Sternen-Schweif Wundersamer Sprinter im All entdeckt

Er ist ein kosmischer Sonderling: Der Stern Mira ist ungewöhnlich schnell, bewegt sich quer zur Mehrzahl der Sterne unserer Milchstraße und hat einen einzigartigen Schweif, aus dem irgendwann Sterne und Planeten entstehen könnten.


Astronomen haben an dem schon seit 400 Jahren bekannten Stern Mira eine überraschende Entdeckung gemacht: Der Himmelskörper im Sternbild Walfisch zieht einen kometenartigen Schweif hinter sich her. Er ist mit 13 Lichtjahren mehrere tausend Mal so lang wie unser Sonnensystem. Eine solche Beobachtung sei bisher noch nie gelungen, schreibt das Team um Mark Seibert von der Carnegie Institution im Fachblatt "Nature".

Stern mit Schweif: Bei dieser Aufnahme des Nasa-Teleskops "Galaxy Evolution Explorer" handelt es sich um ein Mosaik mehrerer Ultraviolett-Fotos. Mira ist als weißer Punkt auf der rechten Bildhälfte zu sehen.
NASA / JPL-Caltech

Stern mit Schweif: Bei dieser Aufnahme des Nasa-Teleskops "Galaxy Evolution Explorer" handelt es sich um ein Mosaik mehrerer Ultraviolett-Fotos. Mira ist als weißer Punkt auf der rechten Bildhälfte zu sehen.

Auf dem Bild bewegt sich der Stern nach rechts. Der ungewöhnliche Schweif zieht sich wie eine gigantische Rauchfahne hinter Mira her. Als die Astronomen die Aufnahme erstmals sahen, waren sie überrascht. Denn von einem Schweif bei Mira wusste man bislang nichts. Der Stern wurde zwar auch vom "Hubble"-Teleskop fotografiert. Auf dessen Aufnahmen ist der Schweif aber nicht zu sehen, da "Hubble" nur einen kleinen Ausschnitt des Himmels aufnimmt.

An dem Schweif lässt sich Miras Geschichte ablesen. An seinem Ende befindet sich Material, das Mira vor etwa 30.000 Jahren verloren hat und aus dem irgendwann neue Sterne und vielleicht auch Planeten entstehen könnten. Alle zehn Jahre verliert Mira so viele Partikel, das man damit die Erde aufwiegen könnte. In den vergangenen 30.000 Jahren hat Mira so mindestens neun Jupitermassen in Form von Gas abgegeben.

Schnell und gegen den Strom

Der Name des Sterns ist vom lateinischen Wort für Wunder abgeleitet. Denn Mira bewegt sich nicht entlang der Scheibe unserer Milchstraße, sondern quer dazu. Da der Stern nicht mit der Masse der anderen Sterne schwimmt, bewegt er sich mit knapp einer halben Million Kilometern pro Stunde ungewöhnlich schnell.

Mira ist ein veränderlicher Stern. In einem Rhythmus von 332 Tagen wird er sehr dunkel und dann wieder 1500-mal heller. Der wundersame Sprinter-Stern ist etwa 350 Lichtjahre von der Erde entfernt.

hkr/dpa

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