Teleskop "Kepler" Ferner Planet ist so leicht wie Kork

Astronomen ist in den Tiefen des Alls eine verblüffende Entdeckung gelungen: Das neue Weltraumteleskop "Kepler" hat mehrere Planeten aufgespürt, die für ihre Größe außergewöhnlich leicht sind. Einer von ihnen ist kaum dichter als eine Kugel aus Kork.

Erste Aufnahme des "Kepler"-Teleskops: Besonders leichte Exoplaneten entdeckt
AFP

Erste Aufnahme des "Kepler"-Teleskops: Besonders leichte Exoplaneten entdeckt


Im Frühjahr hat die Nasa das Weltraumteleskop "Kepler" ins All geschossen - um beim Wettrennen um den Fund der zweiten Erde wieder die Nase vorn zu haben. Immer wieder hatten zuvor die Europäer, die das Konkurrenz-Observatorium "Corot" betreiben, über neue Exoplaneten berichtet. Nun wollten die Amerikaner auf diesem Feld wieder die entscheidenden wissenschaftlichen Erfolgsmeldungen produzieren. Beinahe eine halbe Milliarde Dollar ließ sich die Nasa das "Kepler"-Projekt kosten.

Nun ist es also soweit. "Kepler" hat zwar noch keinen erdähnlichen Himmelskörper entdeckt, was zum jetzigen Zeitpunkt auch noch gar nicht möglich ist. Doch zumindest ein von "Kepler" aufgespürtes Exemplar weist eine verblüffende Besonderheit auf: Der ferne Planet ist so leicht wie Kork. "Kepler-7b ist einer der leichtesten Planeten, die bislang entdeckt wurden", berichten Forscher um William Borucki von der Nasa im Fachblatt "Science".

Die Astronomen stellen ihre Erkenntnisse auch auf der Jahrestagung der American Astronomical Society (AAS) vor, die am Montag in Washington begonnen hat. Der neue Planet kreist demnach um einen sonnenähnlichen Stern im Sternbild Leier. Seine Dichte ist mit 0,17 Gramm pro Kubikzentimeter nur unwesentlich größer als die von Kork, dessen Dichte bei 0,15 Gramm pro Kubikzentimeter liegt. Neben Kepler-7b hat der fliegende Planetenjäger bereits vier weitere Exoplaneten entdeckt. Drei von ihnen sind ebenfalls extrem leicht für ihre Größe.

Beobachtungen aus den ersten sechs Wochen vorgestellt

Der fünfte von "Kepler" aufgespürte Exoplanet ähnelt in seiner Dichte von 1,91 Gramm pro Kubikzentimeter und seinem Durchmesser von rund 50.000 Kilometern dem Gasriesen Neptun. Die übrigen vier sind allesamt wesentlich leichter, aber deutlich größer als Jupiter, der größte Planet unseres Sonnensystems. Die meisten der bislang entdeckten rund 400 Exoplaneten sind vom Kaliber des Jupiter, umkreisen ihre Sterne aber oft sehr viel enger.

Läuft alles nach Plan, dürfte von "Kepler" - das Teleskop ist mit einer 95-Megapixel-Kamera ausgestattet - noch einiges an Entdeckungen zu erwarten sein. Das Team um Borucki stellte in Washington nur die Beobachtungen der ersten sechs Wochen vor. Das Teleskop soll aber insgesamt drei Jahre nach fernen Welten suchen.

Damit ein Planet der Erde ähnlich ist, muss er zwei Grundvoraussetzungen erfüllen. Neben seiner Größe muss auch die Zeit vergleichbar sein, die der Planet für eine Umrundung seines Zentralgestirns braucht. Ungefähr ein Jahr ist die magische Marke - und mindestens so lange muss das Teleskop hinsehen.

chs/dpa

insgesamt 8 Beiträge
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Parzival v. d. Dräuen 04.01.2010
1. Korken
Zitat von sysopAstronomen ist in den Tiefen des Alls eine verblüffende Entdeckung gelungen: Das neue Weltraumteleskop "Kepler" hat mehrere Planeten aufgespürt, die für ihre Größe außergewöhnlich leicht sind. Einer von ihnen ist kaum dichter als eine Kugel aus Kork. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,670019,00.html
Der Artikel hätte dem Laien mal erklären können, wie die Dichte der Planeten gemessen wurde. Oder hatte "Kepler" eine gigantische Weinflasche im Schlepptau?
alida80 04.01.2010
2. Korken
Zitat von Parzival v. d. DräuenDer Artikel hätte dem Laien mal erklären können, wie die Dichte der Planeten gemessen wurde. Oder hatte "Kepler" eine gigantische Weinflasche im Schlepptau?
Das ist wohl war. Leider tendiert man häufig dazu, derlei "technischen" Kram wegzulassen. Das mag sogar begründet sein. Viele Menschen sind offenbar nicht in der Lage, einfach über unverständliche Passage hinwegzulesen. Sie schalten dann gleich ganz ab und verweigern die Lektüre ses Rests. Wie kann man es machen: Extrasolare Planeten findet man unter Anderem durch "Taumelbewegungen" des Sterns, den sie umkreisen. Diese wird durch die Schwerkraft des Planeten verursacht. Eine andere Metode ist die Sternbedeckung - die Helligkeit des Sterns ändert sich, wenn der Planet einen Teil davon "verdeckt". Kombiniert man beide Methoden, so kann man den Bahnradius und die Umlaufzeit bestimmen(und somit die Masse des Sterns), den Planetendurchmesser (aus der Abschattung) und aus der Stärke der Taumelbewegung des Sterns auch die Schwerkraft des Planeten. Aus der Schwerkraft läßt sich die Masse berechnen und über den Durchmesser dann die Dichte. Das ist jetzt nur eine grobe und sicher nicht sehr schön aufgeschriebene Darstellung. Zumal die ganzen technischen Probleme ausgeblendet sind...
Bala Clava 04.01.2010
3. Endlich wieder aufgetaucht
Jetzt weiß ich endlich, wo der Korken meiner Megasupermagnum Flasche Taittinger extra brut (25 Liter) abgeblieben ist, den ich Silvester 1999 etwas fahrlässig abgeschossen habe ...
Lupo1977, 05.01.2010
4. Korken!
Zitat von Bala ClavaJetzt weiß ich endlich, wo der Korken meiner Megasupermagnum Flasche Taittinger extra brut (25 Liter) abgeblieben ist, den ich Silvester 1999 etwas fahrlässig abgeschossen habe ...
*Schenkelklopf* Der war gut !!
Magician_2000 05.01.2010
5. Wer lesen kann ist im Vorteil
"Man" tendiert auch dahin, die linke Spalte mit der Überschrift "Methoden der Planetenjagd" nicht zu lesen, stattdessen aber Theorien zur Bestätigung von Vorurteilen über andere SPON-Leser zu entwickeln :-) Ich finde die Aufteilung "Titelthema" in der Mitte und "Weiterführende Informationen" im linken Bereich ganz ausgezeichnet. Lob an SPON!
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