Suche nach außerirdischem Leben: Aliens mal anders

Aus Potsdam berichtet Christoph Seidler

Leben im All: Der unbekannte Außerirdische Fotos
AP

2. Teil: Mit der Alien-Formel zum Ziel?

Hagermann vergleicht seine Arbeit mit der des US-Astronomen und Astrophysikers Frank Drake. Der hatte im Jahr 1961 eine Gleichung vorgestellt, mit der die Zahl intelligenter Zivilisationen in der Milchstraße bestimmt werden kann. "Die Drake-Gleichung ist bis heute nicht präzise lösbar, aber wir kommen der Sache immer näher", sagt Hagermann. Der neue, auf der Energie basierende Ansatz erscheine auf den ersten Blick viel einfacher als die Drake-Formel. Doch bis der Forscher einen jeden Himmelskörper mit einem Maß für dessen Lebensfreundlichkeit versehen kann, dürfte indes noch einige Zeit vergehen. "Wir sind womöglich weit entfernt, das Ziel mag sogar unerreichbar sein", schränkt Hagermann ein.

"Vergleichbar mit dem geozentrischen Weltbild im Mittelalter"

Vielleicht greift die Suche nach außerirdischem Leben, wie die Forscher sie derzeit betreiben ohnehin zu kurz. "Das gegenwärtige Konzept der Astrobiologie stellt das Leben auf der Erde zu sehr in den Mittelpunkt", kritisiert Johannes Leitner von der Universität Wien. "Das ist vergleichbar mit dem geozentrischen Weltbild im Mittelalter." Der Österreicher arbeitet in einem Team, das sich Gedanken über alternative Habitate macht, in denen Leben existieren könnte.

Die Forscher sehen sich zum Beispiel Lösungsmittel wie Schwefelsäure an. Denn auch darin, und nicht nur in Wasser wie bei uns auf der Erde, könnte sich Leben entwickeln, vermuten sie - auch wenn kohlenstoffbasierter Stoffwechsel in der aggressiven Umgebung nicht möglich ist.

"Wir sind immer ziemlich befangen in der Annahme, dass Außerirdische aussehen wie wir. Aber das liegt nur daran, dass wir keine Alternativen kennen", hatte der US-Astronom und Astrophysiker Frank Drake vor einiger Zeit im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE gesagt. Leitner und seine Kollegen arbeiten nun daran, genau solche Alternativen zu entwickeln.

Die Konsequenzen sind weitreichend: Wenn man andere Lösungsmittel als Wasser in Betracht zieht, dann wird die habitable Zone um ferne Himmelskörper schlagartig größer. So nennen Astronomen den Bereich, in dem Exoplaneten lebensfreundliche Bedingungen bieten könnten. Und diese Zone wird etwa durch den Umstand größer, dass ein Ozean aus Ammoniak auch dann noch flüssig ist, wenn sein Pendant aus Wasser längst zu Eis erstarrt wäre. Andere Lösungsmittel wiederum würden auch bei Temperaturen noch munter hin und her schwappen, bei denen Wasser schon längst als Gas entfleucht wäre.

Das Problem: Die Menschheit kennt bisher noch keine einzige Lebensform in alternativen Lösungsmitteln. Deswegen ist es auch schwierig, nach Spuren ihrer Existenz, sogenannten Biomarkern, zu suchen. Die Wiener Forscher wollen sich deswegen nun überlegen, wie solche exotischen Lebensformen eigentlich funktionieren müssten. Mit den Erkenntnissen ließen sich zukünftige Forschungsmissionen so auslegen, dass sie auch nach exotischen Lebensformen Ausschau halten könnten.

Möglicherweise muss man dafür gar nicht allzu weit fliegen: Wenn man Leitners Gedanken aufnimmt, dann lohnt die Suche nach Leben zum Beispiel auch auf der Venus - beziehungsweise darüber. In der Atmosphäre des Planeten gibt es nämlich kleine Tröpfchen aus Schwefelsäure, die im Prinzip auch ein Habitat für exotische Lebensformen sein könnten. Auch den Saturnmond Titan hält der Österreicher für interessant, dort könnten wundersame Wesen in den Kohlenwasserstoff-Ozeanen leben.

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insgesamt 20 Beiträge
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1. ...
underdog 21.09.2009
Ich hab mich schon immer gefragt, warum eigentlich so strikt davon ausgegangen wird, dass Leben im Universum nur auf die eine uns bekannte Art existieren könne.
2. wer weiß?
Selvan 21.09.2009
Ich gehe fest davon aus, dass es irgendwo im unendlichen Universum nochmal zur Entstehung von Leben gekommen ist. Vermutlich auch zu komplexeren Lebensformen. Genauso fest gehe ich aber auch davon aus, dass wir Menschen das niemals erfahren werden, da solch mikroskopisch kleine biologische Prozesse in den Weiten des Alls keinerlei Bedeutung haben. Die Menschheit wird früher oder später aussterben. Das Universum wird gar nicht bemerken, dass wir da waren. Um aber mal zu spekulieren: Lebensformen auf der Erde sehen so aus wie sie aussehen, weil sie sich den Bedingngen auf der Erde angepasst haben. Wenn also das außerirdische Leben nicht zufällig auf einer zweiten Erde entstanden ist, dürfte es sich drastisch anders entwickelt haben.
3. Leben ist wohl häufiger als gedacht
Viper2024 21.09.2009
---Zitat--- Dabei wäre Leben laut neuen Forschungsergebnissen auch in Schwefelsäure oder einer Kohlewasserstoff-Suppe denkbar - etwa in der Atmosphäre des Planeten Venus. ---Zitatende--- Die Forschungsergebnisse wonach Leben in der Atmosphäre der Venus exitieren könnte sind alles andere als neu und stammen aus dem Jahr 2002: http://www.astris.de/news/186.html
4. Beruhigend
Wolfgang Jung 21.09.2009
Also, erst einmal ist es beruhigend, dass wir für solche, eventuell aggressiven Schwefel-Ammoniak-Kohlenwasserstoff-Wesen schon mal uninteressant als KolonisierungsNachtisch sind. Die fänden frische Alpenluft und klare Bergbäche richtig stinkig. Was unsere Sauerstoff-Brille, durch die wir anscheinend zu sehr gucken, betrifft: Wir untersuchen ja schon seit einer Weile Venus und Titan. Sollte es dort sauerstofffeindliche, wundersame Wesen geben, dann werden wir sie trotzdem entdecken und danach in einem entsprechenden "Aquarium" zur Schau stellen. Im schlimmsten Falle packen wir sie in den Distrikt Nummer 9 nach Johannesburg.
5. Ich
saul7 21.09.2009
Zitat von sysopSind wir allein im All? Die Wissenschaft fahndet vor allem nach außerirdischen Wesen, die Erdbewohnern ähneln. Dabei wäre Leben laut neuen Forschungsergebnissen auch in Schwefelsäure oder einer Kohlewasserstoff-Suppe denkbar - etwa in der Atmosphäre des Planeten Venus. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,649857,00.html
wußte es immer schon: E.T. lebt. Und jetzt möchte ich endlich mal nach Hause telefonieren!! :-oooo
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