Sternenexplosion: Supernova erleuchtet kosmische Nachbarschaft der Erde

Astronomen jubeln - direkt vor unserer kosmischen Haustür ist eine gigantische Sternenexplosion zu beobachten. Eine Supernova in solcher Nähe gibt es nur einmal pro Generation. Das Spektakel im Sternbild Großer Bär können auch Astro-Fans mit Hobby-Equipment sehen.

Supernova PTF 11kly (am 24. August 2011): "Von Minute zu Minute heller" Zur Großansicht
dapd / Fulton / LCOGT

Supernova PTF 11kly (am 24. August 2011): "Von Minute zu Minute heller"

Santa Barbara - Forscher haben eine Supernova entdeckt, die der Erde näher ist als alle bisher beobachteten. Die gewaltige Sternenexplosion ereignete sich in nur 21 Millionen Lichtjahren Entfernung - nach kosmischen Maßstäben quasi vor unserer Haustür. Eine Supernova in so großer Nähe komme nur einmal in einer Generation vor, sagen die Astronomen. Die Sternenexplosion im Sternbild "Großer Bär" leuchte so hell, dass sie selbst für Amateur-Astronomen mit einfachen Ferngläsern und Teleskopen zu sehen sei.

Über die Entdeckung berichtet die University of California in Santa Barbara. Kollegen sind fasziniert: "Die beste Zeit, die Supernova zu beobachten, ist ungefähr in einer Woche direkt nach der Abenddämmerung", sagt Mark Sullivan, Leiter eines Astronomenteams von der Oxford University. Man brauche allerdings einen möglichst dunklen Himmel dafür.

Die Entwicklung der Sternenexplosion konnten die Forscher fast von Beginn an verfolgen. "Wir haben diese Supernova so früh erwischt wie noch nie bei diesem Typ", sagt Andy Howell von der University of California, einer der Entdecker des Phänomens. Am Dienstag sei noch nichts zu sehen gewesen. Am Mittwoch dann registrierten die automatischen Teleskope der Himmelsdurchmusterung "Palomar Transient Factory" den gleißenden Lichtblitz. Man habe die Supernova innerhalb weniger Stunden nach der Explosion entdeckt, sagen die Forscher.

Der Fund habe Astronomen in aller Welt mobilisiert. Wissenschaftler seien nun dabei, das Ereignis von so vielen Teleskopen wie möglich aus zu beobachten, berichten Howell und seine Kollegen. Darunter sei auch das " Hubble"-Weltraumteleskop der US-Raumfahrtbehörde Nasa.

Üblicherweise erreicht eine Supernova in den ersten drei Wochen nach der Explosion die Helligkeit von mehr als einer Milliarde Sonnen. Häufig aber ereignen sich diese Explosionen so weit weg, dass nur ein schwacher Schein auf der Erde ankomme. Das aktuelle Ereignis bietet Forschern die seltene Gelegenheit, ein solches Ereignis aus der Nähe zu untersuchen.

"So etwas habe ich noch nie zuvor gesehen"

Die Supernova "PTF 11kly" ereignete sich in der Spiralgalaxie Messier 101, die auch "Pinwheel"-Galaxie genannt wird. Sie liegt im Sternbild Großer Bär. Bereits am ersten Tag nach ihrer Entdeckung nahm die Helligkeit der Sternenexplosion um das mehr als Zwanzigfache zu, berichten die Astronomen. "PTF 11kly wird von Minute zu Minute heller", sagt Peter Nugent vom Berkeley Lab, einer der Ersten, die die Supernova entdeckten.

Eine Supernova so früh zu beobachten erlaube einen seltenen Blick darauf, wie der explodierende Stern seine äußeren Schichten abstoße. "Wenn man sie so früh erwischt, kann man in der Explosion sogar unverbrannte Stücke des Sterns sehen - das ist bemerkenswert", sagt Andy Howell. "Obwohl ich bereits tausende von Supernovae beobachtet habe, habe ich so etwas noch nie zuvor gesehen."

Von der Beobachtung der neuen Supernova erhoffen sich die Astronomen mehr Informationen über diesen Typ der Sternenexplosion. Die sogenannten Typ-1a-Supernovae entstehen fast immer in Doppelsternsystemen. Einer der beiden Sternenpartner, ein Weißer Zwerg, saugt dabei Gas und andere Materie von seinem Begleiter ab. Immer wieder kommt es dabei zu kleineren Ausbrüchen. Überschreitet die Masse des Weißen Zwergs eine bestimmte Grenze, kommt es zur großen Explosion.

Da die Art, wie diese Supernova abläuft, immer relativ gleich ist, dient sie den Astronomen als "kosmische Messlatte": "Solche Typ1a-Supernovae nutzen wir, um die Ausdehnung des Universums zu messen", sagt Mark Sullivan. Die Veränderung des Lichts verrate, wie stark sich der betreffende Stern von uns wegbewege. Eine dieser Supernovae so nahe zu sehen, ermögliche nun die Beobachtung dieser Ereignisse in beispiellosem Detailreichtum.

chs/dapd

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insgesamt 29 Beiträge
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    Seite 1    
1. --> "So etwas habe ich auch noch nie zuvor gesehen"
Boy_Kott 26.08.2011
Zitat von sysopAstronomen jubeln - direkt vor unserer kosmischen Haustür können sie eine gigantische Sternenexplosion beobachten. Eine Supernova in solcher Nähe ist nur einmal pro Generation zu bestaunen. Das Spektakel im Sternbild Großer Bär können auch Astro-Fans mit Hobby-Equipment sehen.
So etwas habe ich auch noch nie zuvor gesehen bzw. habe ich noch nie gesehen. Das hellste, was ich gesehen habe war, bei einer Feier, auch vor der Haustür. Ich drehte mich gerade um und schaute genau in diesem Moment in das Blitzlicht eines Fotografen (und ich war nicht mal drauf auf dem Foto). Danach konnte ich aber nichts mehr beobachten, eine Zeit lang, anders als die Wissenschaftler, die da sogar noch "unverbrannte Stücke des Sterns" gesehen haben wollen. Ja, Wissenschaftler müsste man sein.
2. Wie groß muss die Haustür dann sein?
horstma 26.08.2011
Eine Entfernung von 21 Mio. Lichtjahre als "vor unserer Haustür" zu bezeichenen, ist, mit Verlaub, Unsinn und Sensationsmache. Diese Bezeichnung könnte man gerade so durchgehen lassen, wenn die Supernova noch innerhalb unserer Galaxie stattgefunden hätte. Dann wäre sie maximal ca. 80.000 Lichtjahre entfernt. Die nächste größere Galaxie, Andromeda, ist ca. 2,5 Mio Lichtjahre entfernt. Aber nicht einmal dort hat die Supernova stattgefunden; ihre Entfernung war nochmals um Faktor 8 größer. Diese Explosion hat JWD stattgefunden, und bis auf das bisschen Licht, das man in Fernrohren sieht, werden ihre Auswirklungen auf die Erde nicht einmal messbar sein. Eine Supernova, wirklich "vor unserer Haustür", hätte ganz andere Konsequenzen, und man kann nur hoffen, daß so etwas nie eintritt. So aber ist es in etwas so, wie wenn man von Stuttgart aus beobachtet, wie in Berlin auf einem Tennisplatz die Flutlichter angehen.
3. Toll
systemmirror 26.08.2011
jetzt brauche ich keine Energiesparlampen mehr und kann, weil es immer hell ist sogar 24 Stunden am Tag arbeiten. Da freut sich aber unser Schäuble...und der Hundt....und......
4. versteh ich das richtig??
constrol 26.08.2011
also wenn ich das jetzt sehen kann, bei dunklem Himmel, und diese Supernova in 21 millionen Lichtjahren Entfernung passiert, dann ist es doch 21 Millionen Jahre her, das es passiert ist. Oder? Toll.
5.
Floersche 26.08.2011
Zitat von constrolalso wenn ich das jetzt sehen kann, bei dunklem Himmel, und diese Supernova in 21 millionen Lichtjahren Entfernung passiert, dann ist es doch 21 Millionen Jahre her, das es passiert ist. Oder? Toll.
grundlagenforschung. wenn die atronomen galaxien in milliarden von lichtjahren entfernung beobachten können, sind 21 mio. lichtjahre durchaus quasi "um die ecke".
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