Satellitenbild der Woche Hochhaus-Atoll im Persischen Golf

Eine künstliche Insel im Emirat Katar lockt reiche Menschen aus aller Welt an. The Pearl liegt am Persischen Golf gleich neben der Hauptstadt Doha - und sieht aus dem All aus wie eine Kläranlage.

NASA Earth Observatory

Das Leben soll ein leichtes sein, irgendwann einmal, an der sogenannten Arabischen Riviera. Auf der 400 Hektar großen künstlich angelegten Insel The Pearl entstehen gerade luxuriöse Häuser, die aussehen, als würden sie in der Toskana, in Südfrankreich oder an Spaniens Mittelmeerküste stehen.

Damit es den Menschen in Porto Arabia oder an der Costa Malaz, so die mediterran klingenden Namen der Quartiere, an nichts fehlt, baut man zusätzlich Schulen, Kindergärten und Einkaufszentren. Und vier Häfen für insgesamt 700 Jachten.

Wie das Bild aus dem Weltall zeigt, ist das Eiland aus Sand und Stein fast fertig, in diesem Jahr könnten die Bauarbeiten abgeschlossen werden - das sah zumindest einmal die Planung vor. Mehr als 30.000 Menschen sollen auf The Pearl leben, derzeit sind es schon ein paar Tausend.

Das Kunsteiland vor der Küste von Katars Hauptstadt Doha ist eines der größten Bauprojekte im arabischen Raum. Seit 2004 wird an und auf der Insel gebaut, sie liegt gerade einmal ein paar Hundert Meter von Dohas West Bay Lagoon entfernt.

Fotostrecke

28  Bilder
Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Günstig ist das Wohnen auf The Pearl allerdings nicht. Für eine Villa an der Hauptpromenade - inklusive 2600 Quadratmeter Grundstück, Pool und Meerblick - sind etwa 3,5 Millionen Dollar zu zahlen. Wer es günstiger braucht, der zieht in eines der Hochhaus-Apartments, die an den beiden atollartigen Lagunen liegen, die auf dem Bild zu sehen sind. Insgesamt sollen auf der Insel 180 Hochhäuser stehen.

Eine Eigentumswohnung mit 129 Quadratmeter Wohnfläche kostet ab 275.000 Dollar. Zwar ist Geld in Katar, dem reichsten Land der Welt, reichlich vorhanden. Doch die Insel wurde nicht für Einheimische gebaut.

Vielmehr soll die Perle im Persischen Golf wohlhabende Ausländer anlocken, dafür wurden sogar eigens Gesetze geschaffen. Denn erstmals erhalten Ausländer im Emirat Katar bei Grundstückskäufen einen Eintrag ins Grundbuch. Darüber hinaus wird dem Eigentümer und seinen Angehörigen ein Visum auf Lebenszeit zugesichert.

Kunstinsel The Pearl in Doha/ Katar
Planet

Kunstinsel The Pearl in Doha/ Katar

Wie bei anderen Großbauprojekten auch hat es mit der Kostenkalkulation nicht so richtig hingehauen. Zu Beginn rechneten die Investoren mit 2,5 Milliarden, inzwischen geht man aber von Kosten um 15 Milliarden aus.

Wer es sich leisten kann, der wohnt auf The Pearl auf einer der neun kleinen mit einer Straße verbundenen Satelliteninseln im Osten des Mega-Archipels - sie sind mit einer Straße miteinander verbunden und sehen aus der Luft aus wie eine Perlenkette. Jede der Villen, die hier entsteht, verfügt selbstverständlich über einen eigenen Bootshafen. Zu einem nachgebauten Klein-Venedig, zum Showroom von Rolls-Royce und zu den Niederlassungen von etlichen internationalen Designern sind es dann nur ein paar Meter.

Dass die Insel trotz Superreicher, Hochhäusern und Kunststatus doch eine Perle sein könnte, zeigt sich auf der Aufnahme, die ein Astronaut von der Internationalen Raumstation ISS aufgenommen hat. Das türkisfarbene, klare Wasser wirkt selbst aus dem All noch verlockend. Hier suchten einst Taucher nach Perlen. Und das gab der Insel ihren Namen.

joe



insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
boogywhat 30.04.2018
1. Warum..
Warum werden in dem Artikel nur Lobhudelei verbreitet und nicht wenigstens ein paar der offensichtlichen bereits bekannten Nachteile solcher unnatürlichen Megaprojekte am Golf genannt ? Enormer Energieverbrauch beim Bau und beim Betrieb, kaum Wasserströmung und damit einhergehende Versumpfung / Algenbildung, niedrige Nachfrage (verständlich - wer will dort schon wohnen?),...
Bob Hund 30.04.2018
2.
Zitat von boogywhatWarum werden in dem Artikel nur Lobhudelei verbreitet und nicht wenigstens ein paar der offensichtlichen bereits bekannten Nachteile solcher unnatürlichen Megaprojekte am Golf genannt ? Enormer Energieverbrauch beim Bau und beim Betrieb, kaum Wasserströmung und damit einhergehende Versumpfung / Algenbildung, niedrige Nachfrage (verständlich - wer will dort schon wohnen?),...
Zudem braucht man Unmengen an Sand, um diese Inseln aufzuschütten. Und nein, man kann nicht einfach den Wüstensand aus dem Hinterland nehmen. Der Sand wird aus Australien angeliefert und dort aus dem Meer gebaggert/gesaugt. Wüstensand ist zu rund und verhakt sich nicht wie der gröbere Meersand. Dazu gibt es auf youtube eine sehr sehenswerte Doku von Arte zum Thema Sand. Das ganze wird zunehmend zum Problem, da der Sandabbau das Ökosystem beeinflusst und auch ganze Strände verschwinden können, wenn der Sand von oben in die abgebauten Gebiete nachrutscht.
transatco 30.04.2018
3. Da würde ich nicht mal.
geschenkt Urlaub machen wollen geschweige denn Wohnen! Aus dem All sieht das Ganze aus wie eine Kläranlage! Und von Nahem leider immer noch genauso!! Unglaublich geschmacklos!
kangia 01.05.2018
4. Ist kein Langzeitproblem
Diese künstliche Insel verschwindet eh bald, wenn der Meerespiegel ansteigt, und die Leute in Doha tun bekanntlich ihr Bestes, damit das schneller passiert.
katjastorten 01.05.2018
5. @Nr 1 und 2
Ganz genau, Arbeitsbedingungen wären auch einer Erwähnung wert gewesen. Katar versucht mit Dubai gleichzuziehen. Völlig aussichtslos, sie liegen mehr als 50 Jahre zurück. Warum besinnen sich die UEA nicht auf ihre kulturellen Stärken statt Enklaven für Ausländer zu schaffen. In 20 Jahren werden die Hochhäuser Bauschrott sein, nichts gelernt aus den westlichen Bausünden der 70er.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.