Suche nach außerirdischem Leben Aliens mal anders

Sind wir allein im All? Die Wissenschaft fahndet vor allem nach außerirdischen Wesen, die Erdbewohnern ähneln. Dabei wäre Leben laut neuen Forschungsergebnissen auch in Schwefelsäure oder einer Kohlenwasserstoff-Suppe denkbar - etwa in der Atmosphäre des Planeten Venus.

Aus Potsdam berichtet

AP

Besonders gemütlich ist es nicht auf der jungen Erde. Eine salzige Brühe schwappt in dem mit Vulkaninseln gespickten Ur-Ozean des sogenannten Hadaikums. Immer wieder ergießt sich glühende Lava in die Fluten, die von der massiven Gravitationswirkung des eng an der Erde kreisenden Mondes aufgewühlt werden. In der Atmosphäre aus Stickstoff und Kohlendioxid toben Gewitterstürme. Ohne Unterlass prasselt harte UV-Strahlung von der noch jugendlichen Sonne auf die Erde, weil es noch keine schützende Ozonschicht gibt. So in etwa stellen sich Forscher die Frühzeit unseres Planeten vor 4,5 bis 3,8 Milliarden Jahren vor.

Neben vielen Fachkollegen beschäftigen sich auch der Astrobiologe Stefan Fox und der Chemiker Henry Strasdeit von der Universität Hohenheim mit der Frage, wie das Leben auf unserem Planeten entstanden sein könnte. Gerade haben sie aufsehenerregende Ergebnisse vorgestellt, die einen entscheidenden Schritt der chemischen Evolution erklären könnten. Die Erkenntnisse könnten auch für die Suche nach Leben im All von Nutzen sein, einem Thema, das beim gerade zu Ende gegangenen Europäischen Planetenforscherkongress in Potsdam eine entscheidende Rolle spielte.

Fox und Strasdeit präsentierten auf dem Treffen die Ergebnisse eines Experiments, mit dem sie die Vorgänge an den Rändern der jungen Ozeane simulieren wollten - an der Grenzschicht zwischen kühlem Meerwasser und kochender Lava. Sie mischten einen Cocktail bekannter Aminosäuren in eine Salzlösung, von der sie glauben, dass sie den Verhältnissen im frühen Ozean nahe kommt: Natrium-, Kalium-, Magnesium- und Calciumchlorid. Die Aminosäuren als Grundbausteine des Lebens, so argumentieren sie, könnten bei Gewittern in Wolken aus Vulkanasche gebildet worden sein. Außerdem dürften Meteoriten die Substanz auf die Erde gebracht haben - immerhin hat die Nasa-Sonde "Stardust" im Staub des Kometen "Wild 2" die Aminosäure Glycin nachgewiesen.

"Ergebnisse im Prinzip für alle Sonnensysteme gültig"

Als die Hohenheimer Forscher ihre Salzbrühe verdampften und anschließend in einer Atmosphäre aus Stickstoff und Kohlendioxid auf vulkanische Temperaturen jenseits von 300 Grad erhitzten, trauten sie ihren Augen kaum: Sie konnten sogenannte Pyrrole nachweisen. Das sind komplexe organische Substanzen, die in nur einem weiteren Reaktionsschritt zu lebenswichtigen Verbindungen wie Chlorophyll oder Häm - so heißt die sauerstofftragende Verbindung im Blutfarbstoff Hämoglobin - werden können. "Eigentlich hätten die Aminosäuren sublimieren müssen, stattdessen gingen sie mit den Metallionen im Salz eine stabile Verbindung ein", sagt Fox.

"Es liegt nahe, dass sich aus solchen Verbindungen das Leben organisiert haben könnte", beschreibt sein Kollege Strasdeit die Ergebnisse des Experiments mit der Ursuppe. Schon sehr früh habe es möglicherweise Moleküle auf der Erde gegeben, die Energie aus Licht zu nutzen gewusst hätten, wie es etwa bei Chlorophyll der Fall ist. "Unsere Ergebnisse sind im Prinzip für alle Sonnensysteme gültig", ergänzt Fox. In den fernen Welten könnten schließlich in vielen Fällen ähnliche Bedingungen herrschen wie auf der jungen Erde.

Die Suche nach außerirdischem Leben verspricht Antworten auf eine der fundamentalsten Fragen der Menschheit: Sind wir allein im All? Forscher fragen noch etwas konkreter: Wo würde die Suche nach kosmischen Verwandten am ehesten lohnen? Der deutschstämmige Physiker Axel Hagermann von der Open University im britischen Milton Keynes versucht derzeit, darauf eine Antwort zu finden. Zusammen mit einem Kollegen, dem Biologen Charles Cockell, arbeitet er an einem sogenannten Habilitätsindex. Das ist eine Zahl, die für jeden Himmelskörper angeben soll, wie lebensfreundlich dieser ist.

Wie lässt sich Lebensfreundlichkeit beschreiben?

Für spezielle Fälle wie den Mars existiert eine solche Angabe seit kurzem ("Martian Habitability Index"). Die Angabe ist höchst interessant, weil sie bei der Planung zukünftiger wissenschaftlicher Arbeit entscheidende Hinweise gibt. Denn längst nicht überall, wo Leben möglich ist, existiert auch welches.

Bisher, so sagt Hagemann, hätten vier entscheidende Kriterien die Lebensfreundlichkeit bestimmt:

  • das Vorliegen eines Lösungsmittels, normalerweise denkt man hier an Wasser
  • elementare Bausteine des Lebens, etwa Aminosäuren
  • passende Umweltbedingungen, zum Beispiel pH-Wert, Temperatur, Druck
  • eine nutzbare Energiequelle

Diese Faktoren, die sich zum Beispiel als sich schneidende Mengen in einem Diagramm einzeichnen lassen, sind jedoch schlecht zu quantifizieren. Hagermann plädiert deswegen für einen einfacheren Ansatz. Er glaubt, dass es ein zentrales Kriterium für die Entstehung von Leben gibt: "Die Energie scheint der entscheidende Faktor zu sein." So hänge der Großteil des Lebens auf der Erde von der Sonne und ihrer Strahlung ab. Doch es gebe auch andere Wege um an die begehrte Energie zu kommen - wie etwa an den Schwarzen Rauchern der Tiefsee, wo Organismen zwar kein Licht zur Verfügung stünde, sehr wohl aber Wärme. Außerdem ließen sich die klassischen Kriterien zum Teil auch als Funktion der Energie darstellen: So sei etwa Wasser als Lösungsmittel auch nur dann flüssig, wenn genügend Energie zum Schmelzen des Eises zur Verfügung steht.

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Seite 1
underdog, 21.09.2009
1. ...
Ich hab mich schon immer gefragt, warum eigentlich so strikt davon ausgegangen wird, dass Leben im Universum nur auf die eine uns bekannte Art existieren könne.
Selvan, 21.09.2009
2. wer weiß?
Ich gehe fest davon aus, dass es irgendwo im unendlichen Universum nochmal zur Entstehung von Leben gekommen ist. Vermutlich auch zu komplexeren Lebensformen. Genauso fest gehe ich aber auch davon aus, dass wir Menschen das niemals erfahren werden, da solch mikroskopisch kleine biologische Prozesse in den Weiten des Alls keinerlei Bedeutung haben. Die Menschheit wird früher oder später aussterben. Das Universum wird gar nicht bemerken, dass wir da waren. Um aber mal zu spekulieren: Lebensformen auf der Erde sehen so aus wie sie aussehen, weil sie sich den Bedingngen auf der Erde angepasst haben. Wenn also das außerirdische Leben nicht zufällig auf einer zweiten Erde entstanden ist, dürfte es sich drastisch anders entwickelt haben.
Viper2024, 21.09.2009
3. Leben ist wohl häufiger als gedacht
---Zitat--- Dabei wäre Leben laut neuen Forschungsergebnissen auch in Schwefelsäure oder einer Kohlewasserstoff-Suppe denkbar - etwa in der Atmosphäre des Planeten Venus. ---Zitatende--- Die Forschungsergebnisse wonach Leben in der Atmosphäre der Venus exitieren könnte sind alles andere als neu und stammen aus dem Jahr 2002: http://www.astris.de/news/186.html
Wolfgang Jung 21.09.2009
4. Beruhigend
Also, erst einmal ist es beruhigend, dass wir für solche, eventuell aggressiven Schwefel-Ammoniak-Kohlenwasserstoff-Wesen schon mal uninteressant als KolonisierungsNachtisch sind. Die fänden frische Alpenluft und klare Bergbäche richtig stinkig. Was unsere Sauerstoff-Brille, durch die wir anscheinend zu sehr gucken, betrifft: Wir untersuchen ja schon seit einer Weile Venus und Titan. Sollte es dort sauerstofffeindliche, wundersame Wesen geben, dann werden wir sie trotzdem entdecken und danach in einem entsprechenden "Aquarium" zur Schau stellen. Im schlimmsten Falle packen wir sie in den Distrikt Nummer 9 nach Johannesburg.
saul7 21.09.2009
5. Ich
Zitat von sysopSind wir allein im All? Die Wissenschaft fahndet vor allem nach außerirdischen Wesen, die Erdbewohnern ähneln. Dabei wäre Leben laut neuen Forschungsergebnissen auch in Schwefelsäure oder einer Kohlewasserstoff-Suppe denkbar - etwa in der Atmosphäre des Planeten Venus. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,649857,00.html
wußte es immer schon: E.T. lebt. Und jetzt möchte ich endlich mal nach Hause telefonieren!! :-oooo
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