Stark bewölkt Forscher durchleuchten Supererden-Atmosphäre

Fast hundert Stunden lang haben Astronomen die Atmosphäre einer fernen Supererde beobachtet und vergeblich nach Gasen gesucht. Ihre Folgerung: Der Exoplanet ist von dichten Wolken umhüllt. Mit denen auf der Erde haben sie aber nur wenig gemein.

Supererde Gliese 1214b (Computergrafik): Dicht bewölkt
NASA /ESA & G.Bacon

Supererde Gliese 1214b (Computergrafik): Dicht bewölkt


Forscher haben die Atmosphäre einer sogenannten Supererde bei einem anderen Stern durchleuchtet und sind dort auf eine dichte Wolkendecke gestoßen. Der rund 40 Lichtjahre entfernte Planet mit der Katalognummer Gliese 1214b ist komplett verhüllt, wie Laura Kreidberg von der University of Chicago und ihre Kollegen im Fachblatt "Nature" berichten.

Es ist nach Angaben der Hochschule das erste Mal, dass die Atmosphäre einer Supererde eindeutig charakterisiert wurde. "Wir gehen von ganz anderen Wolkenarten aus, als man sie etwa auf der Erde erwarten würde", erläutert Kreidberg in einer Mitteilung. Bei einer Temperatur von rund 230 Grad Celsius umhüllten die Supererde vermutlich Wolken aus Kaliumchlorid oder Zinksulfid.

Erste Hinweise auf eine wasserreiche Atmosphäre bei Gliese 1214b hatten japanische Astronomen im September veröffentlicht. Sie hatten untersucht, ob kurzwelliges Licht von der Atmosphäre des Planeten stärker gestreut wird als langwelliges. Von dieser sogenannten Rayleigh-Streuung fehlte aber jede Spur - ein deutliches Zeichen für Wasserdampf in der Luft.

Mehr als tausend Exoplaneten sind bekannt

Als Supererden bezeichnen Astronomen Planeten anderer Sterne, also Exoplaneten, die größer sind als die Erde, aber kleiner als der Gasplanet Neptun in unserem Sonnensystem. Gliese 1214b hat etwa den 2,7fachen Durchmesser der Erde und umkreist eine Zwergsonne im Sternbild Schlangenträger. Alle 38 Stunden zieht der Exoplanet von der Erde aus gesehen auf seiner Umlaufbahn genau vor seinem Heimatstern vorbei. Dann durchleuchtet das Sternenlicht die Atmosphäre des Planeten, so dass Astronomen deren Eigenschaften anhand eines sogenannten Transmissionsspektrums untersuchen können.

Das Team um Kreidberg richtete das "Hubble"-Weltraumteleskop insgesamt 96 Stunden auf den fernen Planeten und stellte fest, dass sich keinerlei Atmosphärengase im Transmissionsspektrum identifizieren lassen. Die einzige Erklärung dafür ist nach Meinung der Forscher eine dichte Wolkendecke, die kein Sternenlicht durch die Atmosphäre lässt.

Auf dieselbe Weise untersuchte ein zweites Team mit "Hubble" die Atmosphäre des etwa Neptun-großen Exoplaneten Gliese 436b und fand ebenfalls Hinweise auf eine dichte Wolkendecke, wie Heather Knutson vom California Institute of Technology und Kollegen in derselben Ausgabe von "Nature" berichten. Wie die Supererde Gliese 1214b kreist auch Gliese 436b viel dichter um seinen Heimatstern als die Planeten unseres Sonnensystems, so dass es auf ihm sehr warm ist.

Mehr als 1000 Exoplaneten haben Astronomen bisher entdeckt. Supererden und Planeten von Neptun-Größe gehören nach den bisherigen Untersuchungen zu den häufigsten Planetenarten in unserer Milchstraße. Da Supererden in unserem Sonnensystem nicht vorkommen, liefern die beiden Untersuchungen wichtige Puzzlesteine, um die Natur dieser weit verbreiteten Planetenart zu verstehen.

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che/dpa

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insgesamt 72 Beiträge
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Seite 1
kalumeth 02.01.2014
1. SuperErde ist hier und nicht dort draußen
ein irrer Hype um Forschungsgelder. Sie alle wären sinnvoller angelegt, wenn man eine Kultur der Nachhaltigkeit auf unserem Planeten erforschen und etablieren würde. HIER ist unsere alleinige Zukunft und nicht in Science-Fictistan!
caledonian2010 02.01.2014
2. Supererde ... na ja ...
Zitat von kalumethein irrer Hype um Forschungsgelder. Sie alle wären sinnvoller angelegt, wenn man eine Kultur der Nachhaltigkeit auf unserem Planeten erforschen und etablieren würde. HIER ist unsere alleinige Zukunft und nicht in Science-Fictistan!
Das dient sicherlich in nicht unerheblichem Mass der Werbung zwecks Akquirierung um Forschungsgelder, indem man über diese Themen in der breiten Öffentlichkeit (mit suggeriert-greifbaren Themen: "Supererde" ... na ja .....) ein allgemeines Interesse, zwecks allgemein positiver Stimmungslage in der Bevölkerung zu wecken versucht.
tam_venceremos 02.01.2014
3. Ich liebe es!
" HIER ist unsere alleinige Zukunft und nicht in Science-Fictistan!" Nein nein, in Ihrer Höhle ist Ihre alleinige Zukunft und nicht in dem Wald davor!
caledonian2010 02.01.2014
4. Schwere Kost: Quantenfeldtheorie
Off topic: Quantenfeldtheorie: Sehr witzig, weil unlogisch, klingen immer wieder gängige Erklärungsmodelle der NULLdimensionalen Quantenfeldtheorie, nach der sich über (raum-zeit-mässig) Milliarden Kilometer nach unserem Raum-Zeit-Verständnis voneinander "entfernte" Zustände von Quantenteilchen durch Verschränkung ohne Zeitverzögerung analog zueinander verhalten. Die Theorie besagt, dass die Vorgänge der analogen Verschränkung von Zustandsänderungen in diesen Quantenteilchen nicht auf der Basis der Raum-Zeit-Gesetzmässigkeit (weil nulldimensional) stattfinden. Und somit die (nach unserem Raum-Zeit-System) suggerierte angebliche Entfernung der Quantenteilchen voneinander, keinerelei Rolle spielt. Warum also sollte die räumliche Entfernung der Teilchen voneinander irgendeine - zeitliche Verzögerung - der Zustandsänderung, der miteinander interagierenden Teilchen (via Verschränkung) bewirken - über welche man immer wieder (selbige vermissend) fachsimpelt. Wenn man der Abstraktion dieses nulldimensionalen Teilchenmodells folgt, dann erscheint es doch vollkommen sinnlos, über das Analogverhalten der verschränkten Quantenteilchen (nach den Gesetzen unserer vierdimensionalen Seinsgrundlage (was die zeit-räumliche Verzögerung der Interaktion der verschränkten Teilchen bedeuten würde) zu sinnieren. D.h. es ist nach dieser Theorie überflüssig, über die unmittelbare spiegelbildlich-interagierende Zustandsänderung ohne Zeitverzögerung (räumlich astronomisch extrem weit voneinander entfernter Quantenteilchen) zu rätseln. Diese Veränderungsvorgänge finden nach der Theorie ausserhalb raum-zeitlicher Gesetzmässigkeiten statt, welche auch immer das sein mögen. Die Zustandsänderungen der zugehörigen Quantenteilchen spielen sich auf einer Ebene ausserhalb unseres raumzeitlichen Seins statt. Dann ist es nur folgerichtige Konsequenz dieser Theorie, dass für die miteinander interagierenden Veränderungen der verschränkten Teilchen keine raum-zeitliche (Zeit-)Verzögerung anzunehmen ist.
Nania 02.01.2014
5.
Zitat von kalumethein irrer Hype um Forschungsgelder. Sie alle wären sinnvoller angelegt, wenn man eine Kultur der Nachhaltigkeit auf unserem Planeten erforschen und etablieren würde. HIER ist unsere alleinige Zukunft und nicht in Science-Fictistan!
Komische Ansicht... Nur weil hier Forschungsgelder fließen, heißt das nicht, dass das nicht auch in anderen Bereichen gemacht wird. Erkenntnisse aus der Astronomie können irgendwann für die Menschheit entscheidend sein - und aus der Science-Fiction wird Realität. Jules Verne reiste noch nur in seinem Kopf zum Mond, 1969 betrat dann tatsächlich einer den Trabanten. Und wer weiß, was für natürliche Schätze sich auf Asteroiden und anderen Planeten finden lassen. Vielleicht lernt man sogar etwas darüber, wie man die Nachhaltigkeit auf unserem Planeten verbessern kann.
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