Zusammensetzung von Gesteinen prüfen soll, lieferte demnach Hinweise auf Karbonate und Hydrate. Beides entsteht - wenn auch nicht ausschließlich - unter dem Langzeit-Einfluss von Wasser.

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Mars in Farbe: "Spirit"-Bilder faszinieren Wissenschaftler

Ein Vergleich der Bilder vom Mars mit Aufnahmen von der Erde habe erstaunliche Parallelen zu Tage gefördert, wie das Magazin "New Scientist" berichtet. "Es ist aufregend, wie gut die Bilder zusammenpassen", sagte Phil Christensen von der Arizona State University, der an der Konstruktion des Messinstruments beteiligt war. Die Hydrate könnten seiner Meinung nach auf Lehm hinweisen. Solches Material wäre in der Tat ein "belastbarer Beweis", dass es auf dem Roten Planeten tatsächlich für lange Zeit Wasser gegeben habe, sagte Michael Carr, Experte für Mars-Geologie an der Cornell University.



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