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Sternen-Explosion: Supernova bricht alle Rekorde

"Monströs", "abgefahren": Ungewöhnlich euphorisch beschreiben Astronomen den Tod eines Stern in Richtung des Sternbildes Perseus. Es handelt sich um die hellste Supernova, die je von Menschen beobachtet wurde. Sie lässt weit zurück in die Kindheit des Kosmos blicken.

Auf dem Weg, den die meisten großen Sterne einmal gehen müssen, hat ein Gigant namens SN2006gy offenbar einen Schritt übersprungen - und leuchtete dabei so sehr, dass es Forschern ganz warm ums Herz wurde. "Das ist ziemlich wahrscheinlich der schwerste Stern, dessen Explosion jemals beobachtet worden ist", sagte Nathan Smith von der University of California.

Es ist jedenfalls die hellste Supernova, die Wissenschaftler je ins Visier genommen haben. Das teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa mit. Bereits im September war der helle Fleck im Sternbild Perseus von Robert Quimby, einem Studenten der University of Texas, mit einem automatischen Teleskop entdeckt worden. Quimby hatte den Nachthimmel systematisch nach dem Aufflammen neuer Supernovae abgesucht.

Doch diese Sternenexplosion war anders. "Sie war wahrlich monströs, Hundert Mal energiereicher als typische Supernovae", sagte Smith. Den Stern, der da sein Leben ausgehaucht hat, nannte er "abgefahren massiv". Er sei rund 150 Sonnenmassen schwer gewesen und befindet sich in Richtung des Sternbildes Perseus etwa 240 Millionen Lichtjahre entfernt von der Erde.

Mechanismus hinter der Explosion unbekannt

Und im Gegensatz zu anderen Sternenexplosionen, die vielleicht für ein Paar Wochen aufflackern, prangte diese Supernova 70 Tage lang mit ihrer maximalen Leuchtkraft am Sternenhimmel, teilte die Nasa mit. Mehrere Monate lang habe man einen Widerschein gesehen, der immer noch stärker war als das Spitzenleuchten gewöhnlicher Sternenexplosionen.

Zur Veröffentlichung bei der Fachzeitschrift "Astrophysical Journal" haben die Wissenschaftler die Messungen des "Chandra"-Röntgenteleskops aber nicht bloß wegen der Rekordzahlen eingereicht: SN2006gy - so heißt der Stern mit dem gigantischen Abgang - hat offenbar einen Schritt übersprungen. Normalerweise fallen nach spektakulären Explosionen die Reste solcher Sterne in sich zusammen und bilden schwarze Löcher. Nicht so SN2006gy.

"Hier haben wir also die hellste je beobachtete Supernova, und wir kennen ihren Explosionsmechanismus nicht", sagte Mario Livio, theoretischer Astrophysiker am Hubble Space Telescope Institute der Pacific University in Oregon, der "New York Times".

Steht die "spektakulärste Sternenshow" bevor?

Von der Erforschung erhoffen Wissenschaftler sich eine Antwort auf die Frage, wie die ersten Sterne des Universums nach ihrem Tod neue Elemente im Kosmos verstreut haben. Denn während Explosionen dieses gigantischen Ausmaßes heute äußert selten sind, könnten sie einer Hypothese über die Kindheit des Universums entsprechend vormals, weniger als eine Milliarde Jahre nach dem Urknall, an der Tagesordnung gewesen sein.

Nun hoffen die Astrophysiker darauf, dass ein ähnliches Schauspiel sich weniger fern der Erde ereignen wird: Der Stern Eta Carinae in der Milchstraße weise eine unheimliche Ähnlichkeit zu SN2006gy auf. Der Riese - er ist 120 Mal so groß wie die Sonne - könnte jederzeit selbst explodieren. Zwar würde der Erde durch diesen Sternentod keine Gefahr drohen. Astrophyiker Livio erwartet aber "die spektakulärste Sternenshow in der Geschichte".

Sie könnte den Sternenhimmel der Südhalbkugel bei Nacht so sehr erhellen, dass Menschen ohne künstliches Licht in ihrem Schein lesen könnten, sagte der Astronom David Pooley von der University of California in Berkeley. Irgendwann in den nächsten 50.000 Jahren könnte es soweit sein.

stx/AP

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Rekord-Explosion: Die hellste Supernova

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