Sternbild Orion Schrumpfender Sternenriese lässt Astronomen rätseln

Er ist einer der hellsten Sterne am Nachthimmel - und schrumpft gerade gewaltig: Beteigeuze, ein Himmelskörper im Sternbild Orion, hat nach neuesten Messungen rund 15 Prozent seiner Größe verloren. Wissenschaftler rätseln, ob das der Vorbote einer riesigen Explosion sein könnte.


Pasadena - Schon lange kennen die Menschen den Stern Beteigeuze im Sternbild Orion. Arabische Astronomen beschrieben ihn, der zu den zehn hellsten Sternen am Abendhimmel gehört, schon im 10. Jahrhundert. Doch nun stellt sich heraus, dass der riesige Himmelskörper massiv schrumpft.

Charles Townes (am Mount-Wilson-Observatorium in Kalifornien, 2008): "Diesen Wandel zu beobachten, ist sehr eindrucksvoll"
Cristina Ryan/ddp

Charles Townes (am Mount-Wilson-Observatorium in Kalifornien, 2008): "Diesen Wandel zu beobachten, ist sehr eindrucksvoll"

Nach einer neuen Untersuchung ist Beteigeuze seit 1993 um beachtliche 15 Prozent kleiner geworden. Der Riesenstern ist etwa 600-mal so groß wie unsere Sonne, er ist etwa um die Entfernung zwischen Venus und Sonne geschrumpft. Der 93-jährige Physik-Nobelpreisträger Charles Townes und sein Kollege Edward Wishnow von der University of California in Berkeley stellten ihre Erkenntnisse bei einem Treffen der American Astronomical Society vor. Eine Veröffentlichung im Fachjournal "Astrophysical Journal" gibt es ebenfalls.

"Diesen Wandel zu beobachten, ist sehr eindrucksvoll", erklärt Townes. "Wir werden das in den kommenden Jahren aufmerksam beobachten, um zu sehen, ob er weiter schrumpft oder wieder zu seiner alten Größe zurückfindet." Es ist sehr schwer, die genaue Größe von Beteigeuze zu ermitteln, da er von großen Gas- und Staubwolken umgeben ist. Die Forscher konzentrierten sich deswegen bei ihre Messungen auf eine ganz spezielle Wellenlänge im Infrarotbereich.

Warum der Riesenstern derzeit so rapide an Größe verliert, ist den Forschern noch ein Rätsel. "Es gibt einfach noch viele Dinge, die wir über Sterne nicht wissen ", sagte Edward Wishnow. Möglicherweise, so glauben die Forscher, kann ein Oberflächenphänomen auf dem Stern ein Teil der Messergebnisse erklären.

Es geht um sogenannte Granulen. Das sind körnerartige Strukturen, die durch Auf- und Abbewegungen der glühend heißen Oberfläche des Sterns entstehen - und dem Himmelskörper so eine recht unregelmäßige Oberfläche verschaffen. Sie sind bisher vor allem von der Sonne bekannt, wurden jedoch schon bei anderen Sternen beobachtet. Doch allein mit diesen Strukturen - und den damit verbundenen Beobachtungsproblemen aus verschiedenen Blickwinkeln - können sich Townes und Wishnow ihre Beobachtungen nicht erklären.

Im Kern geht es vor allem um die Frage, was mit Sternen der Klasse der Roten Riesen am Ende ihrer Lebenszeit passiert. Der etwa 600 Lichtjahre von der Erde entfernte Beteigeuze gehört zu dieser Sorte von Himmelskörpern. Am Ende seines Lebens wird Beteigeuze in einer gewaltigen Supernova zerplatzen, glauben die Astronomen. Diese Explosion könnte einigen Vorhersagen zufolge bereits in den kommenden Jahrhunderten stattfinden. Die Supernova wird dann möglicherweise von der Erde aus auch tagsüber mit bloßem Auge zu sehen sein.

Interessant ist, dass Beteigeuze trotz seines Schrumpfens bisher nichts von seiner Helligkeit eingebüßt hat - und damit weiterhin etwa 10.000-mal so hell wie unsere Sonne strahlt.

chs/ddp/AFP



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