Supersturm Saturn-Gewitter blitzt im Rekordtempo

Auf dem Saturn tobt ein gigantischer Sturm - schon seit Monaten. Jetzt haben Forscher neue Daten über das Phänomen ausgewertet: Die Blitze des Gewitters leuchten viel häufiger und 10.000-mal stärker als alles auf der Erde Bekannte.

AP/ NASA

Es begann bei ungefähr 40 Grad nördlicher Breite: Ein gewaltiger Sturm breitet sich seit Dezember in der Atmosphäre des Saturn aus. Seine Dimensionen versetzen Astronomen seither in ungläubiges Staunen. Im Mai stellten Forscher die ersten Ergebnisse ihrer Auswertungen vor: Sie fanden unter anderem heraus, dass der Durchmesser des Sturms mehr als 100.000 Kilometer beträgt.

Was eine weitere Wissenschaftlergruppe jetzt präsentiert, ist nicht minder beeindruckend: Die Blitze, die derzeit auf dem Saturn leuchten, sind 10.000-mal stärker als alles, was von der Erde bekannt ist, wie die Radioemissionen des Sturms zeigen. Die Blitzhäufigkeit liege rund zehnmal höher als bei vorhergehenden Stürmen. "Es wurden Höchstraten von mehr als zehn Blitzen pro Sekunde registriert", berichtet das Team um den österreichischen Planetenforscher Georg Fischer im Wissenschaftsmagazin "Nature".

Das sei ein Hinweis auf ein ganzes Cluster von Sturmzellen unter dem nach Osten auslaufenden Wolkenwirbel des Sturms. Der nur alle 30 Jahre auftretende "Great White Spot" ist damit von ungewöhnlicher Intensität. Die Forscher berechneten auch die im Sturm gebündelte und über Wärme und Blitze freigesetzte Energiemenge. Demnach hat der Supersturm seit seiner Entstehung eine Energie von rund einer Trilliarde Kilojoule freigesetzt. Das teilte die Österreichische Akademie der Wissenschaften am Donnerstag mit. Damit ließe sich der gegenwärtige Weltenergiebedarf rund zwei Jahrtausende lang decken.

"Bereits drei Wochen nach seiner Entdeckung erstreckte sich der Sturm über 10.000 Kilometer", berichtete der Forschungsleiter Fischer. "Zwei Monate später reichte er einmal um den ganzen Planeten. Und jetzt, sieben Monate nach der Entdeckung, umfasst er die Fläche von vier Milliarden Quadratkilometern. Das ist das Achtfache der Erdoberfläche."

Rund einmal pro Saturnjahr - also alle 29,5 Erdenjahre - entsteht auf dem Ringplaneten ein Sturmwirbel, der zehnfach größer und energiereicher ist als normale Stürme. Dieses als "Great White Spot" sichtbare Ereignis ist auch mit Teleskopen von der Erde aus erkennbar.

Detektor kam nicht hinterher

Das wichtigste Werkzeug für die Arbeit von Fischer und seinen Kollegen war ein Radiowellendetektor an Bord der Raumsonde "Cassini". "Die Radiosignale, die von Blitzen in der Saturnatmosphäre abgegeben werden, beobachten wir normalerweise als kurze, einzelne Radioimpulse", schreiben die Forscher. "Aber in diesem Ereignis verbinden sie sich wegen der hohen Blitzrate zu einer fast kontinuierlichen Emission." Die teilweise über mehrere Frequenzbereiche reichenden Blitze folgten so dicht aufeinander, dass auch der "Cassini"-Detektor nicht mehr mitkam.

Auf Basis der Radioemissionen und weiterer Beobachtungen kalkulierten die Forscher, dass die Blitze aus einer Tiefe von bis zu 250 Kilometern unter der obersten Wolkendecke stammen. Da kaum Sonnenlicht dorthin gelangt, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die innere Wärme des Planeten die Gewitterstürme antreibt. Auf der Erde liefert die Sonne den Hauptteil der Energie für alle Wetterereignisse.

Doch trotz dieser Unterschiede sehen die Forscher durchaus Parallelen zwischen den Gewittern auf dem Ringplaneten und auf der Erde: "Die elektrostatischen Entladungen sind sehr viel intensiver als die irdischen Blitze, aber ihre Dauer ist ähnlich. Auch die Mechanismen der Aufladung in den Wasserwolken von Saturn- und Erdgewittern sind wahrscheinlich vergleichbar."

Auslöser des Sturms ist vermutlich ein Wechsel der Jahreszeiten auf dem Saturn, im August 2009 hatte der Frühling auf der Nordhalbkugel des Ringplaneten begonnen. Der Gewittersturm ist nach Nasa-Angaben der größte je von einer Saturnsonde beobachtete. Nur das Weltraumteleskop "Hubble" habe 1990 aus dem Erdorbit einen ähnlich großen Sturm auf dem Ringplaneten fotografiert.

"'Cassini' zeigt uns, dass Saturn zwei Zustände hat", erklärt Nasa-Forscher und Co-Autor Andrew Ingersoll in einer Mitteilung der Raumfahrtbehörde. "Saturn ist nicht wie die Erde oder Jupiter, wo Stürme relativ häufig sind. Das Wetter auf Saturn scheint jahrelang friedlich vor sich hinzubrummen und dann heftig auszubrechen. Ich bin begeistert, dass wir so spektakuläres Wetter während unserer Wache beobachten konnten."

cib/dapd/dpa

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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
bunterepublik 07.07.2011
1. Statt Atomstrom
Zitat von sysopAuf dem Saturn tobt ein gigantischer Sturm - schon seit Monaten. Jetzt haben Forscher neue Daten über das Phänomen ausgewertet: Die Blitze des Gewitters leuchten viel häufiger und 10.000-mal stärker als alles auf der Erde Bekannte. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,772888,00.html
Könnten wir die Energie der Blitze nicht mit langen Elektrokabeln auf die Erde leiten?
michel65, 07.07.2011
2. .
Zitat von sysopAuf dem Saturn tobt ein gigantischer Sturm - schon seit Monaten. Jetzt haben Forscher neue Daten über das Phänomen ausgewertet: Die Blitze des Gewitters leuchten viel häufiger und 10.000-mal stärker als alles auf der Erde Bekannte. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,772888,00.html
Na toll. Jetzt fällt unser Sommerurlaub flach.
Zyklotron, 07.07.2011
3. Sonnenwärme contra planetare Wärme
Vielleicht besteht ein Zusammenhang mit dem ausgeprägten letzten Sonnenminimum und der ungewöhnlichen Stärke des Sturms.
ozwanderer 07.07.2011
4. kk
!!!klimakatastrophe!!! warum unternimmt niemand 'was dagegen wo sind die gruenen gutmenschen + weltverbesserer ich bin entsetzt wer gründet mit mir eine "rettet das saturnklima" vereinigung als eingetragener saturnnuetzlicher verein laesst sich jede menge steuern... so long ozwanderer
Growling Mad Scientist 07.07.2011
5. meine meinung
Zitat von ZyklotronVielleicht besteht ein Zusammenhang mit dem ausgeprägten letzten Sonnenminimum und der ungewöhnlichen Stärke des Sturms.
Genau das habe ich auch gedacht. Vor allem wenn man sich mal die Forschungsarbeiten zu Wolken, Klima, Sonne und kosmische Strahlung von Svensmark ansieht.
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