"Stardust"-Landung Nasa fiebert Kometenstaub entgegen

Morgen soll die "Stardust"-Sonde zur Erde zurückkehren. An Bord hat sie ein paar Mikrogramm Staub aus dem Schweif eines Kometen. Die Staubkörner könnten wertvolle Hinweise über die Entwicklung des Sonnensystems liefern.


Washington/Paris - Eine Handvoll Sternenstaub soll Geheimnisse über den Ursprung der Welt enthüllen: Wenn eine kleine Raumkapsel der Nasa am Sonntag wie geplant gegen 11 Uhr deutscher Zeit sanft zur Erde schwebt, wird sie von großen Erwartungen begleitet. Die "Stardust"-Mission der US-Raumfahrtbehörde hat erstmals Staub aus dem Schweif eines 4,6 Milliarden Jahre alten Kometen an Bord, dazu andere Partikel aus den Tiefen des Alls. Die Untersuchungen dieser winzigen Teilchen dürften Hunderte von Wissenschaftlern und Tausende freiwilliger Helfer jahrelang beschäftigen.

"Stardust" im Landeanflug (Zeichnung): "Ziemlich unglaubliche Leistung"
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"Stardust" im Landeanflug (Zeichnung): "Ziemlich unglaubliche Leistung"

Fast sieben Jahre lang raste "Stardust" durch den Raum und legte dabei 4,6 Milliarden Kilometer zurück. Höhepunkt der 168 Millionen Dollar teuren Mission war das Treffen mit dem Kometen "Wild 2": Am 2. Januar 2004 sauste die Sonde in gerade mal 240 Kilometern Entfernung an dem Schweifstern vorbei. Sie überstand den Beschuss mit kosmischem Staub, schoss Dutzende Fotos von der zernarbten Oberfläche des Kometen und sammelte Proben aus seiner Gashülle.

Bei einer Geschwindigkeit von sechs Kilometern pro Sekunde ging die Begegnung nach Angaben der Nasa zwar Weltraum-Verhältnisse relativ langsam über die Bühne. Das Sammeln der Staubproben sei aber doch eine "ziemlich unglaubliche Leistung", freut sich die Raumfahrtbehörde - immerhin schossen die Partikel sechs Mal schneller als Gewehrkugeln auf die Sonde. Eingefangen wurden sie mit einem an einen Tennisschläger erinnernden Kollektor, der mit einem speziellen Silikon-Gel versehen war.

Mehr als zwei Jahre nach dem Aufsehen erregenden Kometen-Treffen soll sich das "Stardust"-Mutterschiff nun am Sonntagmorgen von seiner kostbaren Staubfracht trennen. Rund 110.000 Kilometer von der Erde entfernt soll um genau 6.57 Uhr mitteleuropäischer Zeit (MEZ) die 46 Kilogramm leichte Kapsel mit den Proben abgetrennt werden. Geht alles nach Plan, dürfte die Kapsel vier Stunden später hoch über dem Pazifik in die Erdatmosphäre eintreten.

Zwei Fallschirme sollen anschließend die "Stardust"-Kapsel abbremsen, deren Hitzeschilde Temperaturen von bis zu 2700 Grad Celsius aushalten müssen. Um 11.12 MEZ soll die Kapsel einigermaßen sanft in die Salzwüste nahe des Luftwaffengeländes im US-Bundesstaat Utah schweben. Mit Hilfe eines Peilsenders will die Nasa das wertvolle Stück möglichst rasch finden. Ein Helikopter, bei schlechtem Wetter auch ein Geländefahrzeug, soll die Kapsel bergen. Anschließend ist der Transport zum Johnson Space Center in Houston im Bundesstaat Texas geplant, wo das Material analysiert werden soll.

Diesem Teil der Geschichte fiebern bereits zahlreiche Wissenschaftler und auch Hobby-Forscher entgegen. Denn die zumeist weniger als einen Drittel Millimeter dünnen Staubteilchen sollen Aufschlüsse über die Welt geben, wie sie vor unvorstellbarer langer Zeit bei der Entstehung unseres Sonnensystems, der Erde und der anderen Planeten aussah.

Um die Geheimnisse zu lüften, ist reichlich Geduld erforderlich: Ein Wissenschaftler verglich die Analysearbeit mit der Suche nach 45 Ameisen auf einem Fußballfeld. Die University of California in Berkeley sucht insgesamt 30.000 Freiwillige, die sich per Internet an der Auswertung der Mikroskopaufnahmen beteiligen sollen.

Bleibt nur zu hoffen, dass der Nasa ein Absturz wie im September 2004 erspart bleibt. Damals krachte die "Genesis"-Kapsel mit Proben des Sonnenwindes mit Tempo 330 in Utah auf die Erde, weil sich ihre Fallschirme nicht geöffnet hatten. Das Gerät sah reichlich zerbeult aus, die meisten Proben überstanden den Crash jedoch und konnten in mühsamer Kleinarbeit aufgelesen werden.

Jean-Louis Santini und Reinolf Reis, AFP



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