Supernova Astronomen erspähen 400 Jahre alte Sternenexplosion

Blick in die Vergangenheit: Heidelberger Wissenschaftler haben das Lichtecho einer Supernova entdeckt, die schon der legendäre Astronom Tycho Brahe im 16. Jahrhundert beobachtete. Einige Lichtblitze waren über 400 Jahre länger unterwegs und erreichten die Erde erst jetzt.


Hamburg - Sternenexplosion in der Wiederholung: Dank moderner Teleskope haben Astronomen eine spektakuläre Sternexplosion aus dem 16. Jahrhundert noch einmal beobachten können. Sie fingen das "Lichtecho" einer Supernova auf, die im Jahr 1572 als hellster Stern am irdischen Himmel aufgeflammt war. Mit moderner Technik war es ihnen möglich, Reflexe des Explosionsblitzes aufzufangen, die von Staub- und Gaswolken aus der Umgebung des Sterns zurückgeworfen wurden. Wegen ihres Umwegs waren diese Reflexe 436 Jahre länger zur Erde unterwegs gewesen als das Licht des Blitzes selbst. Dessen Licht brauchte insgesamt rund 11.000 Jahre bis zur Erde und erreichte diesen 1572. Auf diese Weise konnten die Forscher heute noch einmal Zeugen des damaligen Geschehens werden, wie das Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg mitteilte.

Der vermeintlich neue Stern, der im Herbst 1572 am Firmament aufleuchtete und im April 1574 wieder verschwand, war vom dänischen Astronomen Tycho Brahe (1546-1601) intensiv untersucht und beschrieben worden. Tycho, der für seine exakten Positionsbestimmungen bekannt war, hatte die Himmelsposition der Supernova exakt vermessen und daraus geschlossen, dass der Stern weit jenseits des Mondes liegen musste. Das stand im krassen Widerspruch zur damals vorherrschenden Vorstellung von der Welt und legte einen Grundstein für die umwälzenden Veränderungen des Weltbilds im ausklingenden Mittelalter. Die Explosion gehört seitdem zu den bekanntesten Supernovae in der Geschichte der Astronomie.

Anhand des Lichtechos gelang es den Astronomen jetzt, Tychos Supernova zu klassifizieren, wie die Gruppe um den Heidelberger Forscher Oliver Krause im britischen Fachjournal "Nature" (Bd. 456, S. 617) berichtet. Ergebnis: Es handelte sich um die thermonukleare Explosion eines sogenannten Weißen Zwergs - der letzten Phase eines Sterns, kurz nachdem sein Brennstoff aufgebraucht ist. Die Analyse verbessere das Verständnis solcher Supernovae vom Typ Ia, die als wichtige Entfernungsmesser im Universum dienen. Bei dieser Form von Supernovae saugt ein Weißer Zwergstern Materie von einem großen Begleitstern, bis er eine kritische Grenze überschreitet, unter dem eigenen Gewicht kollabiert und in einer Art Wasserstoffbombenexplosion auseinandergerissen wird.

Da die kritische Grenze stets dieselbe ist, sind diese Supernovae immer in etwa gleich hell, so dass sich aus ihrer scheinbaren Helligkeit am irdischen Himmel ihre Entfernung von der Erde berechnen lässt. Sie gelten daher als wichtige kosmische Meilensteine. Tychos Supernova ist die erste derartige Sternexplosion in unserer Milchstraße, die vermessen werden konnte. Typ-Ia-Supernovae seien zuvor nur in anderen Galaxien direkt beobachtet worden, betonte das Institut.

Krause und seine Kollegen hatten mit derselben Technik bereits das Lichtecho einer anderen Supernova untersucht. Diese Explosion im Sternbild Cassiopeia war vom Typ IIb, bei dem ein einzelner Riesenstern ohne Begleiter unter seinem Gewicht kollabiert und explodiert.

lub/dpa



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