Venus Superstürme drehen auf

Mit 400 Kilometern pro Stunde rasen Superstürme um die Venus - so stark wirbeln auf der Erde die heftigsten Tornados. Die Winde haben sich beschleunigt: Wolken rasen nun in nur vier Tagen um den Planeten.

Venus vor der Sonne (Juni 2012): In der Atmosphäre des Planeten toben Superstürme
REUTERS/NASA

Venus vor der Sonne (Juni 2012): In der Atmosphäre des Planeten toben Superstürme


Paris – Stürme auf dem Planeten Venus nehmen an Tempo weiter zu. Die Windgeschwindigkeit in den oberen Atmosphärenschichten unseres Nachbarplaneten ist in den vergangenen sechs Jahren um 100 Kilometer pro Stunde gestiegen. Sie beträgt damit jetzt bemerkenswerte 400 Kilometer pro Stunde. So stark wirbeln auf der Erde die heftigsten Tornados.

Das berichtet ein Team um Igor Khatuntsew vom Moskauer Weltraumforschungsinstitut im Fachmagazin "Icarus". Eine Langzeitbeobachtung mit der europäischen Raumsonde "Venus Express" hatte das überraschende Ergebnis erbracht. Eine zweite Studie japanischer Wissenschaftler im "Journal of Geophysical Research" kommt zu den gleichen Resultaten.

"Das ist ein enormer Anstieg der bereits hohen bekannten Windgeschwindigkeiten in der Atmosphäre", betont Khatuntsew in einer Mitteilung der Europäischen Raumfahrtagentur Esa, die "Venus Express" betreibt. "So eine große Veränderung ist niemals zuvor auf der Venus beobachtet worden, und wir verstehen noch nicht, wieso dies geschieht."

Analyse der Wolkenbewegungen

Für ihre Untersuchung haben die Forscher die Bewegungen von fast 400.000 Wolken in der hohen Venusatmosphäre analysiert. Sie verfolgten die Wolkenbewegung in rund 70 Kilometern Höhe in den niedrigen und mittleren Breiten der Venusatmosphäre – und das über den Zeitraum von über zehn Venus-, also sechs Erdenjahren.

"Wir haben Bilder aus 127 Orbits manuell analysiert und 600 Orbits mit einer digitalen Korrelationsmethode", sagt Khatuntsew. Nach Esa-Angaben handelt es sich um die bislang detaillierteste Aufzeichnung von Wolkenbewegungen in der Venusatmosphäre.

Die Auswertung der Daten zeigt nicht nur, dass die durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten stark zugenommen haben. Sie offenbart auch: Die lokalen Windgeschwindigkeiten ändern sich innerhalb kurzer Zeiträume teilweise extrem.

"Obwohl die Belege eindeutig zeigen, dass die mittleren globalen Windgeschwindigkeiten zugenommen haben, sind weitere Untersuchungen nötig. Um zu erklären, was die verantwortlichen atmosphärischen Zirkulationsmuster antreibt. Und, um die lokalen Veränderungen auf kürzeren Zeitskalen zu erklären", sagt Projektmanager Håkan Svedhem von der Esa.

Ungelöstes Mysterium

Unser Nachbarplanet Venus hüllt sich beständig in dicke Wolken. Venusstürme rasen oft in nur vier Tagen um den kompletten Planeten. Damit umkreisen sie die Venus viel schneller als der Planet selbst rotiert – ein Venustag ist 243 Erdentage lang. Dieses Phänomen, bei dem sich die Atmosphäre schneller dreht als der Planet, nennen Astronomen Superrotation. Sie verblüfft Experten seit ihrer Entdeckung in den späten sechziger Jahren. "Die atmosphärische Superrotation der Venus ist eines der großen ungelösten Mysterien des Sonnensystems", betont Svedhem. "Diese Ergebnisse lassen sie noch geheimnisvoller erscheinen."

dal/dpa



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