Supernova-Serie Sterne könnten Tod auf Raten sterben

Die Explosion eines Sterns in einer gewaltigen Supernova muss noch nicht sein Ende bedeuten: US-Astronomen haben eine Theorie entwickelt, laut der ein Stern mehrere gigantische Ausbrüche nacheinander erzeugen kann. Das Modell könnte auch die zweithellste je beobachtete Supernova erklären.


Die Explosion im September 2006 nahe Sternbildes Perseus riss Astronomen zu Begeisterungsstürmen hin: "Das ist ziemlich wahrscheinlich der massereichste Stern, dessen Explosion jemals beobachtet worden ist", sagte Nathan Smith von der University of California. Inzwischen ist klar, dass es sich bei der Explosion des Giganten SN2006gy um die zweithellste je beobachtete Supernova handelt. Smith nannte den Stern, der da sein Leben ausgehaucht hatte, "abgefahren massiv". Er sei rund 150 Sonnenmassen schwer gewesen.

Explosion von SN2006gy (Zeichnung): "Abgefahren massiv"
AP/ NASA

Explosion von SN2006gy (Zeichnung): "Abgefahren massiv"

Unklar war den Forschern jedoch, welcher Mechanismen hinter dem gewaltigen Ausbruch stecken. Im Wissenschaftsmagazin "Nature" präsentieren Astronomen nun zwei verschiedene Theorien dafür. Stanford Woosley von der University of Kalifornien in Santa Cruz erklärt die außergewöhnliche Supernova mit einer Serie von Explosionen. Forscher um Simon Portegies Zwart von der Universität in Amsterdam halten dieses Ereignis hingegen für einen Zusammenstoß zweier Sterne.

Entdeckt hatten amerikanische Astronomen die Supernova SN2006gy in einer rund 240 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie, als sie den Himmel systematisch nach diesen extremen Ereignissen absuchten. Bei diesen Explosionen steigt die Leuchtkraft des Sterns auf das Milliardenfache an, so dass manche Supernova heller aufleuchtet als eine ganze Galaxie. Zu Supernovae kommt es, wenn ein Stern seinen Brennstoff verbraucht hat, in sich zusammenfällt, um dann in einer gewaltigen Explosion auseinanderzufliegen.

Bei extrem massiven Sternen, die 90- bis 130-mal so schwer sind wie die Sonne, könnte dieser Sternentod jedoch auch in Etappen erfolgen, folgern nun Woosley und seine Kollegen aus ihrem Modell.

Nach ihren Berechnungen beginnen solche Riesen unter bestimmten Bedingungen zu pulsieren: Sie ziehen sich zusammen, schleudern einen Teil ihrer Masse von sich, um dann wieder zu kontrahieren und erneut in einer Explosion Material ins All zu werfen. Laut Woosly seien so bis zu sechs Explosionen in Folge möglich. Holt eine der ausgestoßenen Materiewellen die vorangehende ein und prallt mit dieser zusammen, werden viel größere Energiemengen in Form von Licht freigesetzt als bei einer gewöhnlichen Supernova, ergaben die Berechnungen der Wissenschaftler. Das erkläre die extreme Helligkeit der Supernova SN2006gy.

Die Wissenschaftler um Portegies Zwart liefern hingegen eine andere Deutung dieses Ereignisses: Nach ihrer Theorie entstand die Rekord-Supernova, als in einer Zusammenballung von Sternen zwei Himmelskörper zusammenstießen. Die Forscher stützen sich auf Berechnungen der Wahrscheinlichkeit, mit der es in einem solchen sogenannten Cluster zu einem Zusammenstoß kommt. Sollte diese Idee zutreffen, werden sich die zugehörigen Sterne in etwa einem Jahr, wenn das Glühen der Supernova erloschen ist, aufspüren lassen, hoffen die Forscher.

hda/ddp



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