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Streit um Mini-Brocken: Nasa luchst US-Rentnerin Mondgestein ab

Fast 400 Kilogramm Mondgestein haben Astronauten zur Erde gebracht. Ein Teil davon scheint verlorengegangen zu sein - doch die amerikanische Weltraumbehörde Nasa kämpft um jeden winzigen Kiesel, wie ein Fall aus den USA zeigt.

Aufnahme der "Apollo 11"-Mission: Verschenkte Neil Armstrong ein Stück Mondgestein? Zur Großansicht
NASA

Aufnahme der "Apollo 11"-Mission: Verschenkte Neil Armstrong ein Stück Mondgestein?

Von ihren Missionen kehrten die "Apollo"-Crews mit reicher Beute zurück: Rund 2200 Proben von Mondgestein brachten die US-Astronauten mit zur Erde. Insgesamt bringen Brocken, Steinchen, Sand und Staub um die 380 Kilogramm auf die Waage.

Angesichts dieser Menge scheint nicht nur die US-Weltraumbehörde Nasa zum einen oder anderen Zeitpunkt den Überblick verloren zu haben - kürzlich zeigte sich, dass zehn US-Bundesstaaten und mehr als 90 Länder, die einen Teil des Gesteins bekommen hatten, nicht genau wissen, wo sich alle Proben befinden.

Die Nasa selbst hat gerade ein kleines Steinchen sichergestellt. Die Geschichte darum ist allerdings kurios. Das Steinchen, um das es sich handelt, ist kleiner als ein Reiskorn und in einem durchsichtigen Kunststoffblock eingeschlossen. Aufmerksam wurde die Nasa auf das Stück, als eine US-Amerikanerin sich im Mai erkundigte, wie sie den Stein am besten verkaufen könne. Sie habe monatelang im Internet nach einem Käufer gesucht, schrieb die 73-jährige Joann Davis der Weltraumbehörde. "Wenn Sie eine Idee haben, wie ich es verkaufen kann, dann melden Sie sich bitte." In weiteren Gesprächen räumte sie allerdings ein, dass sie die Gesteinsprobe nicht offiziell verkaufen könnte, sondern eher auf dem Schwarzmarkt.

Fingierter Kauf für 1,7 Millionen Dollar

Davis betont, dass ihr das Mondsteinchen, ebenso wie eine Kachel des Hitzeschildes der "Apollo 11"- Kapsel rechtmäßig gehört. Neil Armstrong habe es ihrem 1986 verstorbenen Ehemann geschenkt, der zu dieser Zeit als Ingenieur bei North American Rockwell angestellt war - das Unternehmen arbeitete während der "Apollo"-Ära für die Nasa. Nach Angaben der Nasa hat Armstrong, der erste Mann auf dem Mond, aber niemandem Mondgestein geschenkt oder welches verkauft. Um die Probe sicherzustellen, fädelte die Nasa einen fingierten Kauf ein. Davis wollte sich für 1,7 Millionen Dollar (1,2 Millionen Euro) von dem Stück trennen - und so kam es zum Zusammentreffen der Nasa-Ermittler, mehrerer Hilfssheriffs und der umtriebigen 73-Jährigen in einem Restaurant in Südkalifornien.

In dem Moment, in dem Joann Davis das Mondgestein aus ihrer Tasche holte, stürmten die bewaffneten Beamten in das Restaurant und ergriffen die Frau, die sich vor Angst in die Hose machte, wie sie erzählt.

Nachdem die Ermittler sie befragt hatten, konnte Davis gehen. Allerdings ohne den Mondstein. Offiziell angeklagt wurde die Frau nicht. Stattdessen plant die inzwischen 74-Jährige selbst, die Nasa zur verklagen. "Das ist ein schreckliches Verhalten der Regierung - etwas von einer Rentnerin zu stehlen, das ihr geschenkt wurde", sagte ihr Anwalt.

Joseph Gutheinz von der University of Phoenix, der selbst jahrelang verlorengegangene Mondgesteinsproben sammelte, hält den Fall für kompliziert. Er habe immer die Meinung vertreten, dass Mondgestein niemandem gehören kann - weil es der Menschheit gehöre. "Aber wenn wir die Aufgabe, darauf aufzupassen, so schlecht erledigt haben, kann ich die Leute nicht verurteilen", meint er.

wbr/AP

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