Satellitenbild der Woche Hauptstadt auf dem Weg nach unten

Teils mehr als 25 Zentimeter pro Jahr sinkt die Region um die iranische Hauptstadt Teheran ab - weil Grundwasservorkommen rücksichtslos ausgebeutet werden. Forscher warnen, dass manche der Speicher irreparabel geschädigt sind.

Bodenabsenkungen im Großraum Teheran
Copernicus Sentinel data / GFZ / Mahdi Motagh / Mahmud Haghshenas Haghighi

Bodenabsenkungen im Großraum Teheran


Acht Millionen Menschen leben rund um Teheran. In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten ist die Zahl der Einwohner in der Region rund um die iranische Hauptstadt immer weiter gewachsen - und mit ihr der Bedarf an Wasser.

Massiv gestiegen ist dadurch auch die Zahl der Brunnen, die für die Versorgung gebohrt wurden: Während es im Jahr 1968 nur knapp 4000 von ihnen gab, waren es 50 Jahre später schon mehr als achtmal so viele. Das wiederum führt dazu, dass der Grundwasserspiegel in der Region rund um Teheran immer weiter absinkt - allein in der Zeit zwischen 1984 und 2011 lag das Minus bei zwölf Metern.

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Forscher des Deutschen Geoforschungszentrums GFZ in Potsdam haben den Effekt nun näher untersucht. Dafür nutzten sie die Daten von insgesamt vier verschiedenen Satelliten: dem mittlerweile nicht mehr funktionsfähigen europäischen "Envisat", dem ebenso mittlerweile verstummten japanischen "Daichi", dem deutschen "TerraSAR-X" und dem europäischen "Sentinel-1".

Aus dessen Daten wurde auch das Bild oben generiert. In blau eingefärbten Bereichen hat sich der Boden dabei gar nicht abgesenkt, in roten besonders stark. "Sentinel-1" lieferte seit 2014 zunächst alle 24 Tage frische, hochauflösende Radarbilder dieser Weltregion, seit 2016 sogar alle zwölf Tage. "Dadurch ist es möglich, Georisiken wie etwa Landabsenkungen nahezu in Echtzeit zu analysieren", sagt GFZ-Forscher Mahdi Motagh.

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Zusammen mit seinem Kollegen Mahmud Haghshenas Haghighi berichtet er gerade im Fachjournal "Remote Sensing of Environment", dass sich manche Gebiete um Teheran in der Zeit zwischen 2003 und 2017 um teils mehr als 25 Zentimeter pro Jahr abgesenkt haben. Insgesamt seien so mehrere Meter zusammengekommen. Das führe unter anderem zu Spalten im Boden sowie Rissen in Gebäudewänden.

Die Wissenschaftler warnen, dass einige Grundwasserbecken durch die Ausbeutung inzwischen sogar irreversibel geschädigt worden seien. Sie könnten in Zukunft nicht mehr so viel Wasser speichern wie früher. Wissenschaftlich fundierte Pläne für die Wasserwirtschaft könnten die Situation jedoch entschärfen helfen, so die beiden Forscher.

Einer der Gründe für die starke Beanspruchung der natürlichen Wasserspeicher unter der Erde ist der Versuch Irans, bei der Lebensmittelversorgung unabhängiger zu werden. Das führt einerseits dazu, dass die Grundwasserbecken zu stark ausgebeutet werden. Andererseits sorgt es dafür, dass sie sich nicht wieder richtig füllen - weil das Wasser an Staudämmen zurückgehalten wird und es so nicht mehr versickern kann.

chs



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